Erst wird ein Familienmitglied krank, dann verliert der Mann den Job, der Hund muss zum Tierarzt und die Kinder kravenzen in der Schule rum – und du stehst mittendrin und fragst dich, wie du da überhaupt stabil bleiben sollst. Genau diese Frage hat Silke Miriam und Florian gestiftet. Sie reden nicht schön, sondern schauen mit Sprachwerkzeugen und ein paar überraschend albernen Ideen darauf, wie dein Gehirn mit Ansammlungen von Schicksalsschlägen umgeht.
Wie groß nehme ich die Pakete? Chunks und ein volles Jahr
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.
Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Miriam: Ja, ne? Viel los gerade.
Florian: Jetzt so ganz allgemein, oder was?
Miriam: Ja, bei uns.
Florian: So global galaktisch gesehen ist gerade viel los.
Miriam: Das weiß ich nicht, weil ich ja keine Nachrichten höre. Mir reicht es schon, was bei uns so los ist. Echt. Also manchmal ist es auch einfach die Entscheidung.
Florian: So ganz global ausgedrückt, wenn man den höchsten aller möglichen, und dann wieder Fachbegriff, Chunks wählt, dann ist viel los.
Miriam: Chunks im NLP vom 25.09. bis 5.10. findet unser NLP Practitioner dieses Jahr ein zweites Mal statt, ob der großen Nachfrage und wir freuen uns, wenn du noch mitmachst. Wir haben noch Plätze frei.
Florian: Und kleiner Teaser, diese Chunks-Idee ist einfach, die Frage ist, wie groß nehme ich die Pakete, in denen ich mir die Welt anschaue? Und wie groß schaue ich mir die an? Und Miri hat eben gesagt, jo.
Miriam: Viel los gerade. Ich habe das global formuliert. Achte auf die Sprache. Ich habe also überhaupt keine Grenzen eingezogen. Das hätte jetzt von viel los ist es noch Wäsche zu waschen und zu bügeln bis hin zu auf dieser ganzen Welt herrscht Chaos alles sein können. Und Florian hat dankenswerterweise genauer nachgefragt, um dann rauszufinden, es handelt sich um unsere Themen. Miris und Floris Themen.
Florian: Da ist viel los gerade. Da ist schon immer viel los.
Miriam: Weil wir beide auch immer viel machen. Das stimmt. Und bis zum 100. Podcast, wir steuern auf die 100. Folge unseres Podcasts zu. Wir beide können das nicht wirklich glauben, dass wir das durchgehalten haben. Regelmäßig, immer dienstags.
Florian: Da waren manchmal ganz schön knappe Dinger dabei.
Miriam: Habe ich mir gewünscht, dass wir bis zu dieser hundertsten Folge ausschließlich Zuhörerthemen ins Visier nehmen und jede Woche bekommen wir welche gestiftet und das ist ganz toll. Vielen, vielen Dank. Heute ist Silke dran und Silke hat uns das Thema gestiftet. Gleich zu Beginn des Jahres ganz viele Hiobsbotschaften. Wie bleibe ich stabil da drin stehen? Wie sorge ich dafür, dass es mir gut geht?
Florian: Eine Variante, diese Chunks anzuwenden, wäre einfach zu sagen, ja dieses Jahr ist einfach gelaufen. Wir sind jetzt im April, das heißt drei Monate rum grob, 90 Tage weg, 270 Tage noch Grotte und dann können wir ja mal neu anfangen.
Miriam: Also warten bis nächstes Silvester.
Florian: Warten bis nächstes Silvester.
Miriam: Und toll, toll, toll, dass es dann besser wird.
Florian: Es sind nur noch 270 Tage. Das ist ernsthaft deine Idee. Was heißt ernsthaft? Es ist eine Variante. Es ist immer gut, mehr Optionen zu haben. Ich empfinde das überhaupt nicht als Option, 260 Tage zu vergängeln, nur weil... Naja, aber wenn man jetzt sagt, dieses Jahr ist gelaufen, so wie manche Menschen beschließen ja morgens, sind mit dem falschen Fuß aufgestanden, der Tag ist gelaufen.
Miriam: Siehe unser Podcast Schwarz-Weiß-Seherei.
Florian: Ja.
Ist wirklich nur Schlimmes passiert? Der Blick ins Meta-Modell
Miriam: Jetzt wäre ja die Frage, wo wir jetzt ins Meta-Modell der Sprache einsteigen könnten, ist denn nur Negatives passiert oder gab es auch schon ein paar Highlights? Wir könnten ja mal forschen nach, ist auch schon was Gutes passiert?
Florian: Oder wir könnten ins Gegenteil gehen und sagen, Murphy's Law, oder da gibt es doch dieses tolle Sprichwort, der Teufelscheiß ist immer auf dem größten Haufen.
Miriam: Und wer kann da was dafür? Also wenn jetzt wirklich sich viele Schicksalsschläge auf einmal, ich gehe mal ins ganz Intensive, viele Schicksalsschläge auf einmal. Eins wird krank in der Familie, eins stirbt, dem Hund geht es auch nicht gut, die Kinder versagen in der Schule.
Florian: Hier Grippe.
Miriam: Der Mann verliert den Job, ne Grippe, genau, also es kommen so ganz viele blöde, unangenehme Dinge auf einmal. Und dann soll ich sozusagen mich hinsetzen und darauf warten, dass der Teufel nochmal dahin kackt, wo sowieso schon irgendwie die Kacke am Dampfen ist?
Florian: Weiß ich nicht, Murphy's Law, wenn es schon schlimm geht, dann wird es noch schlimmer, oder?
Miriam: Ist das so bei dir?
Florian: Nö.
Miriam: Gut, warum behauptest du das denn?
Florian: Nein, ich glaube, dass ich das manchmal so anfühlen kann, oder?
Miriam: Ja, davon gehe ich aus. Dass manche Menschen dann echt zu Hause sitzen und sagen, jetzt kann es ja nicht mehr schlimmer werden.
Florian: Und dann eine Variante damit umzugehen, ist zu sagen, nur noch 260 Tage davon, 2019 ist auch ein schönes Jahr, vielleicht, was ist 2019 so in Quersumme, 11, 12, ja, irgendwie sowas. Und dann zu sagen, ja, 2019 ist auch noch eine Chance. Nächste Chance, Silvester 2018. Was mache ich denn dann 260 Tage lang?
Miriam: Weiß ich nicht. Weinen? Mich zu Hause hinsetzen? Darauf warten, was noch passiert.
Florian: Das ist nicht wirklich eine Option. Also es ist eine Option. Also es ist eine Möglichkeit. Eine Möglichkeit, damit umzugehen.
Miriam: Vielleicht haben wir jetzt auch drei Hörer gehabt, die gesagt haben, alles klar, passt mir, schalte ich jetzt ab, mache ich so.
Florian: Eine andere Variante wäre zu sagen, es ist die Dekade. Also ab 2021 wird alles besser.
Miriam: Ach Florian, jetzt hör halt auf.
Florian: Was denn?
Miriam: Na also das ist doch nicht das, was dieser Podcast gerne möchte. Was will denn dieser Podcast dann? Sind wir ja Sprachprofis. Aus der Kommunikation heraus, wie würdest du damit umgehen, wenn ich dir sagen würde, so viele schlimme Sachen passiert jetzt schon, ich weiß gar nicht, wie ich da stabil bleiben soll. Zurecht.
Florian: Zurecht, zurecht, zurecht.
Miriam: Du würdest zurecht sagen?
Florian: Ja. Erstmal pacen. Erstmal, ja, das, also.
Miriam: Ist das eine Übung in Empathie? Nur was nutzt das der Person?
Florian: Ich glaube, gerade wenn sich das so anfühlt, also die Frage kommt ja aus einem bestimmten, da sind ja Sachen passiert. Und dann würde ich sagen, ja, schwierig. Voll verständlich, was auch immer passiert ist, wenn der erste Monat oder die ersten zwei Monate richtig furchtbar waren, so wie du gesagt hast, Hund und Job und was weiß ich was.
Miriam: Ja, okay.
Florian: Also auf jeden Fall erstmal anerkennenswert. Wow, schwierig. Kann sein, dass das Jahr nicht so angefangen hat, wie wir uns das erhofft hatten. Die Frage ist jetzt, und dann? Schreibe ich das Jahr ab? Schreibe ich die Dekade ab? Schreibe ich das Jahrhundert ab und sage, es ist einfach nicht mein Jahrhundert? Ich versuche es im 2100 nochmal.
Bis jetzt – der Future Pace und der Frühling vor der Tür
Miriam: Sehr spannender Punkt und hier sind wir auch an einer sprachlichen Stelle, denn wir sprechen im NLP vom Future Pace, also das heißt, wie formuliere ich das schon mal? Wenn ich meinem Gehirn signalisiere, das ist jetzt vorbei, diese blöden 60 Tage sind jetzt gelaufen. Das ist Vergangenheit. Vielleicht ist es ja bei Silke, die hat das vor drei oder vier Wochen gepostet. Vielleicht ist das ja jetzt auch schon besser geworden. Und wenn es nicht so wäre, würde ich deutlich in meinem Gehirn dafür sorgen, dass ich das bis jetzt denke. Bis jetzt war das echt doof. Bis jetzt hat es keinen Spaß gemacht. Bis jetzt war das noch nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe oder wie ich mein Leben normalerweise kenne. Und dann habe ich einen Freiraum geschaffen sprachlich, der in die Zukunft weist. Nämlich erstmal ein großes Wide Open. Also da kann jetzt alles mögliche sein. Ab jetzt kommt der Frühling.
Florian: Jetzt ist Frühling. Das ist auch schon eine gute Jahreszeit dafür.
Miriam: Wir sind mittendrin. Morgen wird es heute. Wir sind mitten in der Nacht. Heute wird es 20 Grad.
Florian: Heute wird es 20 Grad?
Miriam: 20 Grad.
Florian: Wow. Das ist ja schon T-Shirt-Wetter.
Miriam: Das ist deutlich T-Shirt-Wetter.
Florian: Das ist ja cool.
Miriam: Also sowas kann ich machen.
Florian: Und das ist ja das Schöne daran, die Jahreszeiten verändern sich ja automatisch um uns herum. Das heißt, das kann ja schon der Impuls sein, der jetzt einfach sagt, der Winter ist abgeschlossen, es fängt jetzt sowieso wieder eine neue Phase an und viele Menschen spüren das ja. Du spürst es ja einfach, dass da draußen plötzlich die Wärme ist, dass du im T-Shirt rumläufst, dass du andere Menschen siehst. Viele Menschen verlieben sich im Frühling ja neu. Oder spüren plötzlich Gefühle aufkommen, weil alles sprießt und blüht da draußen. Ich habe ein wunderschönes Bild gesehen von Bonn, wo so die Kirschblüten dieses Jahr zu sehen sind. Wahnsinn!
Miriam: Gut, das ist die eine Möglichkeit, sich auf die guten Sachen zu konzentrieren. Wenn sie im Haus nicht vorhanden sind oder in unmittelbarer Nähe, dann sind sie doch irgendwo versteckt auf diesem Planeten. Es gibt sie. Also es gibt dieses wunderschöne Wetter, es gibt diese tollen Sonnenaufgänge, es gibt da draußen...
Florian: Das kleine Gut, weil die Frage ist einfach genauso wie bei dem Aufstehen. Wann möchte ich eine Grenze einziehen und sagen, ab da wird es jetzt mal anders oder ich konzentriere mich jetzt zumindest auf was anderes. Weil was auch immer passiert ist, fair enough, es passiert und jetzt, wo soll es jetzt wieder hingehen, dass ich mich wieder dahin ein bisschen ausrichte. Weil, wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten, das ist das, wovon wir zumindest mehr bemerken.
Miriam: Da gibt es auch tolle Studien zu, werde ich in meinem nächsten Blogpost drüber schreiben. Ist sehr, sehr spannend, aktuell ist, also verrückt. Das nächste ist, wenn jetzt diese Situationen noch nicht vorbei sind, also sagen wir mal eine Mutter rennt von den älter werdenden Eltern, die Pflege brauchen zum Kind, das gerade in der Pubertät ist und irgendwie in der Schule rumkravenzt mit dem kranken Hund zum Tierarzt und ist so mittendrin. Wie kann sie sich dann stabil halten? Das war ja auch die Frage. Also in so einem Chaos, so im Auge des Sturms. Im Auge des Sturms ist es ruhig, oder?
Florian: Im Auge des Sturms ist es ruhig.
Miriam: Wie cool. Lustig, dass mir das jetzt einfällt. Ich habe immer so Einfälle dann. Geht das? Könnte ich mir das vorstellen? Dass es so eine Art Auge des Sturms gibt, das sich um mich bewegt?
Florian: Dann wärst du ja im Zentrum des Sturms und würdest...
Miriam: So fühle ich mich ja in so einem Augenblick. Wenn so Murphy's Law, also früher in meinem Leben, wenn ganz viel auf einmal an Negativitäten um mich herum war, ich hatte das früher auch ganz häufig übrigens, dann habe ich oft gedacht, wenn ich jetzt mal bewusst die Augen schließe und mich auf mich konzentriere, weil diese Dinge sind da draußen und sie haben was mit meinem Leben zu tun, weil es meine Verwandten sind, meine Kinder, meine Freunde, wer auch immer. Nur ich, ich als Miriam, stehe wie eine deutsche Eiche in der Mitte dieses sich drehenden Tornados und da ist es ruhig für einen Augenblick. Nein, gefällt dir nicht.
Florian: Ich glaube, der Blick ist immer noch zu groß. Egal was da draußen passiert, es passiert immer irgendwas Kleines, das gut ist. Und die Frage ist einfach, möchte ich das sehen oder nicht, oder? Was weiß ich, das kann sowas Kleines. Ich habe ein neues Projekt, deswegen fahre ich immer an eine neue Stelle. Da gibt es einen mega guten Bäcker. Da gibt es so Gemüsekisch, die die morgens immer frisch und warm haben und wenn ich zur richtigen Zeit komme, so um 8 Uhr 25, dann kriege ich ein warmes Stück Gemüsekisch.
Miriam: Oh herrlich.
Florian: Okay.
Miriam: Ja, bin ich dabei. Unser Gehirn ist auch so aufgestellt, lustigerweise. Also in der Gehirnforschung ist ja mittlerweile klar, dass wir deutlich anfangen zu filtern, wenn wir uns auf irgendwas Bestimmtes konzentrieren. Die klassischen Optimisten, von denen, glaube ich, in der Hirnforschung niemand mehr spricht, oder hätten es früher als Optimisten bezeichnet, bemerken sehr viel mehr dieser positiven Dinge am Wegesrand als die Pessimisten, weil sie sich darauf fokussieren, sozusagen morgens schon. Das ist erwiesen.
Florian: Und je mehr ich mich auf dieses Positive konzentriere, der Menschen mit bestimmtem Weltbild irgendwie 20 Euro vor die Füße geworfen hat draußen auf der Straße. Und manche sehen es und manche sehen es nicht.
Miriam: Die sind alle den gleichen Weg gelaufen und die 20 Dollar lagen auf der gleichen Stelle immer. Und es war signifikant so, dass die Menschen, die ein bestimmtes Weltbild hatten, die wahrgenommen haben.
Florian: Die sich als erfolgreich oder glücklich gesehen haben. Als Glückspilze.
Miriam: Und die, die dachten, ich habe gerade nur Pech und so weiter, die haben die noch nicht mal gesehen.
Florian: Dazu mehr in deinem Blogartikel bzw. dann im Newsletter. Ja, wird ganz spannend. Jetzt ist natürlich dann die spannende Frage, ja, aber wenn ich so geboren wurde? Und dann hat dieser Forscher eben ein Glücksprogramm erfunden, wo er gesagt hat, er bringt Menschen bei, wie sie mehr Glück im Leben haben können, was eine super lustige Idee ist.
Miriam: Und ich glaube, wir sprechen noch nicht mal über die, die glauben, dass sie als Pechvogel geboren sind, weil ich kenne Silke persönlich und ich glaube, dass sie ein sehr positives Grundweltbild hat. Und ich bin eher der Meinung, dass es um die Situation geht. Also dass es gerade eine Situation ist, in der viel Negatives passiert war und dass es jetzt darum geht, das Gehirn wieder umzupolen auf seinen normalen Modus sozusagen. Also nicht mehr nur das Negative zu fokussieren und vielleicht dadurch auch mehr Negatives wahrzunehmen, sondern das Gehirn wieder dahin zu polen, dass es die positiven Kleinigkeiten wenigstens wahrnimmt. Das trainiert wiederum die größeren Stücke. Und ich will da auch gar nicht auf Gesetz der Anziehung oder was auch immer gehen, das ist ein ganz normaler Sinneswahrnehmungsvorgang und den können wir, den kannst du beeinflussen.
Kleine Übungen: Danke-Journal, Körperhaltung und andere Menschen
Florian: Zum Beispiel durch ein Danke-Journal am Abend.
Miriam: Ja, hilft schon. Oder eben dieses bewusst sich kurz innehalten und schauen, was ist gerade Gutes um mich rum. Das kann ich zu jeder Zeit, kann ich diese Übung machen. Und es gibt sie, die Kleinigkeiten. Auf einem völlig unaufgeräumten Schreibtisch sehe ich auf einmal meinen Lieblingskugelschreiber wieder liegen und denke, den habe ich doch vier Wochen lang gesucht.
Florian: Vielleicht ist es ja auch einfach nur dieses, wie würdest du da sitzen, wenn es dir gerade besser ginge? Also wenn du dir vorstellen würdest, du bist die Person, die diesem Sturm entgegen geht, der um dich herum geht und du bist die Person, die damit ganz einfach klarkommt, was auch immer da draußen passiert. Wie sitzt du dann da? Wie entspannen sich deine Schultern? Wie entspannt sich deine Rückenmuskulatur? Wie atmest du in so einer Haltung? Wie ist dein Gesichtsausdruck? Wie lächelst du oder was machst du mit deinem Gesicht in so einer Situation? Und das kannst du dir einfach mal überlegen und dann das einfach mal einnehmen, ab und zu am Tag.
Miriam: Das ist eine ganz tolle Übung. Florian ist da jetzt so ein bisschen drüber gehuschelt in meiner Welt. Ich finde diese Übung ganz großartig. Die ist fantastisch. Also ich stelle mir vor, wenn ich es gerade nicht bin, zu dem Zeitpunkt, wie ich wäre. Wenn es mir gerade, unabhängig von den ganzen Dingen, die passiert sind, gut gehen würde, was würde sich an meiner Haltung verändern, was würde sich an meinem Gesicht, so wie Florian das eben gesagt hat? Ganz toll. Eine ganz, ganz tolle Übung. Super. Hat mir schon ein paar Mal richtig geholfen.
Florian: Ja gut, dann sind wir durch, ne? Ja, es gibt noch so ein paar Kleinigkeiten. Was hast du denn noch an Kleinigkeiten? Du hast ja von Erfahrungen geschildert, dass du das früher auch kanntest. Und dann?
Miriam: Ich habe gemerkt, dass es mir in solchen Fällen früher auch schon sehr gut tat. Heute habe ich nicht mehr so viele Extreme. Früher hatte ich Extreme, heute habe ich so Kleinigkeiten. Und auch heute mache ich das noch. Am Anfang habe ich es unbewusst gemacht, mittlerweile nehme ich es wahr. Ich suche mir dann Menschen, mit denen ich mich treffe, die durch eine besondere Fröhlichkeit, Leichtigkeit, Entspanntheit glänzen. Also ich bewege mich dann gerne in Kreisen, wo viel gelacht wird, wo viel Fröhlichkeit ist, wo Menschen sind, denen es gut geht. Das empfinde ich dann als hilfreich, weil die bringen mich dann zum Lachen, da kann ich mich auf deren Energie so ein bisschen stützen am Anfang und irgendwann merke ich, dass es in mich reinfloatet, sodass ich da mitgehen kann. Und das ist dann wie so ein kleiner Erholungsurlaub in diesen vielen Belastungen, die vielleicht gerade da wären.
Florian: Weil es mal ein, was ganz anderes ist, oder?
Miriam: Ja, weil die einfach albern sind und weil ich es über diese ganzen vielen Belastungen gelassen habe, albern zu sein. Zwischendurch einfach mal rumzukickeln oder über irgendeinen Blödsinn zu lachen oder Florian durchzukitzeln oder so. Ich mache es einfach, obwohl es ginge. Florian ist ja da. Ja, also das, das...
Florian: Wir gucken dann zum Teil auch, wenn jetzt niemand zur Verfügung stehen würde. Es gibt auf Netflix oder auf Amazon viele Comedy-Programme. Irgendwas Lustiges einfach anschauen, um in so einen anderen Zustand mal reinzukommen.
Miriam: Und wenn es nur kurz ist. Manche Menschen können das dann schon, also wenn die fortgeschrittener sind, können die das mitnehmen. Und für andere ist es einfach nur mal so ein kurzes Durchatmen. Das tut wirklich gut. Das ist toll. Florian schickt mir mehrfach am Tag immer lustige Bildchen und Witze zum Beispiel. Da freue ich mich immer wie ein Schnitzelchen. Weil ich plötzlich auf mein Handy gucke und da ist irgend so ein Kokolores drauf. Und da ich sehr trainiert bin in diesem Lachen und in diesem albern sein, kann ich sofort aus dem Stand loslachen. Sehr laut sogar.
Florian: Ich stelle mir auch immer vor, wie Miri das ihren Kollegen zeigt. Ja, manche sind nicht zeigbar, wirklich.
Miriam: Nein, manche sind nur für mein Gehirn. Ja, genau.
Um Hilfe bitten und der Django-Modus
Miriam: Also das ist auch etwas, was ich in solchen Situationen noch mal mehr schätze. Und ich habe auch kein Thema, wenn ich merke, ich bin jetzt an einer Miri-Grenze oder wenn ich das früher gemerkt hätte, dass ich an einer Miri-Grenze angekommen war, dann habe ich kein Thema damit, um Hilfe zu bitten. Viele Menschen haben verlernt, einfach aktiv zu sagen, würdest du mir bitte jetzt helfen. Viele halten sich, Florian ertappt mich manchmal noch dabei, dass ich so in diesen Django-Modus verfalle. Ja, es ist gerade viel und ich rock das jetzt alles alleine.
Florian: Dann sehe ich die Miri hier durch die Wohnung huschen und noch die, sie ist schon eine Viertelstunde zu spät dran, um irgendwo hinzufahren. Und dann räumt sie noch den Tisch ab und die Spülmaschine ein und die Wäsche muss noch aufgehängt werden und dies und das. Und ich sitze hier ganz entspannt, weil ich könnte ihr helfen. Nur offensichtlich. Jango will sich zeigen, dass Jango alles allein schafft.
Miriam: Das ist für mich auch entschieden, dass das total okay ist. Ich habe mittlerweile auch aufgrund unserer Ausbildung, wir sind ja ausgebildete Coaches, Trainer und ich habe in jeder Ausbildung tolle Menschen kennengelernt, die auch Coaches sind, brillante Coaches. Ich habe überhaupt kein Thema, die anzurufen, anzusimsen und zu fragen, kannst du mir bitte helfen, würdest du mir bitte helfen? Ich habe die und die Herausforderung und habe das Gefühl, dass ich im Moment gerade irgendwie busy feststecke. Und es ist prima, weil das sofort funktioniert, die helfen sofort. Ich habe noch nicht erlebt, dass einer gesagt hat, ne, das machst du jetzt mal schön alleine, du hast doch die ganzen Ausbildungen, du kannst das.
Florian: Ah ja. Beim Frühstückstisch haben wir das auch manchmal, wenn die beiden Jungs, wenn der Kleine aufsteht, um den ganzen Tisch rum geht und sich dann von der anderen Tischseite die Butter holt. Weil der den Großen nicht fragen will, ob ihm die Butter reicht, bitte.
Miriam: Ja, das hat auch was mit Prinzipien zu tun. Ja, ich kann das sehr gut verstehen. Ja, also auch das ist etwas, was mir dazu eingefallen ist, dass es gut tut, wenn ich mir dann an vielleicht sogar professioneller Stelle eine tolle Unterstützung hole. Und das geht dann sogar meist relativ flugs. Also wenn ich da einen Menschen gerate, der sowieso gerade nicht in diesem ganzen Konglomerat im Kopf drin ist wie ich, sondern der da von außen draufblickt,
Florian: Vielleicht tut es ja einfach mal gut, über was anderes zu reden. Oder das.
Miriam: Ja, das mache ich ja dann mit Freunden, zu denen ich fahre.
Florian: Einfach über dieses ganze Zeug auch überhaupt nicht schwätzen zu brauchen, um mal über was anderes zu reden. Weil meistens ist es ja so, sobald du in einem anderen Zustand bist, sieht es auch schon anders aus und dann ist der Sprung ja schon gemacht, zu sagen, ab jetzt geht es irgendwie schrittweise bergaufwärts.
Miriam: Ganz genau.
Florian: Wenn du gerne wanderst. Ansonsten geht's bergab.
Miriam: Bergab kann auch gut sein.
Florian: Ja, eben.
Miriam: Ja, Downhill, ein super Sport. Das stimmt. Yep, Ski-Alpin möchte ich meinen.
Florian: Ja, da habe ich meine eigenen Erfahrungen gesammelt. Das stimmt.
Miriam: Für mich schon rasende Geschwindigkeit und komisch, dass mich ständig alle überholen. Ja, es liegt immer im Auge des Betrachters, wie viel Spaß die Dinge machen.
Florian: Und es ist ja nur die Frage, ein Ding nach dem anderen so ein bisschen aufzuräumen. Also es geht ja immer nur darum, ist der heutige Tag ein ganz klein bisschen aufgeräumter gewesen als der gestrige Tag. Weil Schritt für Schritt erreichst du einfach, dass wieder eine Ruhe einkehrt in deinem Leben, so wie du das gerne möchtest. Oder eben Spaß oder Freude oder was auch immer du dir wünschst. Schritt für Schritt in die richtige Richtung.
Für alles gibt es eine Lösung – und der gesunde Egoismus
Miriam: Und vielleicht auch der feste Glaube, den ich habe, dass es für alles eine Lösung gibt. Dass es am Ende des Tages immer für alles eine Lösung gibt. Das stützt mich auch.
Florian: Das ist auch ein sehr gesunder Glaubenssatz, weil dann das Gehirn eher daran anfängt, damit zu arbeiten und eine zu suchen oder zu finden.
Miriam: Ja, und ich habe aufgehört, mich deswegen unter Druck zu setzen. Wenn die Lösung jetzt noch nicht da ist, dann holpert sie mir vielleicht so wie im Aschenputtel-Märchen. Sie sagt ja, der Vater soll ihr das mitbringen, was ihm auf dem Weg als erstes in den Schoß fällt. Genau so denke ich dann auch. Das fällt mir schon in den Schoß. Irgendwann ist sie da. Irgendwann sehe ich sie, wenn es jetzt noch nicht ist.
Florian: Und bis dahin ist gar nichts zu tun. Bis dahin ist ganz entspannt Ostereier suchen oder was auch immer.
Miriam: Richtig. Dann gibt es ja Sachen, die kann ich selbst beeinflussen in meinem Leben. Da habe ich jetzt schon einige von aufgezählt, du ja auch. Es gibt Dinge, die kann ich nicht beeinflussen. Also wie schnell wird der Hund gesund? Das liegt jetzt außerhalb meines Ermessens. Das ist der Körper des Hundes zusammen mit dem Tierarzt. Ja, auch da gibt es Dinge, da kann ich aktiv sein. Und letztlich ist es dann irgendwann außerhalb meines, ich habe jetzt alles getan, was ich tun kann. Der Arzt hat alles getan, was er tun kann. Und jetzt ist es nicht mehr mein Bereich, also mein Tätigkeitsbereich. Jetzt ist es dann einfach so, dass ich mich zurücklehnen darf und sagen darf, ab jetzt kommt die Lösung in den Schoß.
Florian: Und dann ist echt die Frage, in welchem Zustand generierst du die besten Lösungen? Also in welchem Zustand bist du am meisten in der Lage, tolle Lösungen zu erfinden oder bist in der Lage, die Menschen um dich herum, denen gute Sachen zu bieten? Wie darfst du da für dich sein? Und dann, da gibt es dieses schöne... Erstes ethisches Postulat von Gunter Schmidt. Erstmal um sich selber kümmern. Weil wenn du in einem guten Zustand bist, dann ist es auch viel einfacher, sich um die Menschen um sich herum zu kümmern.
Miriam: Wir lernen ja so oft diese Selbstaufgabe und Selbsthingabe, dass das was Tolles ist und was moralisch toll ist. Das ist ja auch super. Ja, und ich bin ein Stück weit davon weg, denn ich spreche dann gerne, weil es da draußen hat ja Egoismus eher eine negative Konnotation, ich spreche von einem gesunden Egoismus. Das heißt, wenn ich mich auf mich selbst besinne und sage, wenn diese Kraftquelle... Ich glaube, Gunther Schmidt nennt es altruistischer Egozentrismus.
Florian: Das ist auch toll. Wir tun uns selber gut dafür, dass wir anderen Menschen gut tun können.
Miriam: Richtig, ganz genau. Und das darf in einem ziemlich großen Ausmaß stattfinden, weil die meisten Menschen machen das viel, viel, viel zu wenig. Also gib ruhig mal Vollgas, du bist immer noch nicht im egoistischen Bereich.
Florian: Ist alles gut. Anders. Es geht ja nicht darum, egoistisch zu sein oder vielleicht in so einer Situation, gerade wenn so viel um dich herum passiert ist. Das gehört genauso zum Tag dazu, wie alles andere auch. Wenn Miriam hier durch die Wohnung wutzelt und ein Ding nach dem anderen in Django-Manier hier selber macht, dann ist es ja auch so. Dann nehme ich sie in den Arm und sage, hey, cool, lass uns was zusammen machen. Dann geht es uns beiden vielleicht besser. Wenn du ein Stückchen langsamer tust und ein Stückchen runterfährst und dich darum kümmerst, dass es dir gut geht, dann geht es mir auch besser. Also im Zweifel kannst du es für die Leute um dich herum machen.
Miriam: Ist okay.
Florian: Ich nehme das hin.
Miriam: Nein, manche unserer Hörer sind schon so weit, dass sie sagen, ich mache das klipp und klar erstmal für mich, weil dann habe ich viel mehr Kraft, dann habe ich einen Sternenschweif an mir dran, in dem die anderen sowieso ganz leicht mitsegeln können.
Florian: Ja, das ist halt die Frage. Du hast ja eben gesagt, dann ist es so ein bisschen, wenn der Hund jetzt beim Tierarzt war und jetzt nimmt er seine Medizin, jetzt liegt es am Hund. Ja, naja.
Miriam: Nur was hat denn der Hund davon, wenn ich auf dem Zahnfleisch gehe, zitternd neben ihm sitze heulen, davon wird er nicht schneller gesund.
Florian: Deswegen finde ich, also das ist das Großartige. Ein Pferd hat nicht weniger Angst, wenn ich Angst habe oder wenn ich Stress habe. Die Tiere spüren das ja auch. Und jetzt können wir sagen, ja, aber die anderen Menschen um mich herum, die nehmen das doch gar nicht wahr. Oh, oh, oh, oh, oh.
Miriam: Und du hast es selbst schon erlebt, wenn ein Mensch, der so richtig toll aufgestellt ist, der in sich ruht, der leuchtet von innen, wenn der den Raum betritt, dann beeinflusst der die gesamte Atmosphäre in diesem Raum. Menschen schauen den an und es passiert was. Wir werden dazu noch einen weiteren Podcast machen, weil eine ganz spannende Frage kam da auch von einem Hörer, eine ganz tolle Frage, eine lange, lange E-Mail, über die ich mich sehr gefreut habe. Also wir werden da nochmal genauer einsteigen in dieses Ausstrahlungsding. Jeder lebende Organismus spürt es, sobald du dich entspannst.
Florian: Ja, genau.
Miriam: Von bei dir angefangen bis zu allen Menschen, die dich gerade irgendwie wahrnehmen können.
Florian: Vielleicht ganz am Anfang, ne? Tut dir mal was Gutes, was Kleines, um ein ganz klein wenig entspannter zu sein und dann überleg nochmal, was könnte denn der erste Schritt sein, weil das aus dieser Position heraus viel einfacher ist und vielleicht ein viel besserer erster Schritt auch kommt.
Miriam: Und eins habe ich irgendwann mal gelernt in dieser langen Zeit der Ausbildung, der Sprachzauberei, dass der einzige Mensch auf diesem Planeten, der wirklich weiß, was dir gut tut, du bist. Es gibt nur diesen einen. Und um den solltest du dich kümmern. Das ist einfach so. Das ist dieser Mensch. Und dann passt das auch. Ich finde, das ist ein ganz wichtiger Satz und den würde ich mir am liebsten in goldenen Buchstaben an jede Zimmerdecke schreiben, dass egal wo ich liege in dieser Wohnung, ich den immer lese. Auf die Unterwäsche tätowieren lassen. Auf die Unterwäsche, richtig. Ach, bin ich gerade episch geworden. Der ist so existenziell wichtig, dieser Satz. Ja, da liebe ich mich dann wieder auf der Bühne. Nur es ist wichtig. Es ist wichtig. Also frag dich in solchen Situationen ganz bewusst, was kann ich jetzt, jetzt tun, damit es mir ein kleines bisschen besser geht. Schon ein kleines bisschen. Und dann vielleicht noch ein bisschen mehr. Gut.
Termine, Anmeldung und Abschied
Florian: Es ist wieder Zeit. Herr Groß.
Miriam: Wir haben, dieser Podcast strotzt vor Tipps und Hinweisen. Du nimmst hier genau die richtigen mit. Am 9.6. sind wir in Mönchengladbach zum Sprachzaubertag. Der einzige, der in diesem Jahr noch stattfinden wird. Und zwar für alle zugänglich. Bitte meldet euch bei mir. Ich gebe euch den Link.
Florian: Nein, stopp.
Miriam: Ich setze den Link auf der Homepage. Komm, was soll's.
Florian: Ja, genau. Miri sagt an der Stelle nämlich immer, dass sich die Leute bei ihr melden sollen. Und inzwischen kenne ich ja die Liste schon. Ja, die ist ordentlich. Viel einfacher ist es doch, wenn du Bescheid sagst, wenn man sich online anmelden kann.
Miriam: www.kontext-denken.de. Ich setze es gleich auf die erste Seite. Alles tut, die kann sich anmelden. So.
Florian: Perfekt.
Miriam: Vielen Dank fürs Zuhören.
Florian: Bis nächste Woche. Richtig. Wenn es am Dienstag wieder heißt.
Miriam: Zwei Gehirne.
Florian: Ein Podcast. Yes. Bis dann. Tschüss.
Miriam: Ciao. Mehr von uns gibt es unter www.kontext-denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss bis nächste Woche. Bis zum nächsten Podcast.