Du bist auf dem Weg zu einer Party, die du fest zugesagt hast — und plötzlich flattert eine Einladung rein, auf die du viel mehr Lust hättest. Absagen? Oder das durchziehen, was du versprochen hast? Genau um dieses Ziehen zwischen der eigenen Lust und der Verpflichtung anderen gegenüber geht es in der 100. Folge. Miriam sagt: absagen. Florian sieht das anders. Und irgendwo dazwischen liegt etwas, das Gunter Schmidt "egozentrischen Altruismus" nennt.
100 Folgen — und ein Thema, das viele bewegt
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Ui, ui, ui, ui, ui.
Florian: 100 Folgen.
Miriam: Wer hätte das für möglich gehalten? Ich nicht. Ganz ehrlich. Ja, das war ungefähr vor einem Jahr.
Florian: Als wir angefangen haben?
Miriam: Nein, das war ungefähr vor zwei Jahren. Ja, ich mit Zahlen wieder, ne? Klar, das war in einem Urlaub in den Niederlanden.
Florian: Ja, in ungefähr vier Folgen, weil zwei Jahre sind 104 Folgen.
Miriam: Feiern wir schon wieder!
Florian: Und weil mir das selbst so gut gefällt, habe ich es bis zur 100.
Miriam: Folge aufgespart. Ich freue mich.
Florian: Das ist ein super Thema. Hat was damit zu tun, wie man 5000 Wörter am Tag verbrauchen kann.
Miriam: Nee, das wär auch ein tolles Thema.
Florian: Das dachte ich mir schon.
Miriam: Nee, das ist es nicht. Es geht um gesunden Egoismus.
Florian: Gesunder Egoismus.
Miriam: Ja, wir haben mehrere Zuschriften davon bekommen. Eine zum Beispiel, da geht es darum, dass jemand eingeladen ist zu einer Party und auf dem Weg zu dieser Party purzelt ihm eine bessere Einladung über den Weg, die ihm mehr Spaß machen würde. Und er sagt sich, jetzt habe ich da zugesagt und da habe ich gar keine große Lust drauf, viel mehr Freude würde es mir machen, lieber mit den anderen Menschen.
Florian: Und was macht er dann?
Miriam: Er hat sich dann tatsächlich dazu entschieden, das Erste zu machen, aus Höflichkeitsgründen und weil er eben schon zugesagt hatte. So, ich stehe zu meinem Wort. Besser wäre es gewesen, das andere zu machen.
Florian: Also Priorisierung oder die Werte-Hierarchie von diesem Zusender ist eher diese Verpflichtung erfüllen.
Miriam: Und sich selbst dafür vernachlässigen. Er tut es für die, denen er zugesagt hat.
Florian: Also hat er einen Teil von sich, wie so, wir sind ja jetzt in der Ferienzeit an die Autobahn gesetzt, an einer kleinen Leitplanke, an einer kurzen Leine an die Leitplanke gebunden und gesagt, du bleibst jetzt hier, ich fahr irgendwo anders.
Miriam: Oh, das ist aber eine traurige Geschichte. Ja, und dann schrieb uns eine Hörerin, dass sie mehrfach Zitate gelesen hat von berühmten Menschen, dass es am wichtigsten sei, sich zuerst um sich selbst zu kümmern und dann um die anderen. Da gibt es wohl mehrere. Einige davon hat sie in ihrer Mail auch hergeholt und mir geschickt. Ja, da ging es eben auch um dieses, dann werde ich so egoistisch, dann kümmere ich mich immer zuerst um mich selbst und das ist doch auch nicht schön, gerade wenn es um mich herum anderen Menschen schlecht geht. Dann darf ich mich doch auch mal vernachlässigen und dann ist das doch auch okay, sonst werde ich ja so ein Egoist. Und eine weitere Zuschrift kam von einer Mutter ebenfalls in diesem Tenor. Also erst die Kinder, dann ich oder umgekehrt und sie hat dann ein schlechtes Gewissen, wenn sie... Ich will jetzt drei Stunden meine Ruhe, auch wenn es mitten am Tag ist. Und sie könnte auch mit den Kindern was spielen. Und wir haben das Gleiche auch nochmal von einem Manager bekommen, der offensichtlich das im Beruf erlebt. Dieses, ich sorge dafür, dass es mir gut geht, auch in einem stressigen Alltag. Ja, gut.
Florian: Offensichtlich beschäftigt dieses Thema viele Menschen. Wir freuen uns auf eure Zuschriften mit euren Lösungen. Wir vertrauen da voll auf die Expertise aus euren Leben da draußen.
Miriam: Das kannst du jetzt nicht machen. Du hast eben gerade die Teile eines Ichs an eine Autobahnleitplanke gebunden. Das geht nicht. Das darfst du jetzt schon wieder auflösen.
Florian: Was?
Miriam: Was?
Florian: Auf dem Rückweg wieder. Hier zwei Wochen Gardasee. Auf dem Rückweg fahren wir wieder die gleiche Autobahn zurück.
Miriam: Das sind zwei Wochen. Nee, ich finde das Thema super.
Florian: Ja, das stimmt.
Miriam: Weil wir als Kinder ja schon dazu erzogen werden, dass es viel, viel besser ist, sich erstmal, sehr empathisch heißt das glaube ich, zu verhalten. Also mit anderen mitzufühlen und selbstverständlich auch zu helfen, wenn andere Menschen in Not sind oder wenn es ihnen schlecht geht.
Florian: Und beim Partybeispiel dann lieber so als Partypupser schlecht gelaunt auf die Party zu gehen, als die Party abzusagen.
Miriam: Man weiß ja nicht, dass er schlecht gelaunt dahin gefahren ist. Es hätte ihm besser getan, die andere Verabredung zu machen.
Florian: Nur halt mit dem einen Teil angebunden an die Autobahn. Du hast es doch eben wieder gebracht.
Miriam: Das macht mir ganz schlechte Gefühle, was du da gerade machst. Ich sehe da so kleine arme Straßenhunde, die jaulend und weinend piepsen.
Florian: Das ist ein großes Problem, ja.
Miriam: Er kann doch nicht so ein Bild dafür nehmen, wenn ich mich darum kümmere, dass es anderen gut geht. Die Mütter, die diesen Podcast hören, die rebellieren alle, wenn sie diese Folge hören und sagen, wenn du dich mal drei Stunden ausklingst aus dem Geschehen, dann ist es so, als würdest du einen Teil deines Ichs... Komm, gib mal ja Spaß. Wie ist denn das mit sich um sich selbst kümmern? Gibt es da im NLP eine Grundannahme, die das Ganze untermauern würde? Eher nicht. Also diese Selbstverantwortung übernehmen für sich selbst, für alles, was ich tue, wie gut es mir geht, gehört dazu. Alles, was ich mache, habe ich erschaffen.
Das flexibelste Element führt das System
Florian: Das flexibelste Element führt das System, gibt es als Grundannahme im NLP. Und die Frage ist halt, wann bin ich möglichst flexibel oder wann kannst du möglichst flexibel sein? Wahrscheinlich in dem Zustand, in dem es dir wirklich, wirklich, wirklich gut geht. Also indem du in deinen Kraft bist, du bist in deinen Ressourcen, du fühlst dich gut, du hast die Möglichkeit mit deiner Umgebung so umzugehen, wie es für dich genau richtig ist, weil du dich innerlich in die Ruhen fühlst. Das ist ja so ein Zustand, die Frage ist ja dann auch, wie atmest du dann, wie stehst du da, wie sitzt du, wie gehst du, wie gibst du dich? Und dann ist die Frage, ist das der Zustand, den ich habe, wenn ich sage, ich würde eigentlich lieber das andere machen, aber ich mache das jetzt halt wegen der Verpflichtung. Und bei manchen ist das sicherlich so. Ich habe diese Entscheidung getroffen, dahin zu gehen, fertig, aus. Und für andere Menschen ist es vielleicht wichtiger zu sagen, ich habe mich so hin und her gerissen gefühlt, ich entscheide nochmal neu.
Miriam: Gut, ich glaube, da geht es dann darum, anderen Menschen das klarzumachen. Ich glaube, dieses schlechte Gewissen anderen gegenüber, wenn ich mir Raum für mich selbst oder wenn Menschen sich Raum für sich selbst einräumen, passt ja auch. Also wenn sie Raum schaffen für ihre Bedürfnisse und Termine absagen oder jemandem klipp und klar sagen, nein, fünf Meetings am Tag sind zu viel. Wir können uns auf drei einigen und die anderen machen wir am nächsten Tag.
Florian: Sehr reife Teams, mit denen ich arbeite, haben oft so Regelungen, dass die sagen, nein, unsere Termine, die gehen nicht mehr von ganz bis ganz und dann ist direkt hinten dran das nächste Meeting und wir hetzen von einem Termin zum nächsten. So war das früher und heute machen wir das so, dass wir sagen, unsere Meetings laufen nur noch 50 Minuten lang und dann haben wir 10 Minuten, um nochmal, wie heißt es im Englischen so schön, eine Bio-Break, eine Bio-Pause zu machen kurz und ganz entspannt von einem Raum zum nächsten zu kommen, weil es eben nicht nur auf die Quantität des Alltags ankommt, sondern vielleicht auch auf die Qualität. Das ist ja, finde ich, oft unterschätzt. Da ist die Mutter, die sich... Und vielleicht wäre das für das Kind auch gut. Mal 10 Minuten Pause zu haben.
Miriam: Ich finde sogar, darauf lässt sich diese Bio-Break-Regelung sehr schön anwenden. Also auf einen sich immer wieder, im Grunde wiederholenden Alltag, in dem die gleichen Menschen ungefähr die gleichen Abläufe generieren zu Hause. Da finde ich, gäbe es sowas wie Regelung. Bei so einer Einmalaktion wie Party ist das natürlich, also dann anzurufen im Nachhinein und zu sagen, sorry, jeder getroffen, der abends mit den Jungs eine Pizza essen, da wäre ich lieber dabei. Das würde mir mehr Spaß machen. Sorry für euch. Wir sehen uns dann irgendwann die Tage. Ich glaube, die Skrupel, die da sind, zu sagen, damit geht es mir besser. Oh, sind das Skrupel? Oh ja, das sind Skrupel. Das sind große Skrupel.
Florian: Sind wir jetzt wieder bei dem kleinen Hund an der Autobahn? Das sind Skrupel. Oder ist das einfach, sind das Gruppen?
Miriam: Die Frage ist ja, wen sehe ich da angebunden? Ist das ein Teil von mir, den ich vernachlässige? Oder ist das ein Teil vom anderen, der sich dann vernachlässigt fühlt? Und wird das wieder gespiegelt. Gerade hatte ich ein Feedback-Gespräch mit einem NLP-Practitioner, der mir gesagt hat, es geht ihm super, er hat sein Leben verändert, er ist toll unterwegs, hat große Erfolge erzielt, von denen er nicht geglaubt hätte, dass er die jemals in sein Leben holen könnte. Und trotzdem hat ein bekannter Verwandter von ihm gesagt, du bist voll der Egoist geworden. Es ist eine bewusstere Entscheidung?
Was wäre das Schlimmste? — die Frage, die alles dreht
Florian: Das heißt, ich würde mich halt vorher, bevor ich auf diese Party gehe, tatsächlich nochmal kurz entscheiden, was ist das, was ich gerne heute Abend hätte. Geht es darum, meine Freunde zu treffen und die Beziehung zu pflegen und freue ich mich vielleicht darauf schon und sage, ja, das ist das Wichtigere. Oder gehe ich immer auf, was auch immer die zweite Alternative ist.
Miriam: Das exakt gleiche Thema hatte ich mal mit einer Freundin, die mir das geschildert hat. Und ich habe ihr lediglich die Frage gestellt, was wäre denn das Schlimmste, was passieren würde? Dann guckte sie groß und sagte, ja, würden die dich dort dann für immer ächten? Also wärst du für immer ausgestoßen aus dieser Runde, die da eine Party feiert? Würdest du nie wieder eingeladen werden auf eine dieser Partys? Und dann guckte sie mit großen Augen und sagte, ja, kann schon passieren. Und dann habe ich gesagt, wie schlimm wäre es, wenn sie dich nie wieder einladen würden?
Florian: Wenn das die Konsequenz ist.
Miriam: Hat sie kurz überlegt und sagte, naja, eigentlich wäre es nicht so schlimm, weil ich ja eh lieber mit den anderen rausgehe.
Florian: Cool, was über mich selber gelernt.
Miriam: Da sind wir wieder bei dieser Ehrlichkeit zu sich selbst. Das stimmt. Will ich sozusagen diese Geister, die mich da rufen, immer wieder in meinem Leben haben und auch riskieren, in Anführungszeichen, dass ich immer wieder auf diese Art von Partys eingeladen werde, obwohl ich gar keine große Lust mehr habe? Weil wenn die Lust auf diese Party zu gehen, und das ist jetzt meine These, riesig wäre, also ich würde mich schon seit Wochen auf dieses Event freuen, neues Outfit gekauft, es wird mega, da fliegt immer die Kuh, da ist es einfach super, dieser Abend wird großartig, ein Highlight-Abend dieses Jahr. Dann würde ich mir eh nicht überlegen, mit meinen Kumpels in die Pizza gehen zu können. Oder?
Florian: Da ging jetzt vor ein paar Tagen auch so ein lustiger Witz über Twitter. Ich weiß nicht, ob du den gesehen hast. Vermutlich nicht. Da hat jemand geschrieben, am Sonntag wäre seine Hochzeit und er hat auch zwei Karten fürs Finale der Fußball-WM. Und er sucht jetzt einen Vertreter. Der Vertreter soll sich doch bitte um 11 Uhr in der Marienkirche in München wählen. Prioritäten setzen.
Miriam: Ja, und die sind ja oft emotional. Also wenn du dir überlegst, an welchen Augenblicken im Leben du irgendwelche Entscheidungen getroffen hast, dann sind die oft sehr emotional belegt. Also es fühlt sich einfach nicht so gut an, zu der einen oder anderen Party zu gehen. Und bei anderen Partys fühlt es sich mega an.
Kurzfristig oder langfristig? Das lange Spiel
Florian: Und auf der anderen Seite sind wir Menschen und können auch mittelfristig und langfristig einfach sinnvolle Pläne machen. Das heißt, wenn du weißt, das ist dann, das ist irgendwie sowas wie die Hochzeit meines besten Freundes und dann kommt vielleicht so ein Fußball-WM, kommt dann, käme quasi das Ticket gleichzeitig, dann kann ich mir überlegen, was ist mir lang- und mittelfristig sinnvoller. Also was ist das, was ich tatsächlich haben möchte? Das ist in dem Moment vielleicht erstmal schade, nur WMs gibt es alle vier Jahre. Oder EMs dann zwischendrin nochmal. Insofern kann ich als Mensch ja dann auch einfach sagen, was ist denn, wenn ich nicht nur für dieses Wochenende schaue, sondern die Wochenenden in die nächsten paar Jahre hinein, was ist mir denn wichtig? Geht es dann um die Freunde oder geht es um neue Leute kennenlernen oder was auch immer? Und alle Entscheidungen sind ja innerhalb des konkreten Kontextes des Menschen richtig.
Miriam: Es ist auch schön, beides gegeneinander zu setzen. So wie du es eben gesagt hast, gefällt mir sehr. Also dann eben so sagen, okay, kurzfristig gesehen wäre jetzt das Pizzaessen zwar netter, nur auf dieser Party sind Menschen, mit denen ich die nächsten Jahre meines Lebens verbringen möchte und die mir sehr wichtig sind, also mache ich das. Und dann sind wir an dem Punkt, dieses Sportler, der gesagt hat, wenn du eine Entscheidung getroffen hast, dann mach sie zur Besten deines Lebens oder sorge dafür, dass sie die Beste deines Lebens ist. Das heißt, wenn ich mich dann entschieden habe, ich gehe jetzt auf diese Party und eben nicht mehr zum Pizzaessen. Dann werde ich dafür sorgen, dass die Qualität abends auf dieser Party für mich richtig gut ist.
Florian: Genau.
Miriam: Punkt. Dann kann ich vielleicht auch so langsam wieder anfangen, mich darauf zu freuen. Oder ich kann stolz auf mich sein, weil ich sage, ich plane da längerfristig. Also ich denke nicht kurzfristig.
Florian: Genau das Gleiche. Und für mich wäre das die gleiche Antwort auch auf die Frage von der Mutter. Wenn es nur heute so wäre, dann ist es vielleicht okay, über diese Pause drüber zu gehen und zu sagen, naja, es würde mir jetzt zwar gut tun, mal eine halbe Stunde Pause zu haben, mal die Augen zuzumachen und irgendwie kurz die Füße hochzulegen, wieder mehr zu dir zu finden. Das ist immer eine gute Idee. Und dann in so einem Moment einfach, wenn du die kurze Entspannung genießt. Für heute ist es vielleicht egal oder können wir auch anders kompensieren. Nur wie ist das denn, wenn das das Muster ist... Für drei Monate, für sechs Monate, für ein Jahr lang, ist es tatsächlich durchhaltbar? Ist es aushaltbar? Fühlt sich das gut an? Und wenn die Antwort ja ist, super. Und wenn es sich komisch anfühlt, dann vielleicht zu sagen, okay, ich darf mir einfach solche Pausen dann in den Tag auch reinbauen. Und dann ist es ja kein Verzicht auf der anderen Seite oder bei mir, sondern dann ist es eher ein, ich mache das halt, ich spiele das lange Spiel. Und ich spiele das auf Jahre hinweg und nicht nur auf drei Monate Highspeed. Und dann ist es aber irgendwie zu anstrengend. Sondern tatsächlich die Systeme und unseren Tagesablauf und alles so zu bauen, dass es tatsächlich auch durchhaltbar ist. Oder vielleicht sogar schön ist, dass wir es genießen können über die lange Zeit.
Miriam: Es hat auch was mit diesem Auffüllen dieser Kraft zu tun, in der wir alle so gerne sind. Also diese innere Kraft, die es aus dem Vollen schöpfen kann, bedeutet eben auch, dass du dich um dich selbst gut kümmerst. Ganz ursprünglich erinnere ich mich seit meines Practitioners dran an diesen Satz, wer auf dieser Welt weiß denn am besten, was gut für dich ist? Was jetzt in diesem Augenblick gut für dich wäre, was dir jetzt gut tut? Das kann kein anderer Mensch so gut wissen wie du, weil du fühlst ja, was du fühlst. Und deswegen kannst du dich vermutlich darauf verlassen. Und Mütter bleiben Mütter. Ich bin selbst Mama von zwei Kindern. Ich liebe die ohne Ende. Und mittlerweile bin ich eine sehr gut für sich selbst sorgende Mutter. Ich bin dahin gewachsen. Und es war ein Weg. Die beiden können sich wunderbar auch mal selbst beschäftigen. Und es ist wichtig, dass sie mitbekommen, dass es im Haushalt auch andere Dinge zu tun gibt als Legospielen. Und es ist schön, wenn sie ihre Mutter glücklich in der Arbeit erleben. Es ist toll, wenn sie eine entspannte Mutter haben, die imstande ist, mit ihnen zu toben, witzig zu sein, Spaß zu haben. Das geht, wenn es mir gut geht. Denn ich habe gemerkt, wenn ich mich vernachlässige an der Stelle, dann bin ich sehr, sehr schnell in einen Meckermodus verfallen. Da ging mir vieles sehr schnell auf die Nerven. Ich habe mich nicht mehr gewachsen gefühlt der Situation, beide glücklich zu machen, solange ich gut für mich sorge. Und da gehört dazu, dass die beiden verstehen, die Mama hatte jetzt drei sehr anstrengende Tage und heute Nachmittag macht sie ein Stündchen Pause und liegt auf der Couch und schläft. Das ist super, die verstehen das. Die verstehen das. Und ich spreche jetzt nicht vom Säuglingsalter, wo sie noch nicht reden.
Florian: Vielleicht ist es ja auch eine gute Idee, dass andere Menschen auch verstehen, da gibt es Grenzen und diese Grenzen bewusst einzuziehen. Wenn wir Trainings zusammen geben, gehen wir auch manchmal über Grenzen raus, wo wir dann sagen, okay, heute oder morgen sind jetzt mal zwei sehr lange Tage, nur dafür eben auch mal einen Pausentag danach noch, um das zu kompensieren oder um zu sagen, ja, das ist jetzt gerade, es ist das Wichtigste, hier voll da zu sein und Sachen zu machen und sehr in der Kraft zu sein und dann ist es auch wieder wichtig. Kurz innezuhalten und zu reflektieren und wieder zu uns zu kommen und zu sagen, okay, jetzt, wo auch immer wir waren, und zu sagen, ja, okay, jetzt wieder mehr zentriert, mehr, genau.
Miriam: Und deswegen auch der Bekannte, der mir gesagt hat, dass zwei Menschen jetzt zu ihm gesagt haben, er wäre so egoistisch geworden oder er sei so egoistisch geworden. Ich glaube, dass wenn Menschen sich verändern dahin, dass sie sich besser um sich kümmern, dass das natürlich wahrgenommen wird von der Außenwelt. Wenn jemand die ganze Zeit immer nur im Außen gehandelt hat, immer nur für andere da war und dann plötzlich von heute auf morgen sagt, ich nehme jetzt zweimal in der Woche einen Abend für mich, wo ich ganz alleine unterwegs bin, wo ich das tue, was mir lieb ist. Im Wald spazieren gehen, mir den Mondschein angucken, ein Buch lesen, vorm Kamin sitzen und meditieren, was auch immer. Natürlich wird das bemerkt.
Florian: Voll gut.
Miriam: Und die meisten lernen eben als Kinder schon von ihren eigenen Müttern, die sich vollständig aufgeopfert haben in vielen Bereichen, dass das normal ist. Und schau dir erfolgreiche Leute an, die kümmern sich wirklich gut um sich.
Florian: Manchmal ist es, sie kümmern sich gut um sich, indem sie unglaublich begeisternde Dinge tun. Also manche Leute machen ja auch, und dann die Frage auch von dem Manager, manchmal ist es ja so, dass solche Leute auch wirklich sagen, das, was ich gerade in der Arbeit mache, das ist das, was ich tatsächlich machen will, super cool. Dann ist das das, ich stehe morgens dafür auf.
Miriam: Wahnsinn, wunderbar. Bei erfolgreichen Menschen schaue ich deutlich nach Leuten, die in vielen Bereichen erfolgreich sind, die auch gesund sind, die toll aussehen, die viel lachen, die erfolgreich sind im Geschäft, die wahnsinnig gerne ihren Beruf machen und nie so dieses, wenn ich endlich in Rente bin, Thema läuft. Klar, das sind die Vorbilder, die ich haben möchte. Und die sorgen gut für sich selbst. Immer und immer wieder. Die haben ihre Auszeiten, die haben wahlweise, oder meistens haben sie einen Job, der sie extrem begeistert. Sie haben auch andere Dinge, die sie sehr gerne tun. Sie haben auch sehr schöne zwischenmenschliche Beziehungen.
Florian: Und es ist eben oft dieses mittelfristig-langfristige Denken auch, zu sagen, es geht eben nicht nur um jetzt, heute irgendwas tun, sondern das Heute zahlt ja auf das ein, was du morgen erreichen kannst, was du im nächsten Monat erreichen kannst. Und so Schritt für Schritt, in kleinen Schritten und immer schneller, dahin zu kommen, wo du gerne hin möchtest.
Egozentrischer Altruismus — und ein Danke zur 100.
Miriam: Also dein Ziel zu erreichen. Würdest du bitte...
Florian: wieder einsammeln und integrieren. Und dafür sorgen, der Gunter Schmidt nennt das so schön egozentrischen Altruismus.
Miriam: Ach herrlich, ich liebe dieses T-Shirt damit.
Florian: Dass er sagt, naja, auf der einen Seite ist es vielleicht erstmal auf mich geschaut, um zu sagen, was ist denn das, was mir jetzt gerade guttun würde, nur damit ich anderen noch besser tun kann. Also diese beiden Komponenten da drin zu sehen, weil umso besser es mir in jedem Moment geht, umso einfacher ist es auch, mich um andere zu kümmern und umso besser kann ich das auch tun. Und dann ist es eben beides da drin, ne?
Miriam: Ja. Ja, und superschön. Das ist die hundertste Folge. 100 Folgen stehen zur Auswahl. Wir haben uns schon überlegt, irgendwann purzeln da welche raus, automatisch. Wer die noch komplett anhören möchte, darf jetzt loslegen. Wir möchten Danke sagen.
Florian: Ja, danke schön.
Miriam: Danke erstmal sogar an uns beide, weil wir das jeden Dienstag machen. Natürlich machen wir es super gerne und ich weiß, wir haben beide viel Spaß und manchmal machen wir das mitten in der Nacht mit dem Podcast, wenn ich von der Arbeit komme. Also wir nehmen uns diese Zeit immer. Wir generieren unglaublich viel Qualität aus diesem Podcast. Wir freuen uns riesig, dass wir Zuschriften bekommen, dass ihr hört, dass ihr downloadet, dass ihr uns Feedback gebt dazu. Wir freuen uns über die Hörerzahlen mittlerweile auf Spotify, auf iTunes. Ich bin so stolz.
Florian: Das war's.
Miriam: Miriam Deforth, Florian Groß, kontext*denken. Menschen, die sehr spannende Dinge gesagt haben. Die sind auch unter diesen ersten 20 Folgen, findet ihr die Interviews. Und dann haben wir ja irgendwo um die Weihnachtszeit mal zusammen einen Podcast gemacht. Das war dann der erfolgreichste, den wir jemals gemacht haben. Und dann haben wir gesagt, gut, dann...
Florian: Das hat uns auch so viel Freude gemacht.
Miriam: Richtig, dann bleiben wir dabei. Und jetzt sind es meistens Florian und ich und wir werden in den nächsten Wochen ein wunderbares Special veröffentlichen.
Florian: Das stimmt. Und wenn du beim Danke sagen bist, wir haben ja auch wunderbare Trainer gehabt, die uns auch tatsächlich unglaublich inspiriert haben und von denen ich und wir so viel geschenkt bekommen haben. Marc Pletzer und Wiebke Lüth, der Chris Mulzer, John Lavalle und Richard Bandler, ganz viele NLP-Trainer und Coaches, von denen wir unglaublich viel lernen durften und wo ich sehr dankbar drüber bin.
Miriam: Das war jetzt ein richtig... Das ging jetzt voll unter die Haut. Mir hätte es würde sagen, sehr schön.
Florian: Ja, ist schön. Ganz tolle Menschen.
Miriam: Dann freuen wir uns auf die nächsten mindestens 100 Folgen.
Florian: Willst du weitermachen? Ich dachte, es wäre jetzt fertig. Einigermaßen? Das Projekt abgeschlossen.
Miriam: Nix, jetzt sind wir richtig drin.
Florian: Dreistellig.
Miriam: Geht gar nicht, jetzt sind wir richtig drin. Jetzt klappt's.
Florian: Jetzt muss. Jetzt läuft's.
Miriam: Wir wünschen euch eine tolle Woche. Nächste Woche gibt's dann wieder Themen von uns, aus unserer NLP-Schmiede.
Florian: Vielleicht auch wieder von zu Hause.
Miriam: Und wieder von zu Hause, denn jetzt grüßen wir euch ganz herzlich aus der Provence in Frankreich, wo wir gerade mit allem Mann eine Rudelreise machen. Bis nächsten Dienstag.
Florian: Bis nächsten Dienstag. Danke und bis dann. Tschüss.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.