Ein Lied läuft im Radio, das du seit fünfzehn Jahren nicht mehr gehört hast — und plötzlich riechst du das Lagerfeuer von damals, spürst die Stimmung, bist wieder mittendrin. Genau dieses Phänomen hat im NLP einen Namen: Anker. In dieser Folge nehmen Miriam und Florian dich mit vom Pawlowschen Hund über Duft- und Geräuschanker bis zu der Frage, wie du solche Verknüpfungen selbst bauen oder verändern kannst — falls du das willst.
Was Ankern wirklich meint: der Pawlowsche Hund
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Das ist... Was ist das?
Florian: Was ist was?
Miriam: Das mit dem Ankern.
Florian: Das mit dem Ankern? Ja. Anker werfen.
Miriam: Vor Anker gehen. Ich glaube, das war immer toll, wenn die Seeleute zurückgekommen sind von hoher See.
Florian: Und im NLP meinen wir etwas anderes damit. Heute geht es um eins der Grundwerkzeuge im NLP. Neben dem Sprachlichen, das wir jetzt mal ein ganz kleines Stückchen zur Seite schieben, heute das wichtige Thema.
Miriam: Ankern im Gehirn. Und es ist ein Begriff, der im NLP steht für, im Grunde sprechen wir von der klassischen Konditionierung. Also das, was einige Leute, die sich mit Psychologie mal zumindest im Amateurbereich beschäftigt haben, die kennen die Geschichte vom Pawlowschen Hund.
Florian: Mhm.
Miriam: Mhm.
Florian: Ein Forscher, der, bevor er Hunde gefüttert hat, immer ein kleines Glöckchen geläutet hat und irgendwann konnte er das Glöckchen läuten und dann haben die Hunde angefangen zu sabbern, so als würde es gleich etwas zu essen geben, obwohl er sie dann gar nicht gefüttert hat. Also hat er diesen Sabberreiz des Essens. Spaghetti Bolognese. Den Reiz des Essens übertragen auf das Glöckchen und dann konnte er genau die gleiche physiologische, körperliche Reaktion vorrufen in den Hunden durch das Glöckchen, wie wenn er denen einen leckeren Napf mit was auch immer hingestellt hat.
Miriam: Das heißt, Glöckchen ist ja nun nicht unbedingt ein Klang, der generell für sich gesehen irgendwas zu tun hätte mit Nahrungsaufnahme. Und da sind wir an der spannenden Stelle. Hier hat das Gehirn vom Hund zwei Dinge miteinander verknüpft, die sozusagen nichts miteinander zu tun haben, natürlicherweise. Und das geht eben mit der Art von Gehirn, wie wir auf diesem Planeten unterwegs sind, geht das fantastisch. Das geht auch beim Menschen. Das geht auch mit Elektrotechnik. Das geht mit allem. Genau.
Florian: Das ist ein anderer Forscher, hat mal die Ergebnisse von Pawlow nachgestellt. War auch ein polnischer Forscher, glaube ich. Und der hat dann, nachdem die Hunde und die Forschungsleiter daran gewöhnt waren, dass das Glöckchenklingeln immer ausgelöst hat, dass die Hunde angefangen haben zu sabbern, hat er die Glockenschlägel entfernt aus den Glöckchen. Und dann haben die Forschungsleiter das Glöckchen läuten wollen. Es hat nichts geläutet, nur die Hunde haben angefangen zu sabbern.
Miriam: Ohne läuten?
Florian: Und dann war die Erklärung, dass der Ton eher für die Forschungsleiter war als für die Hunde. Also dass die Hunde auf viel genauere Dinge achten und eben die Forschungsleiter waren völlig durch.
Miriam: Auch schön.
Florian: Weil wir sehr genau sind bei sowas. Also es ist eben nicht nur, in so einem Kontext ist es eben nicht nur, dass da ein kleines Glöckchen läutet, sondern es ist auch, welche Bewegungen macht jemand, wie kommt jemand in den Raum rein.
Miriam: Wie sieht so ein Glöckchen aus unter Umständen?
Florian: Vielleicht war es der weiße Mantel der Forschungsleiter. Ganz viele unterschiedliche Reize kommen ja jeden Tag auf uns zu und wir erinnern uns eben an viele verschiedene Sachen plötzlich. Ein toller Anker ist ja auch dieses, falls du so ein Lied hast, wo du das erste Mal zusammen getanzt hast, so Kuschelrock und dann auf irgendeiner Party und wenn du das jetzt im Auto zufällig mal hören würdest, vielleicht das erste Mal seit 15 Jahren und dann plötzlich kommen diese Bilder wieder hoch von vor, weiß ich nicht wann, wie auch immer alt du bist.
Miriam: Ja und es ist lustig, wie schnell unser Gehirn da offensichtlich bei der Hand ist, denn als ich Abitur gemacht habe und die großen Partys gelaufen sind mit Lagerfeuer und wir trafen uns quasi nach jeder Vorprüfung schon zum Feiern, weil es gab ja eh, Grund zum Feiern ist immer gut. Da wurde hauptsächlich Nirvana gespielt, das war damals halt eine Top of the Trend und das ist nun wirklich ein Lied, wo ich sagen würde, da ist Depression in jedem Klang und für mich ist es der Oberparty-Kracher. Ja, weil das mit dieser Zeit zu tun hat oder mit den Partys. Ich rieche sogar den Grillplatz in Friedberg, wo wir uns oft getroffen haben, um abends zu feiern. Ich rieche, wie es da roch, sobald dieses Lied läuft. Also alle Eindrücke, die auf diesen Partys relevant waren, scheinen mir gespeichert in diesem Song. Und der geht auch für nichts anderes. Ich kann den sozusagen im Moment, ist es mir unmöglich, den nicht zu hören und nicht dort zu sein im Kopf. Mich nicht zu erinnern. Es ist total spannend.
Knöpfe drücken: das Gehirn wie ein programmiertes Gerät
Florian: Das erinnert mich, als wir hier eingezogen sind in unsere aktuelle Wohnung, wir haben hier überall so elektrische Rollläden und überall so Knöpfe, die programmierbar sind.
Miriam: Diese Wohnung ist sowas, dieses Raumschiff Enterprise.
Florian: Und am Anfang war nicht vorhersehbar, was passiert, wenn wir auf irgendeinen dieser Lichtknöpfe drücken.
Miriam: Wir haben richtige Schalttafeln hier, wo wir die ganze Wohnung zentral gesteuert bedienen können und das ist auch programmierbar. Wir könnten also, wenn wir im Urlaub sind, programmieren, dass die Rollläden zu einem bestimmten Zeitpunkt rauf und runter gehen, die Lichter an und aus gehen und so. Und das war am Anfang irgendwie eingestellt und auch wohl noch nicht ganz fertig. Wir hatten die lustigsten Erlebnisse. Ich weiß nicht, ich habe dann Knöpfe gedrückt und habe gewartet, dass der Rollladen hochgeht. Der ging nicht hoch. Definitiv nicht. Dafür war auf der Toilette das Licht an. Und ich steh bei diesem Ding und denke... Kann mir irgendjemand helfen? Wir hatten da noch zweimal den Techniker da, der das eingebaut hatte und der stand zum Teil selbst ratlos vor dieser Schalttafel und war so, da sollte jetzt ein... Oder es kam mir so ein bisschen zufällig auch vor, ne?
Florian: In manchen Räumen oder in den meisten unserer Räumen war der oberste Schalter immer der fürs Hauptlicht im Raum. Nur in manchen Räumen hat der einfach irgendein Ganglicht, ein Seitenlicht als das oberste Licht auf so einem Schalter gemacht. So ganz... Und bei uns im Flur, wenn man den rechten Schalter drückt, geht das linke Licht an und wenn man den linken Schalter drückt, geht das rechte Licht an. Und wir haben uns halt dran gewöhnt.
Miriam: Es ist gut. Und so funktioniert ja Technologie. Also selbst die komplexesten Maschinen haben einen An- und Ausschalter. Zumindest das. Oder sie haben bestimmte Knöpfe, die bestimmte Funktionen starten. Wir erleben das ja auch am Computer. Das heißt, es gibt so bestimmte Grundfunktionen, die sind noch relativ simpel, wenn es dann ein bisschen in die höheren Ebenen geht, okay, dann steigen vielleicht die aus, die sich nicht begeisterungsmäßig mit Computern befassen. Alle elektrischen Geräte, wenn wir den Ofen anschalten, wird er warm. Das heißt, es gibt sozusagen einen Knopf, den wir drücken und dann passiert irgendwas. Beim Ofen ist es sinnvoll und zielgerichtet, im Idealfall, wenn es nicht so ein Ofen ist wie hier unsere Schalttafel. Nur, wenn wir den anmachen und sagen 200 Grad, dann funktioniert das so. Das heißt, derjenige, der den Ofen baut, macht sich sehr wohl Gedanken darüber, was er gerne hätte für den Kunden, der dann später da seinen Kuchen oder seine Pizza drin backen möchte. Und wir können das durchaus vergleichen mit dem menschlichen Gehirn. Weil wenn wir uns überlegen, jetzt außerhalb von, oder wir können auch Knöpfe dazu sagen, was alleine geschieht, wenn Menschen den Duft des Parfums wieder wahrnehmen, den sie zum Beispiel bei ihrer ersten großen Liebe gefunden haben.
Florian: Ich hatte mal so ein kleines Nilpferd. Da hatte meine damalige Freundin ihr Deo draufgesprüht. Das würde ich bestimmt auch noch erkennen, wenn mir das mal wieder irgendwann begegnen würde. Ja. Das war bestimmt so ein ganz Teenie-Duft. Ich weiß auch gar nicht mehr genau, wie der Duft war. Und ich wette, wenn ich irgendwie in so eine Wolke reinlaufen würde, würde ich denken, das kenne ich doch. Oh.
Miriam: Und zack.
Florian: und zack, genau. Weil manchmal stelle ich mir so einen Anker vor, wie so an einem Faden ziehen, an einem Faden der Erinnerung. Wir waren vor zwei Wochen in Italien als Assistenztrainer beim Advanced Master Practitioner von Richard Bandler und John Lavalle und ICIS in Italien. Richard hat einer Teilnehmerin auf der Bühne auch geholfen, sich an was zu erinnern. Über den Prozess eben, wie war es in der Schule damals, wie sah die Schule aus, was waren die Farben, was waren die Geräusche, die sie gehört hat, wie war eine genaue Situation. und so habe ich auch das Gefühl, sind manchmal Anker, da gibt es dann so einen großen Faden, in dem Fall von dem Duft eben, diesen Duftfaden und der zieht dann eine Handvoll Bilder und Geschichten und Erinnerungen hervor und das ist dann plötzlich das, was wieder nach oben an die Oberfläche kommt.
Miriam: und eben auch Gefühle. Und da sind wir an der Stelle, wo es manchmal kritisch wird. Denn ist diese Beziehung nett gewesen und habt ihr euch liebevoll getrennt?
Florian: Vielleicht war sie ja sogar ganz lange nett und es war dann nur der Schluss, der irgendwie komisch war.
Miriam: Genau, also sind da viele positive Gefühle und positive Erinnerungen dran verknüpft, dann ist es natürlich super, an diesem Faden zu ziehen. Das heißt, wir können ja fast dankbar sein, wenn jemand mit diesem Deodorant an Florian vorbeiläuft, weil Florian Zupp hat die Herzchen in den Augen. Zing! und ist in bester Laune, in bester, frisch verliebter Laune mitten im Dezember. Wie cool. Wenn jetzt allerdings diese Gefühle mit nicht, also wenn das jetzt eine anstrengende Beziehung war, wo es ständig Stress und Trouble gab und dieser Anker wird dann ausgelöst im Kopf, dann kann es sein, dass Florian für alle Menschen, die ihn in dem Augenblick begleiten, völlig unmotiviert und nicht verständlich in schlechteste Laune gerät und alle fragen sich, was passiert? Wir sind hier einfach unterwegs.
Anker in allen Sinnen: Duft, Klang und Berührung
Florian: Ich habe das letztens auch ausprobiert. Wir waren für ein Training in Hasselt im japanischen Garten und am Nachmittag des zweiten Tages hat schön die Sonne geschienen und ich habe ein neues Spielzeug ausprobiert. Mein binaurales Mikrofon. Das sieht aus wie ein Kopfhörer und an den beiden Ohren hängen dann so Mikrofonkapseln dran.
Miriam: Das sieht nicht aus wie ein Kopfhörer, nur dass wir das klaren. Das sieht total schräg aus.
Florian: Das sieht total aus wie der Nerd.
Miriam: Florian läuft wie Morg vom Org oder wie der hieß.
Florian: Dabei habe ich noch gar nicht die Windpuschel drauf gehabt. Ich bin auch nicht mitgegangen. Das stimmt. Und ich bin da durchgegangen und diese beiden Mikrofone, die zeichnen die Audioinformation genau so auf, wie meine Ohren sie auch hören würden zu dem Zeitpunkt. Das heißt, durch den Abstand, der zwischen den beiden Mikrofonen durch meinen Kopf entsteht, ist eben auch diese Information drin, in den Spuren, die auf dem Aufnahmegerät gespeichert werden, kommt ein Geräusch eher von rechts oder von links und wie bewegt sich's und dann entsteht tatsächlich sowas, dass ein Vogelzwitschern von rechts oben kommt oder ich bin an einem Wasserfall vorbeigelaufen und es ist auf der Aufnahme schön zu hören, wie ich dem erst näher komme und der dann, ich links an dem vorbeilaufe und so. Und als ich mir diese Aufnahme wieder angehört habe, das ist wirklich eine Wachaufnahme für mich. Da werde ich knallwach, wenn ich das höre. Meine Vermutung ist, ich war so begeistert, also ich bin 17 Mal durch diesen ganzen Park auf- und abgerannt und hab verschiedenste Stellen gemacht. Ich war so begeistert, dass wenn ich diese Aufnahme jetzt höre, dass das eben auch wieder das Gefühl ist, das hochkommt. Ich bin super wach. Plötzlich bist du wach, wenn du das nur hörst. Ja.
Miriam: Also auch da, da sprechen wir dann von einem Audio-Anker, das ist sowas ähnliches wie der Nirvana-Song. Ja. Also hat den gleichen Effekt, das heißt, wir hören ein bestimmtes Geräusch und das erinnert uns an irgendetwas, was wir eben, zum Beispiel, meine Eltern leben in einem kleinen Dorf in Hessen, das wirklich jetzt also von der Wichtigkeit her, sage ich mal, von der Bedeutung für die deutschlandweite Politik wahrscheinlich irgendwo bei null rangiert und durch dieses Dorf geht eine sehr große, auffällig große, viel zu große Eisenbahnbrücke, Eisenbahnüberführung, die in den 60er Jahren gebaut wurde. Und diese Brücke ist sehr laut, wenn da ein Zug drüber fährt. Also das Geräusch, das entsteht, wenn ein Zug über diese Brücke drüber rauscht. Und ich bin mit diesem Geräusch aufgewachsen. Das heißt, ich habe schon als Baby mit und zu diesem Geräusch geschlafen, gelebt, gespielt, war im Garten. Das ist jetzt keine Strecke, die wahnsinnig viel befahren ist und... So, ich sag mal, dreimal, zweimal in der Stunde fährt da ein Zug drüber über diese Brücke, weil das auch eine Güterstrecke ist. Und dieses Geräusch, wenn ich meine Eltern besuche heute und höre dieses Geräusch, dann kann ich gut schlafen. Das ist genau das Gegenteil von dem, was bei Florian passiert, wenn er den Wasserfall hört. Das heißt, bestimmte Geräusche, bestimmte Erlebnisse, die über den auditiven Kanal ins Gehirn kommen, das haben wir ja auch schon gemacht in den vorangegangenen Folgen, erzeugen eine nicht zu erklärende oder wenn dann höchstens neurologisch zu erklärende Reaktion. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Jemand, der mich jetzt zum ersten Mal in dieses Dorf begleitet, würde vielleicht sagen, boah, das hier stört ja. Wie halten die das hier aus? Und so kann eben unser Gehirn, auch ohne, dass wir das forcieren, auch ohne, dass ein Wissenschaftler im weißen Kittel da steht und bewusst ein Glöckchen zu einem Essen klingelt, scheint unser Gehirn gerne da selbstständig zu entscheiden, ich kombiniere jetzt mal dieses mit dem.
Florian: Geht auch mit Berührung. Bei Massage, wenn ich hier zur Massage gehe und eine Thai-Massage machen lasse, selbst hier in dem kleinen Ort, in dem wir wohnen, bin ich auch wieder in Thailand. Also bei bestimmten, da sind ja oftmals sehr gleiche Abläufe, da werden dann die Waden gedrückt und die Füße und bei manchen von denen bin ich dann wieder im Urlaub in Thailand. Und so haben wir in allen unseren Repräsentationskanälen und allen unseren Sinnen können wir solche Anker aufgebaut haben, die uns dann in eine bestimmte Situation oder einen bestimmten Ort, einen bestimmten Gefühlszustand wieder zurück erinnern und das eben wieder lebendig werden lassen. Das geht auch mit Inhalten. Also wir können auch Inhaltsanker nutzen.
Inhaltsanker: gezielt Stimmung erzeugen
Miriam: Wie machst du das?
Florian: Zum Beispiel, wenn ich meinen Kollegen frage, wie es gerade mit seiner kleinen Tochter zu Hause läuft. Und bei frisch geborenen Eltern, frisch geboren.
Miriam: Ja, es gibt ein Buch, das heißt Die Geburt einer Mutter.
Florian: Die Geburt einer Mutter?
Miriam: Ja.
Florian: Da sind ja oft extrem positive Gefühle verbunden mit diesem kleinen Wunder, das jetzt in ihrem Leben ist. Und die erzählen da wahnsinnig gerne von. Und so kann ich natürlich auch über einen Inhalt, wenn ich ihn frage, was passiert denn gerade, kann ich ihn in einen bestimmten Zustand reinbringen.
Miriam: Also entweder ist gerade so, oh Gott, kein Schlaf. Oder es ist eben, oh wow, gestern zum ersten Mal. Oder, oh, wir haben jetzt kleine Ballettschürchen gekauft. Ja.
Florian: Also was auch immer da gerade eben ist, da hole ich es dann über den Inhalt, hole ich eben Erinnerungen, Bilder, Gefühle in den Raum rein und die Stimmung von jemandem verändert sich sehr, sehr wahrscheinlich in die eine oder andere Richtung.
Miriam: Bei der Entwicklung eines Kindes könnten wir sagen, es gibt Phasen, die dann sehr positive Gefühle hervorrufen, es gibt Phasen, die vielleicht bei den Eltern auch eher Anstrengung und schlaflos und Stress hervorrufen. Und wenn wir einen Menschen ein bisschen näher kennen und wissen, er hat grundsätzlich ein Begeisterungsfeld, zum Beispiel Fußball. Und das ist nicht so variabel wie die Entwicklung eines Kindes, sondern das ist sehr stabil Begeisterungsfeld. Also ich habe einen Kollegen, den auf Dortmund anzusprechen, war immer eine gute Idee. Weil da lebte der auf und dann fing der an zu schwärmen und dann glänzten die Augen und da war viel Begeisterung im Raum und er freute sich schon wieder auf das nächste Heimspiel und Saisonkarten und wie auch immer. Und von daher war das eine sehr gute Idee, wenn... Wir ihn sozusagen unauffällig in eine bessere Laune bringen wollten, dann dieses Thema irgendwann in den Raum zu bringen, weil da war viel Wohlfühlen dann auf einmal. Und das zu nutzen, wenn du jemanden kennst, ist durchaus legitim. Die wenigsten Menschen tun es und es ist so schade. Du kennst ja die Menschen, die direkt um dich rum sind. Du kannst diese Inhaltsanker durchaus benutzen, um jemanden in bessere Gefühle zu versetzen und dich selbst vielleicht dadurch auch. Aber ist das nicht manipulativ? Total. Also von ganzem Herzen und voller Liebe ist das manipulativ.
Florian: Weil wir vielleicht ja auch uns einfach wünschen, dass unsere Kollegen in besserer Laune sind oder dass meine Freunde, dass es denen gut geht. Vielleicht finde ich es ja tatsächlich interessant. Also wenn sich ein Freund von mir interessiert für irgendein bestimmtes Thema und ich mag den, dann höre ich dem auch gerne zu dabei. Dann gebe ich dem natürlich auch Fläche, darüber zu sprechen. Dann finde ich es vielleicht interessant, weil der es so interessant findet.
Miriam: Florian, im Moment auf diese Morg vom Org Ohrmikrofone anzusprechen, ist eine sehr, sehr gute Idee. Du hast erstens eine Stunde lang Gesprächsthema Minimum und zweitens siehst du, wie Florians Augen anfangen zu leuchten. Und ich hoffe, dass es noch Equipment gibt als Upsell, also dass Florian imstande ist, sich da noch ein paar Sachen dazu zu kaufen irgendwann später, weil es ihm so eine Freude macht. Also... Die Idee dahinter ist, dass die meisten Menschen, also das, was am häufigsten gezogen wird auf diesem Planeten, sind Inhaltsanker. Denn wir sprechen ja über irgendwas.
Florian: Ich bin mir da gar nicht so sicher. Das ist das, was wir bemerken. Ich glaube, das ist das, was wir bemerken und wahrnehmen, dass wir über bestimmte Inhalte sprechen. Das ist ja was, was wir im Practitioner und im Master, also in unseren großen NLP-Ausbildungen ... Im Sommer läuft übrigens noch ein Master. Und wenn du Lust hast teilzunehmen und hast schon ein Practitioner-Zertifikat, dann melde dich bei uns. Die Inhaltsebene ist was, worauf wir Menschen trainiert sind zu achten. Und diese ganzen anderen Ebenen, was machen Blicke, was machen Atemgeräusche, was machen irgendwelche Sounds und so, der Duft in einem Raum.
Miriam: Ein Büro riecht in irgendeiner Weise. Und unser Gehirn verbindet damit alles Mögliche. Die Räume in der Wohnung riechen unterschiedlich.
Florian: Das stimmt. Ich weiß noch, wie bestimmte Wohnungen von Freunden gerochen haben. Ganz individuell jeweils. Also jede Familie hat ja so ihren eigenen Geruch, wenn man bei ihnen in die Wohnung geht.
Miriam: Ich glaube, jeder unserer Hörer könnte jetzt an dieser Stelle im Podcast eine Geruchsanker-Geschichte von sich geben. Weil das so intensiv ist. Unsere Nase ist so ein wichtiges Werkzeug, gerade auch evolutionsgeschichtlich. Die hat uns auf so viele Dinge hingewiesen, was ist gut, was war früher gefährlich für uns. Und von daher, Geruchsanker-Geschichten. Auch im Practitioner, auch im Kontext von dieser Ausbildung, da gehen die Hände hoch, wenn ich frage, hat jemand da auch eine Geschichte für uns? Und es ist erstaunlich, was die Nase da verbindet. Das ist ein bisschen so wie mit dem Eisenbahngeräusch, was für die meisten Menschen, die neu in dieses Dorf kommen, eher unangenehm konnotiert ist, weil es laut ist und weil es überall zu hören ist. Und für mich ist es zu Hause, Mama ist da, einkuscheln, schlafen. Und so ähnlich ist es zum Beispiel auch bei mir, wenn ich den Geruch von Magnetbändern in der Nase habe. Also das, wo früher Filmrollen draufgespielt waren. Große Filme, Filme generell, diese riesigen Filmspulen, die riechen intensiv. Wahrscheinlich nicht mal gesund. Also ich glaube nicht, dass das gesund ist, was da riecht.
Negative Anker verändern und eigene Knöpfe bauen
Florian: Was könnten wir denn jetzt machen? Also da stellen sich ja dann einige Fragen, die wir auch im Practitioner in der Grundausbildung haben. Nämlich zum Beispiel, was kann ich denn jetzt machen, wenn jetzt, ich habe jetzt dieses Deo von meinem Ex-Freund oder von der Ex-Freundin und dummerweise habe ich da keine guten Gefühle bei und jetzt benutzt ein Kollege das im Büro. Und was mache ich dann? Schritt 1 ist vielleicht das Merken.
Miriam: Also sobald du es merkst, sobald du merkst, oh, der trägt ausgerechnet diesen Duft. Gut, eine Maßnahme ist ihn fragen, kannst du ändern. Du, hör mal. Wir sitzen jetzt hier zusammen, vielleicht für viele Jahre.
Florian: oder das Eau de Toilette. Also das ist eine Variante. Also erstmal wahrnehmen, dass da was ist oder dass du in einer bestimmten Art und Weise reagierst. Das kann ja auch sein, wenn du die Tür von deinem Chef siehst oder also wirklich so Business-Themen, die dann in einem Coaching auch aufkommen. Bei mir im Kontext eher so, wenn ich zu meinem Chef gehe, wenn ich das Büro sehe, wenn ich in diesem Meetingraum bin.
Miriam: Wenn ich sein Rasierwasser rieche.
Florian: Das ist tatsächlich, kommt das bewusst in einem Coaching, bevor ich es anspreche, nicht so sehr auf. Also das ist tatsächlich was, was eher unbewusst läuft bei vielen Leuten noch. Dieser Duft und Geschmack ist, den haben die nicht so... Das Wahrnehmen ist das erste und dann was tun. Im NLP gibt es dann sowas wie Anker-Kollabieren, also bestimmte Techniken, um einen Anker mit einem anderen zu verbinden und dann dafür zu sorgen, dass ich zum Beispiel gute Gefühle haben kann in einer schlechten Situation oder in einer Situation, wo ich mich früher komisch gefühlt habe. Jetzt im Rahmen von diesem Podcast ist der einzige Tipp an der Stelle vielleicht, wenn dir sowas auffällt, dann besonders positive Kontexte zu schaffen, in dem dieser Knopf eben auch anwesend ist. Also vielleicht mal mit dem, wenn wir beim Rasierwasser vom Chef sind und ich sage, oh, da bin ich dann immer aufgeregt im Raum, wenn ich das rieche, das ist irgendwie das. Dann eben mal in besonders entspannten Situationen irgendwie das schaffen, diesen Geruch zu riechen. Ich weiß jetzt nicht, ob ich so weit gehen würde und mir die gleiche Marke kaufen würde und im Schwimmbad riechen und so würde unser Gehirn dann anfangen, das zu generalisieren. Ich habe gestern mit einer guten Freundin von uns gesprochen. Die mir davon erzählt hat, wie sie ihren Hund erzogen hat und ihre Hündin war am Anfang sehr, sehr ängstlich. Und der Trick ist dann eben immer wieder durch bestimmte Situationen zu gehen, zum Beispiel im Fahrstuhl und als Mensch an der Seite des Hundes eben zu zeigen, dass das ganz entspannt ist. Zu gähnen, was zu essen, den Hund zu streicheln oder ihn einfach auch zu ignorieren und gar nicht darauf einzugehen, dass da irgendwie diese stressige Situation gerade ist. Und dann mit der Zeit wird dieses, wird eben in einen Fahrstuhl reinlaufen, für den Hund auch ganz normal. Und so funktioniert es ja dann auch mit, wenn das Rasierwässer überall wäre, wenn das Eau de Toilette oder das Deo von meiner Freundin damals überall wäre, dann wäre es nichts Besonderes mehr. Dann wäre es einfach ein, wäre es so ein Mischmasch von all dem, was um uns herum ist, drin.
Miriam: Im Fall von so einer vermeintlichen Lärmbelästigung wie dieser Eisenbahnbrücke könnten wir uns zum Beispiel auch einfach immer, wenn das Geräusch kommt, daran erinnern, dass es uns daran erinnert zu entspannen. Also das heißt, wenn dieses Geräusch kurz da ist, dass wir sowas tun wie tief durchatmen. Und das Geräusch erinnert uns daran. Das kann ich mit jedem störenden Geräusch im Grunde machen. Eine Freundin von mir hat das mit der Sirene vom Martinshorn gemacht. Immer wenn die das in ihrem Büro in der Großstadt gehört hat, war das für sie die Erinnerung daran, dass sie sich entspannt zurücklehnt. In ihrem Sessel, ganz kurz. Und sie hat das dann genutzt und hat sich immer schon gefreut, wenn so ein Martinshorn vorbeigab, weil das für sie der meditative Augenblick wurde. Also wir können das beeinflussen und unser Gehirn braucht es nicht, ständig im Alleingang zu machen. Das ist vielleicht die gute Nachricht. So ähnlich wie eben auch ein Ingenieur ganz bewusst Knöpfe an irgendein Gerät baut, die eine sinnvolle Funktion erzeugen oder für uns sinnvoll. Das heißt, Ofen geht an, wird warm. Oder Computer, Enter bedeutet, die Daten sind gespeichert.
Florian: Das ist ja dann die andere Frage, wie kann ich mir ein kleines Glöckchen von Pawlow bauen? Wie kann ich das für mich machen, wenn ich das gerne hätte? Aber ich bin doch kein Hund, vielleicht will ich gar nicht. Will ich auf Knopfdruck fröhlich sein? Diese Frage darfst du dir natürlich dann stellen. Möchtest du wirklich fröhlich sein? Möchtest du wirklich dich selber beeinflussen können an der Stelle und sagen können, egal was gerade drumherum war, ich möchte jetzt in einem bestimmten Kontext einfach entspannt sein? oder du hast plötzlich gute Laune in einer Situation, in der du bisher keine gute Laune hattest, weil du selbst für dich gesorgt hast, indem du dir eben bestimmte Sachen aufgebaut hast. Vielleicht ist es ja in besonders schönen Situationen immer eine besondere Praline essen. Und dann eben mal vor einem Teammeeting oder vor etwas im Beruf, wo du sagst, jetzt wäre es gut, dieses schöne Gefühl zu haben, dann so eine Praline essen. Und dann kommen natürlich diese Gefühle auch. oder ein Applausometer kaufen. Das ist ja das, was wir hier zu Hause haben für Miriam. Ja, herrlich. Eine kleine Maschine, wenn man auf den Knopf drauf drückt, ist Applaus zu hören. Und da freut sich Miriam. Und dann kann ich mir natürlich überlegen, in welchen Situationen möchte ich dieses Gefühl der Freude auch haben.
Miriam: Dann bin ich ja wie ein Hund.
Florian: Naja, am Wochenende hatten wir es auch wieder. Glücklich sein? Also wie sehr möchtest du in bestimmten Situationen einfach glücklich sein? Oder geht es darum, manchmal auch Recht zu haben oder an einem alten Bild zu haften?
Miriam: Vielleicht auch einfach die Fremdbestimmung loswerden. Weil möchte ich mich abhängig davon machen, dass zufällig einer mit diesem tollen Rasierwasser an mir vorbeiläuft, das in mir alle möglichen frisch verliebten Gefühle erzeugt? Nö, ich möchte das bitte selbst bestimmen dürfen. Das heißt, ich könnte ja, wenn es so einen Duft gibt aus meiner Kindheit, der wirklich dieses frisch verliebte Gefühl erzeugt, boah, was für ein Zauberwerkzeug, dann kaufe ich mir den doch. Und wenn ich mir den in Japan bestelle, wirklich.
Florian: Von der Idee her, also von wie funktionieren Anker dann im Hintergrund, wenn du es ständig benutzt, wird es irgendwann dann halt, also du darfst die Besonderheit der Situation jetzt wirklich ganz vereinfacht hierfür im Podcast. Dieses ganze Thema Ankern behandeln wir auch genauer in unserem bald erscheinenden NLP-Kompakt. In dem Online-Training, weil wir dir da auch visuell was zeigen können. Weil es eben ein Videoprogramm ist, können wir noch ein bisschen anders auf bestimmte Themen eingehen. Nur hier für diesen Podcast, wenn du es ständig benutzt dann, in ganz vielen verschiedenen Situationen, mit sehr gemischten Gefühlen zwischendrin auch, dann wird es eben anders werden wahrscheinlich. Und vielleicht kannst du es dann wieder aufladen, indem du dich mehr erinnerst an die guten Gefühle, an die schönen Zeiten damals.
Miriam: Tja, macht dir gute Gefühle.
Florian: Und jetzt gehen wir erstmal Nirvana, Smells Like Teen Spirit, hören.
Miriam: Mir gefällt die Idee. Ich hab heute noch ein bisschen was vor.
Florian: Zeit für Party.
Miriam: Und mit dem Song im Kopf, ich hab jetzt gleich ein Fotoshooting, das wird cool.
Florian: Das ist doch gut.
Miriam: Sehr schön, dann hören wir uns nächste Woche wieder. Wir bleiben weiterhin in unseren NLP-Folgen. Wie gesagt, wir haben fast ein ganzes Jahr mit euch vor. Wir wünschen dir viel Spaß mit den ersten kleinen Experimenten zum Thema Ankern. Solltest du Fragen haben zu dem Thema, melde dich gerne unter info-at-kontext*denken.de. Auf unserer Homepage findest du auch einige Blogartikel dazu. Und wir freuen uns riesig, wenn wir dich sehen dürfen, wenn wir dich kennenlernen dürfen. Vielleicht im Master, wenn du schon Practitioner bist im Sommer oder wenn du deinen Practitioner jetzt machen möchtest. Im September ist bei uns die nächste Ausbildung. Meld dich gerne bei uns an.
Florian: Bis dann, mach's gut. Tschüss.
Miriam: Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.