Du stehst vorne, alle Blicke müssten eigentlich bei dir sein — und trotzdem wandern die ersten schon zum Handy. Daniel hat genau diese Frage gestellt: Wie bekomme ich in Teammeetings mit vielen Menschen die ungeteilte Aufmerksamkeit? Florian wollte das Thema erst gar nicht aufnehmen (dafür gibt es schließlich ganze Seminarwochen), Miriam hielt dagegen. Was dabei rauskam, sind ein paar sehr konkrete Werkzeuge — von der Burlesque-Tänzerin bis zur Machete unterm Stuhl.
Ein Thema, das eigentlich ins Seminar gehört
Florian: Ich glaube, hast du das? Den einen Hörer, den ich mir vorstelle, der macht gerade noch was anderes. Hey, du Hörer, würdest du mal bitte dich auf den Podcast konzentrieren?
Miriam: Ja, guten Morgen alle zusammen. Schön, dass ihr gekommen seid, so zahlreich.
Florian: Ich freue mich riesig, dass wir... Oh, guck mal, da hinten, da hinten, da hinten liegt eine Wäsche zusammen. Ich weiß nicht, ob das die nötige Konzentration für diesen Podcast ist.
Miriam: Wir haben auf unserer Agenda heute ein paar wirklich wichtige Sachen vorbereitet.
Florian: Würdest du kurz bitte ruhig sein, weil in der letzten Reihe, da hat jemand gezuckt. Ich glaube, da geht gerade jemand raus zum Rauchen und hört unseren Podcast dabei.
Miriam: Ich verstehe den Anfang nicht.
Florian: Das ist der richtige Zustand.
Miriam: Ja.
Florian: Hallo, willkommen zum Podcast diese Woche.
Miriam: Mit dem Florian.
Florian: Und der Miriam.
Miriam: Und wir haben jetzt schon Spaß an dem Thema. Danke an Daniel. Du hast uns eine große Freude gemacht. Kommt das Thema von Daniel? Das Thema kommt von Daniel. Was ist denn das Thema? Das Thema ist, darf ich das frei sagen? Ich glaube, ich darf das frei sagen. Ich sage das einfach mal frei raus.
Florian: Möchtest du es aus dem Gefängnis heraus sagen?
Miriam: Ich hätte es vorlesen können, ablesen können. Ablesen ist ja auch eine Form. Ja. Moderationsfrage schrieb er, Doppelpunkt, Moderationsfrage habe ich mir eingeprägt, der Moderationsfrage, wie bekomme ich die ungeteilte Aufmerksamkeit bei den Teammeetings mit durchaus vielen Menschen bei uns in der Firma von allen Beteiligten? Die ungeteilte Aufmerksamkeit wünscht sich jeder Moderator, Sprecher, Schauspieler, Fernsehmoderatorin.
Florian: Cool. Ja. Wie bekommst du es, Miri?
Miriam: Oh, ich gehe einfach davon aus.
Florian: Ja? Ja. Was machst du, bevor du auf die Bühne gehst, damit du gleich die Aufmerksamkeit hast?
Miriam: Ich freue mich wie ein Schnitzel.
Florian: Dass du auf die Bühne gehst?
Miriam: Ja, vielleicht ist das auch, ja. Vielleicht kommen wir später zu den Tipps, weil mir wichtig ist, dass wir erstmal sagen, dieser Podcast richtet, oder ich sage immer, wenn mich einer fragt, worum geht es in eurem Podcast, Themen, die das Leben schreibt.
Florian: Ah, ich sage immer, das ist ein Berufspodcast. Siehste?
Miriam: Also irgendwas dazwischen. Und Beruf und Leben darf ja für mich auch irgendwie zusammengehören. Wäre ja schlecht, wenn nicht. Und dadurch, dass es ein Podcast ist, der sich am Thema Kommunikation grundsätzlich festhält, ist ein Vortrag etwas vor anderen Menschen sprechen eine Situation, die sich im Beruf vielleicht etwas häufiger einstellen mag als im Privaten? Und wenn ich private Szenen abrufen dürfte, wäre das der 50. Geburtstag und Mutter darf das Gedicht vortragen, das die Kinder geschrieben haben oder so. Das ist auch schon ein Vortrag vor Menschen und vielleicht eine etwas aufregende Situation, wenn jemand das nicht so häufig tut. Genauso ist es auch, so bekomme ich das zumindest mit, für viele, die unsere Seminare besuchen, viele Teilnehmer, die eine super Arbeit leisten, sehr glücklich sind in ihrem Job und eher selten vor anderen Menschen stehen, das aber, so sagen sie uns, vier, fünfmal im Jahr tun müssen.
Florian: Oh je, und dann ist es aufregend.
Miriam: Und dann ist es aufregend und dann gibt es so die Klassiker und einer davon, um den kümmern wir uns heute in dem Podcast, wäre eben dieses, wie bekomme ich denn überhaupt die Aufmerksamkeit von den Leuten? Es gibt einige Tricks dafür, manche davon sind nachhaltig, manche davon funktionieren auch nur für ein paar Sekunden. Ich erinnere mich an eine Trainerin, die wir mal erlebt haben, die auf die Bühne ging und sich vorstellte mit Guten Tag, mein Name ist Marianne und ich bin Burlesque-Tänzerin. Da war die Aufmerksamkeit für ein paar Sekunden komplett bei ihr. Also das geht. Wie sie später herausstellte, stimmte das nicht. Sie hatte gelogen. Wobei sie Tänzerin war im früheren Leben. Also damit hat sie die ungeteilte Aufmerksamkeit
Florian: Ganz kurz bei sich gehabt. Lange gezogen hat es, glaube ich, nicht. Das ist die Herausforderung gewesen.
Aufmerksamkeit ist geschenkt — und leicht wieder verloren
Miriam: Also das heißt, wo ist das Ziel? Möchte ich gerne über einen Ein-Stunden-Vortrag die möglichst umgeteilte Aufmerksamkeit des Publikums? Brauche ich sowieso nur 30 Sekunden für eine Anmoderation für den eigentlichen Redner die umgeteilte Aufmerksamkeit?
Florian: Und dann darf der sich drum kümmern, wie er das weiter macht. Typische Moderation. Meine Anmod war super.
Miriam: Oder eben die ungeteilte Aufmerksamkeit beim Familienfest für die Laudatio des Brautvaters, der sich dann doch statt zehn Minuten eine Dreiviertelstunde über die Kindheit seiner Tochter äußert. Also wo ist das Ziel? Und wenn es darum geht, kurzfristig Aufmerksamkeit zu erzeugen, sage ich an der Stelle aus Moderatoren-Sicht, das ist einfach.
Florian: Und wie machst du es?
Miriam: Die ungeteilte Aufmerksamkeit hat der Redner automatisch, sobald er die Bühne betritt.
Florian: Das heißt, es ist ein Gut, das man nur verlieren kann.
Miriam: Oh wow.
Florian: Nein, was ist die Aussage? Na gut. Ich finde, es fühlt sich ein bisschen frustrierend an und ja. Und ja. Du hast so recht.
Miriam: Jeder hat eine reelle Chance, dass das Gute da ist. Pass auf, die Situation ist, die da sitzen.
Florian: Das ist am Anfang gegeben, also es ist quasi geschenkt.
Miriam: Egal ob 15, 20 oder 500 Leute im Raum sind, da ist eine leere Bühne oder ein leerer Rednerplatz, eine Stelle, an der gleich etwas passieren wird.
Florian: Ah, ja, wenn das ein einmaliges Event ist, wenn das jede Woche stattfindet, ähm.
Miriam: Selbst da ist die These, es sind die Menschen im Raum versammelt, nur es wissen alle, es wird jetzt gleich irgendeiner aufstehen und was sagen.
Florian: Ja, okay. Ja, da können wir gleich nochmal. Ich merke mir das. Ich mache mir einen Knoten ins Gehirn.
Miriam: Sobald derjenige diesen Platz betritt, ist die Grundannahme, ist erstmal für einen kurzen Augenblick, hat er die Aufmerksamkeit.
Florian: Ja, okay.
Miriam: Was er dann damit anstellen würde... Da würden wir jetzt eben auch ein paar Tipps geben am Ende des Podcasts. Okay. So, du darfst. Du darfst mir widersprechen.
Florian: Ich liebe das. Ich rede mir zumindest ein, dass ich das liebe. Ich habe gerade überlegt, also ich habe das ja sehr häufig, dass ich wiederkehrende Meetings habe. Und wir zum Beispiel in dem Vertriebsteam, das ich aktuell betreue, dass wir da jeden Tag 15 Minuten uns kurz updaten, was macht wer und was sind die To-Dos für den Tag und wie können wir am besten zusammenarbeiten. Und mein Eindruck ist schon, dass wenn der eine oder die andere anfängt zu reden, dass dann in manchen Köpfen das Licht ausgeht. Und das wäre das, wenn ich ein Meeting habe, was regelmäßig stattfindet und das immer langweilig ist für die Leute, dann glaube ich nicht mal, dass sie am Anfang noch die ungeteilte Aufmerksamkeit herschenken.
Miriam: Meine Frage wäre jetzt an der Stelle, gibt es dort so eine Art Bühne oder sitzt einfach jeder auf seinem Stuhl und sagt irgendwas?
Florian: In diesen Team-Meeting-Kontexten und ich challenge dich mal in, ich halte mal Daniels Fackel hoch und sag mal, das ist schwieriger als Bühne. Bei uns gibt es oft keine Bühne, sondern das ist tatsächlich, wir stehen vor einer Wand im Büro und da sind halt unsere Post-its dran mit, welche Aufgaben macht gerade wer.
Miriam: Also der, der anfängt zu reden, stellt sich vor die Wand mit den Zetteln.
Florian: Ja, oder steht sogar im Halbkreis davor und wir reden.
Miriam: Und immerhin steht der auf und stellt sich da hin.
Florian: Ja, alle anderen stehen auch.
Miriam: Alle anderen stehen auch?
Florian: Ja. Okay. Stand-up-Meeting.
Miriam: Stand-up-Meeting?
Florian: Ja, also das ist ein alter Trick für, dann dauert das Meeting nicht zu lang. Also dann ist eine maximal, so aus meiner Erfahrung, maximal eine Stunde. Und das machen die Leute auch nicht lang mit.
Miriam: Okay, dann ist das nicht die Situation, die ich vor Augen hatte.
Florian: Du hattest so ein Team-Meeting, wo alle rund um einen Tisch sitzen oder ...
Miriam: Also wenn ich eine Art von Bühne habe, dann ist diese Bühne markiert zum Beispiel als, und wie gesagt, ich spreche jetzt nicht von einer Theaterbühne, sondern dann ist es ein Platz, auf dem derjenige steht, der anfängt zu reden oder der geht dahin. Wenn das jeden Tag ein anderer wäre, würde der also nicht immer auf der gleichen Stelle im Halbkreis stehen, sondern sich dahin bewegen, wo es dann losgeht.
Florian: Nee, haben wir nicht.
Miriam: Das heißt, alle stehen irgendwie in diesem Kreis rum und irgendeiner fängt irgendwann an zu reden.
Florian: Genau.
Miriam: Und was machen die anderen vorher?
Florian: Bei dem Team? Team-Song hören.
Miriam: Oh, das ist doch wunderbar. Nach dem Team-Song ist klar, jetzt geht's los. Dann hat er die ungeteilte Aufmerksamkeit.
Florian: Auch wenn deine Annahme wäre, dass dann bei manchen... Ja, bei dem Team kümmere ich mich ja auch darum, dass die Leute dann da sind. Also da mache ich auch aktiver. Das kommt ja dann im Tippsteil noch. Der Teamsong ist zum Beispiel so ein Ritual, was wir an den Anfang geschoben haben, dass der Beginn klar ist. Ich habe ja was von dir gelernt. Wir kennen uns ja jetzt schon.
Der erste Satz entscheidet
Miriam: Jetzt kann ich als Redner sozusagen fatale Fehler machen mit meinem ersten Satz. Das geht tatsächlich. Nämlich indem ich sowas sage wie, guten Morgen, manche machen ja noch nicht mal das, schön, dass ihr alle da seid. An der Stelle würde ich dir unterschreiben, gehen die ersten Köpfe zu. Und die ersten Augen auch. Auch wenn sie so aussehen, als wären sie offen. Oder ich fange ohne Gruß und irgendeine Einleitung an mit, ich habe mal die Zahlen von gestern mitgebracht. Auch da würde ich dir attestieren, gehen die ersten Köpfe zu.
Florian: Was ist denn dann deine Empfehlung für einen guten Start?
Miriam: Ich habe gestern angefangen mit meiner Ausbildung als Burlesque-Tänzerin. Auf der Bühne ist es oft einfach. Ja. Ich kann es höchstens fühlen oder am Schnarchen der Leute hören. Nur, dass wir das klar haben. Letztlich ähneln sich diese Situationen doch.
Florian: Nein.
Miriam: Die Intention darf klar sein.
Florian: Ja, die Intention darf klar sein und es ist halt, ich habe das schon zu häufig erlebt, dass es so Standardtermine gibt und die jedes Mal langweilig sind.
Miriam: Und warum sind sie das?
Florian: Weil sich entweder niemand um eine richtige Agenda kümmert oder da Sachen besprochen werden, die man besser per E-Mail oder Brieftaube schicken könnte. Also dass es mehr so Informationsübergabe ist, als irgendwie wir tauschen uns zu was Sinnvollem aus.
Miriam: Und so wie ich das verstanden habe, ist Daniels Intention, dass er die Aufmerksamkeit haben möchte.
Florian: Ja genau.
Miriam: Wenn er was sagt.
Florian: Und dann bin ich bei dir. Dann ist die Burlesque-Tänzerin vielleicht ganz witzig. Oder und in der Tipp-Sektion gibt es noch einen anderen Tipp, den ich habe.
Miriam: Und vielleicht auch die Vorannahme, dass es nicht ganz schwierig sein muss, denn menschliche Köpfe freuen sich ja, wenn sie beschäftigt werden. Ich habe schon erfahren im Publikum, wenn der Zuschauer quasi nichts Spannendes erwartet an der Stelle, dann darf ich ihn überraschen. Also wenn sozusagen klar ist in dem Team, das läuft immer nach Schnabbelnutz.
Florian: Es ist einfach und
Miriam: In einem Theater, wenn ich zu einem Vortragsabend gehe oder zu einer Speakers-Convention oder wenn ich mir ein spannendes Theaterstück oder ein Kabarettprogramm, dann erwarte ich ja als Besucher, der ein Ticket kauft, egal für wie teuer, dass das ein spannender, unterhaltsamer, lustiger, vielleicht auch ergreifender Abend wird. Das heißt, tatsächlich hat der erste Augenblick die Aufmerksamkeit geschenkt, weil alle im Raum sind positiv. Ja. Oder wären positiv, zumindest die meisten. Wenn ich in einem Team-Meeting bin, wo ich davon ausgehe, als Redner.
Florian: Da habe ich halt manchmal nicht Freiwillige drin.
Miriam: Sind vielleicht viele nicht freiwillig und oder bei einer Familienfeier vielleicht auch nicht.
Florian: Vorgegriffen auf die Tipps. Vielleicht mache ich meine Meetings einfach mal freiwillig und gucke dann mal, ob noch jemand übrig bleibt. Und wenn nicht, war es vielleicht auch nicht so wichtig.
Miriam: Oder das. Und ich würde jetzt nicht, also die Intention der Frage war ja nicht Meeting absagen, weil es guckt eh keiner hin. Also ich kenne zum Beispiel auch andere Meetings, die bei uns täglich stattfinden, wo es echt lustig ist und wo wir auch immer die gleiche Agenda haben. Ja, morgens bei unseren Meetings.
Florian: Und ich kenne halt auch, ich war halt echt schon in vielen Firmen, wo es echt gruseligste Meetings gab.
Miriam: Und dann finde ich ja die Intention super, wenn einer sich aufmacht, da was dran zu ändern.
Die Tipp-Sektion: Freude, Mehrwert und ein guter State
Florian: So, jetzt kommen wir zur Tipp-Sektion, oder? Ich will jetzt endlich mal zur Tipp-Sektion. Jetzt haben wir lang genug um den heißen Braten herumgera... Nein, ja, was auch immer. Los geht's! Gut.
Miriam: Die allererste Grundannahme ist, dass das, was ich vorhabe an dem Tag, egal ob es ein Vortrag ist, eine Präsentation, eine kurze Zusammenfassung oder ein Abendprogramm oder ein Training, dass die Grundannahme bei mir darf sein, dass das was Tolles ist.
Florian: Ja, okay. Das ist das, was du sagst. Also das, was du als Wortbeitrag hast. Genau. Oder Gesangsbeitrag.
Miriam: Wenn ich schon der Überzeugung bin, dass das, was ich den anderen jetzt sage, totsterbenslangweilig ist und genau das auch fühle, dann sollte ich tatsächlich das Meeting absagen. Das ist also wirklich ganz ehrlicher Tipp von mir. Was sagst du immer? Stop it. Der hat null Sinn. Wenn ich ein Thema bekomme, das ist ja sehr passend bei QVC, bei dem ich persönlich jetzt nichts Spannendes finde, weil ich zum Beispiel mit Schlagbohrmaschinen, die wir gelegentlich verkaufen, jetzt nicht gerade viel Interessensbeilage verknüpfe, von mir aus, ich, Miriam Deforth, Schlagbohrmaschinen, Gähn, dann suche ich mir was anderes, was ich spannend finde an dieser Situation. Für meine Moderation in der Sendung. Ich verbringe eine Stunde jetzt mit Schlagbohrmaschinen. Es führt kein Weg dran vorbei. Oder ich kündige.
Florian: Ja, aber was ist dann ein Beispiel für was Spannendes, das du dir dann suchst?
Miriam: Oft habe ich gerade im Bereich Heimwerkermarkt total witzige Experten. Die sind wirklich witzig. Alleine wie die schon aussehen mit ihrer... Mit Flanellhemd und Schutzbrille. Die tragen so eine Plastikschutzbrille oder haben zumindest welche dabei. Oder sie sind, das sind wirklich witzige Kerle, das sind oft so welche, die haben so Schenkelkloppersprüche drauf, machen einen Witz nach dem anderen, kommen aus dem tiefsten Rheinland, sprechen total kölsch. Und da finde ich irgendwas, was ich schon witzig finde. Und dann überlege ich mir, wie kann ich in dieser Situation jetzt glänzen, als Frau, die freiwillig keine Schlagbohrmaschine in die Hand nimmt zu Hause. Ich würde das tendenziell stets delegieren. Ich weiß.
Florian: Also, dann ist es ja wieder eine witzige Situation, die du am Anfang kreierst, um die Aufmerksamkeit erstmal weiterzuhalten.
Miriam: Ich freue mich, nein, die ist noch gar nicht stattgefunden. Das ist alles noch bevor die eigentliche Situation stattfindet, bin ich bei mir. Das heißt, ich fange plötzlich an, mich auf diese Heimwerker-Sendung zu freuen. Wegen der Schutzbrillen. Wegen des Schutzbrillen-Aufkommens.
Florian: Wenn du in dieser Situation wärst, würdest du dich auf dieses Meeting schon vorfreuen. Genau. Und dir vorstellen, du stellst dir vor, wie das diesmal gut läuft und wie du die ganze Zeit die Aufmerksamkeit hast und wie...
Miriam: Genau, und ich begeistere mich über das Thema.
Florian: Okay. Okay, du begeisterst dich. Ja, cool, du begeisterst dich.
Miriam: Ja. Ist ein Training. Es ist ein Training. Mittlerweile kann ich das unglaublich schnell.
Florian: Und dann?
Miriam: Wenn ich mich so weit habe, dass ich mich freue auf den Inhalt und dabei blende ich jetzt mal die Themen Lampenfieber und was wir sonst noch so alles kennen aus.
Florian: Hatten wir ja auch in anderen Podcasts schon. Hatten wir in anderen Podcasts.
Miriam: Ich bin begeistert von dem Thema, was jetzt kommt.
Florian: Ja.
Miriam: Dann freue ich mich auf den Mehrwert für die Leute, die da zugucken.
Florian: Okay.
Miriam: Ich frage mich also ganz aktiv, was bringt das denen, was wir jetzt hier machen? Wie möchte ich, dass die da rausgehen? Und zwar egal, ob ich eine Theaterrolle spiele und die sind einfach nur gut unterhalten und haben viel gelacht und haben einen tollen Abend gehabt und ihre Sorgen für einen Augenblick vergessen oder ich habe wirklich Inhalt zu vermitteln. Ich freue mich, wenn die danach was gelernt haben bei unseren Trainings. Die gehen raus und können was Neues und wenden das an.
Florian: Und tatsächlich, bei unseren Trainings setzen wir uns ja hier vor jedem Training deutlich zusammen und überlegen uns jeder einzelne Abschnitt, was ist das, was wir gerne hätten und wie sieht es dann aus, welche Veränderungen haben unsere Teilnehmer dann durchgemacht.
Miriam: Richtig. Bei einem Team-Meeting, welche Informationen bekommen die jetzt, die Ihnen die Arbeit erleichtern in Zukunft? Oder die Sie auf den neuesten Stand bringen, was das Unternehmen oder die Unternehmensleitlinien angeht. Wie auch immer. Ich habe nicht Wirtschaftswissenschaften studiert und ich sitze in Meetings, in denen es deutlich um Zahlen geht, zum Beispiel. Und ich freue mich, wenn da ein Vortragender ist, der weiß, was er vorhat.
Florian: Ja.
Miriam: Und, also das sind zwei Sachen, die kann, glaube ich, jeder machen. Diese kindliche Freude. Etwas auf der Bühne zu tun, die habe ich, seit ich mir bewusst bin, seit ich mir meiner selbst bewusst bin. Deswegen, da habe ich noch keinen echten Rat gefunden, wie gerne bist du da vorne. Also darf ich dir anmerken, dass dir das ein bisschen Spaß macht?
Florian: Also die Person, die vorne steht, darf es einfach spüren. Also die darf es auch ihrem Gesicht sagen, dass jetzt Freude ist und der Körpersprache und der Intonation und allem, dass da so ein bisschen Freude raussprüht.
Miriam: Ja, vielleicht funktioniert es über diesen Mehrwert. Was haben die Leute davon? Wenn dieses sogenannte Rampensaugehen nicht so ausgeprägt ist oder noch nicht, dann ist es vielleicht die wichtige Botschaft.
Florian: Also, dass es Sinn ergibt, dass du da vorne stehst.
Miriam: Dass die Leute bereichert, egal mit was.
Florian: Das kann ganz einfach sein. Ja, cool.
Miriam: Genau. Und dann gibt es noch was, was im Vorfeld läuft, nämlich die Grundannahme, dass die Menschen, die da sitzen, es gut mit mir meinen.
Florian: Okay. Ja. Ja. Ja.
Miriam: Sondern die sind gekommen, um einen vergnüglichen Abend zu haben, um ein spannendes Meeting zu erleben, um ein tolles Training zu haben.
Florian: Möchtest du es nochmal gechallenged haben oder möchten wir nicht?
Miriam: Oh, ich liebe es, wenn du mich challenge. Wie gesagt, ich arbeite daran.
Wenn die Situation gar nicht wohlwollend ist
Florian: Also in einer Firma, in der ich gearbeitet habe, gab es ein Status-Meeting, wo die Projektmanager immer ihre Projekte vorgestellt haben, die nicht mehr in grün sind. Also die nicht im Zeitplan und im Budget und im Entwicklungsstand sind, sondern nur die, die gelb oder rot sind. Also es gibt deutlich Probleme. Und in diesen Meetings wurden Menschen angeschrien dafür, dass sie das nicht gemanagt hatten. Gibt es das heute noch? Ja.
Miriam: Ich dachte, das hätte es nur zu Zeiten der Römer gegeben. Nee, ist in Ordnung.
Florian: Ja. Also deutlich, wo zum Teil Vorstände oder Top-Manager drin waren, die dann Mitarbeiter und Projektmanager angeschrien haben, warum sie sich da nicht richtig drum kümmern, warum das nicht richtig funktioniert. War das so verabredet? Definiere verabredet.
Miriam: Wussten beide Seiten das vorher, dass das passiert? Weil es war ja schon die Ansage, dass die nur schlechte Projekte vorstellen.
Florian: Also es war ja keine Überraschung. Da geht es ja darum, dass die dann Maßnahmen beschließen, für was machen wir jetzt an der Stelle.
Miriam: Dann wäre ja die Grundannahme, dass ich jetzt mit einem Projekt, was in Schwierigkeiten steckt, zu einem Publikum gehe, bei dem ich jetzt eine Lösung finde zusammen.
Florian: Oder wo ich mit anderen Menschen zusammen, nicht mehr alleine... Jetzt ändert sich halt von Woche zu Woche nicht so wahnsinnig viel und wenn dann kein Fortschritt ist, weil die Probleme irgendwie haarig waren, dann wurde halt auch mal rumgeschrien und die Inkompetenz der Projektmanager in den Raum geholt.
Miriam: Ich finde, dass das jetzt sehr weit weg geht von der Frage. Deshalb, ist es okay? Weil die ungeteilte Aufmerksamkeit hatte der Projektmanager, der dir das rote Projekt vorgestellt hat.
Florian: Ja, nur du hast eben davon gesprochen, dass es so eine Vorfreude gibt und die Annahme, dass mir alle, die in dem Meeting drin sind, wohlgesonnen sind und dass das ein wohlwollendes Meeting ist. Und tatsächlich habe ich auch für mich bisher immer nur sowas erlebt und ich habe es eben schon anders gesehen. Und dann ist die Frage, was ist denn, wenn es jetzt so ein Meeting wäre, wo die Kollegen tatsächlich irgendwie auf ihr Handy schauen oder gar nicht richtig bei der Sache sind und dieses Wohlwollen zu spüren vielleicht noch sehr weit weg ist oder es hat mal jemand rumgebrüllt oder es gibt da irgendwie komische Situationen in dem Meeting bisher.
Miriam: Also ich weiß nicht, inwieweit du diese ganzen Tricks schon mal selbst ausprobiert hast oder die Menschen, die diese Meetings als Redner geleitet haben, sich auf die Weise vorbereitet haben. Mit welchen Vorannahmen die in dieses Meeting zum Beispiel gegangen sind. In meiner Welt, wenn die schon mit Angst und mit Sorge und mit der Idee im Kopf, dass es jetzt gleich wieder rund geht, da reingehen haben die auch eine entsprechende Haltung in ihrem Körper, das lehren wir. Das ist also den Körper, die Sprache stark beeinflusst, wenn ich angstvoll in ein Gespräch gehe, wenn ich mir schon vorstelle, wie schlimm und grauenvoll das wird. Wenn das vorher stattfinden würde, würde es mich nicht wundern, wenn das in so einem Meeting komplett eskaliert. Deswegen halte ich mich lieber stabil. Ich lasse mich auch gerne mal überraschen, nur in meinem Leben kommt es tatsächlich nicht vor und ich bin auch schon mit Themen vor Menschen getreten, die deutlich haarig waren oder wo es um Krisengeschichten ging oder um, also ich kenne die Situation.
Florian: Das heißt, dein oder unser Tipp ist auch an der Stelle, einfach die Intention zu halten und die Frage zu haben, wie möchtest du in dieses Meeting reingehen und trotzdem vorzustellen, dass es diesmal anders ist, als es vielleicht letzte Woche war. Letzte Woche ist ja auch letzte Woche. Und dann eben, es gibt eine neue Chance bei jedem neuen Meeting.
Miriam: Und wenn wir diesen Podcast, den dehnen wir jetzt sehr weit, finde ich, in Richtung mentales Setup, wenn es darum geht, Krisensituationen zu bewältigen. Weil die Frage ist, wie bekomme ich die ungeteilte Aufmerksamkeit? Die kann ich im Negativen wie im Positiven bekommen. Wenn mich 15 Leute anbrüllen, habe ich auch die ungeteilte Aufmerksamkeit. Und vielleicht sind sie aufmerksamer, als wenn sie pennen und auf ihr Handy gucken. Ich könnte es also super positiv framen und mir denken, möchte ich jetzt mal hier richtig...
Florian: Sie ist ja aufmerksam.
Miriam: Das hatten wir letzte Woche nicht.
Florian: Haben die alle irgendwie Sugar-Candy-Crush gespielt? Einen Schritt geschafft, ne? Ja. Ja, jetzt dürfen wir noch an was anderem arbeiten. Ja, genau.
Miriam: Und ich würde auch die ungeteilte Aufmerksamkeit lieber in einem sehr positiven Weg haben. Ja, deswegen stelle ich mich sehr positiv auf vor diesen Meetings. Letztlich auch für mich. Denn ich bin unangreifbarer, wenn ich in einem sehr stabilen State bin, wenn ich in einem sehr stabilen Gefühlsstadium bin, wenn ich in einer Vorfreude mich bewege, wenn ich in einem, das wird spannend, Ding bin. Ich bin auch mal gespannt, wie der und der und der Kollege heute reagiert auf die und die Nachricht. Ich beobachte das auch mal ganz genau und entspannt. Ich kann mich ja auch in die Situation bringen. Ja, denn manche Redner machen es ganz bewusst, auch Dinge in den Raum zu stellen, die das Publikum schockieren, die polarisieren und sie haben die ungeteilte Aufmerksamkeit. Und aus der Situation heraus dann Lösungen anzubieten. Manche Redner haben auch so eine oder Rednerinnen haben so eine Präsenz im Raum, da würde sich gar keiner trauen, was zwischenzurufen, weil die Leute wüssten, da kommt eine Rückrunde und die wird vermutlich hart. Also denke ich es mir nur. Und auch das ist okay. Verstehst du, es gibt ganz, ganz viele verschiedene stabile... Das hat auch dann wiederum was zu tun, wie ich mich zum Beispiel hinstelle in einen Raum. Wenn ich schon mit eingezogenen Schultern und ganz klein wie eine Maus und am liebsten schon das Loch buddeln würde zum anderen Ende des Erdballs, das merkt das Publikum. Wir sprechen hier von Unterbewusstsein zu Unterbewusstsein. Wir sind alles Menschen. Unser Gehirn ist so schnell im Deuten von Gesten, von Schweiß auf der Stirn, von schneller Atmung, von einer gebückten Körperhaltung.
Florian: Oder eben vom breiten Kreuz, von entspannter Stehen, von tief Einatmen, von der ruhigen Stimme.
Miriam: Von Blicke annehmen und zurückgeben. Und wissen, es geht weder um die Weltherrschaft, noch um Leben und Tod. Also so weit sind wir nicht.
Aufmerksamkeit halten: Zäsuren, Blicke und der Zahlen-Dschungel
Florian: Wir waren beim mentalen Setup und da hast du recht. Also wir haben sowohl über das positive als auch über das negative mentale Setup jetzt relativ viel. Jetzt das richtige Dastehen und den richtigen Anfang hattest du auch schon.
Miriam: Ja, also beim Anfang würde ich gerne noch ein bisschen was dazu sagen. Der erste Satz ist extrem wichtig, weil hier die ungeteilte Aufmerksamkeit da ist. Ich mag den. Die kann noch viel länger da sein. Und der Anfang in den meisten Situationen, in allem Anfang steckt ein Zauber. Wir hatten das schon mal. Das heißt, was ich tue, schon seit Jahrzehnten als Moderatorin, als Speakerin, als Trainerin, der erste Satz, den ich von mir gebe, den weiß ich.
Florian: Den legst du dir zurecht, das ist was, wo du dir, wo du Denkzeit reinsteckst, okay?
Miriam: Und es stiftet Sicherheit. Das gibt dem Redner. Das gibt dir Sicherheit. Das stiftet dir diesen Schwung in die Piste. Dieses Anschubsen oben auf den Berg, wenn es zur Tal geht. Weil dann ist auch das erste Wort gesprochen. Und diese Burlesque-Nummer von der Trainerin war nicht in dem Augenblick ausgedacht. Das war keine spontane Nummer.
Florian: Das war was, was sie mit auf die Bühne gebracht hat. Richtig.
Miriam: Das war wohlweislich intendiert und es ist okay. Es ist ein Mittel, das sehr offen gespielt ist und es ist okay.
Florian: So. Und jetzt?
Miriam: Und jetzt kommen wir zum Thema Charisma. Das ist ein ordentlicher Batzen. Da gibt es ganze Workshops zu.
Florian: Ja, den brauchen wir jetzt nicht. Also wenn ich so überlege, was wir in den letzten 20 Minuten schon besprochen haben, da sind wir ja schon zwei Tage mit Training normalerweise beschäftigt an der Stelle. Weil das ist was, was du üben darfst. Auch in Situationen, die entspannt sind oder in Situationen mit Feedback. Wir hatten schon einiges. Jetzt noch Charisma anzureißen. Gibt es nicht auch kleine Tipps, die wir mitgeben können?
Miriam: Ja, deutlich. Unser Gehirn ist, und ich glaube, da gibt es mittlerweile unterschiedliche Annahmen, die menschlichen Gehirne konzentrieren sich bei einem Frontalvortrag, egal um was es geht, glaube ich, immer nur eine relativ kurze Spanne und dann würden die abdriften. Wenn der Redner nicht irgendwas tut, was sie sozusagen kurz raus und wieder reinfährt in die Konzentration. Ja. Das habe ich zumindest so gelernt. Und es waren kurze Abschnitte. Ich habe gelernt, eine Minute dreißig. Am Stück. Und dann darf sowas kommen wie eine Zäsur. Wir sagten damals Zäsur, in unseren Trainings würden wir Separator sagen oder wir würden sagen ein kurzes Ablenkungsmanöver vom eigenen Inhalt. Das schmerzt viele Redner. Weil der Vortrag über den Trip durch die Anden auf den Rücken von Jags, ja, ich dürfte ja sozusagen was tun, was sozusagen das Gehirn in eine ganz andere Richtung fährt. Manche machen das, indem sie einen Kugelschreiber hochschmeißen und wieder auffangen. Es ist nur was Kleines. Und dabei sagen, ups. Und dann wieder ansetzen mit. Wo war ich stehengeblieben? Ah ja, genau. Das geht, das funktioniert. Ich habe es ausprobiert. In vielerlei Hinsicht.
Florian: Das ist, um Aufmerksamkeit zu halten.
Miriam: Richtig. Weil das ist ja auch die Frage von Daniel. Wie halte ich die ungeteilte Aufmerksamkeit von vielen Menschen im Meeting?
Florian: Ich gehe da ganz anders ran. Wenn ich bei einem Meeting merke und oftmals bin ich ja tatsächlich so wie du auch in der Moderation eher dann tätig. Das heißt, ich habe einen Teil, bei dem mir die Menschen zuhören und dann dürfen oft andere Menschen in meinem Raum was sagen. Und dann darf ich ja auch darauf achten, was passiert, wenn die die Aufmerksamkeit verlieren. Also wenn irgendwie die das vielleicht noch nicht so gut können oder noch üben. Und ich würde da sehr genau drauf achten, wenn das das erste Mal passiert und da grätsche ich dann rein. Also da suche ich mir dann jemand raus, bei dem ich gerade merke, da ging jetzt die Aufmerksamkeit weg, keine Ahnung, die Hand geht zum Handy und den schnappe ich mir dann und je nachdem, ob ich gerade selber was sage, dann würde ich aufhören, was zu reden und meinen Blick auf ihn richten und einfach mal warten, bis ich wieder diese Aufmerksamkeit von dieser Person habe. Oder wenn ich gerade nicht dran bin, dann stelle ich mich vielleicht daneben und gucke ganz interessiert auf das Handy mit, um der Gruppe klarzumachen, dass das jetzt nicht das richtige Verhalten ist.
Miriam: Ja, stimmt. Und ich spüre sehr gut mein Publikum, wenn ich es direkt vor mir sitzen habe. Bei der Kamera habe ich das ja nicht. Das heißt, ich sehe nicht, ob jemand zu Hause jetzt sein Handy, so wie wir auch am Anfang dieses Podcasts nicht gesehen haben, ob wirklich einer gerade Wäsche zusammenlegt, während wir beide wichtige Dinge von... und in einem Saal mit 500 Menschen, vor dem ich gelegentlich stehe, habe ich auch nicht die kleinen... Ja, nur jetzt drehst du das Thema wieder. Nee, ich dreh's nicht, weil es mir ja drum geht, aus meiner Aktion auf der Bühne heraus so viel Aufmerksamkeit wie möglich ständig wieder neu zu generieren. Und an der Stelle arbeite ich mit...
Florian: Was sind denn viele Leute in einem Teammeeting? Ich vermute, viele Leute in einem Teammeeting sind schon 25, 20 Leute.
Miriam: Gut, und da ich jetzt vielleicht als Redner niemanden dabei habe wie dich, der sozusagen aufpasst, oder ich, ich kann selbst aufpassen, nur dann würde ich ja mit so einer Geste in meiner Welt dafür sorgen, dass die Leute ihre Handys nicht anfassen. Ob die wirklich aufmerksam zuhören, weiß ich nicht, die gucken vielleicht in die Leere und stören zumindest nicht, aber ob die aufmerksam da sind, ob die bei mir sind, ob die mir zuhören, das weiß ich ja nicht, die können so tun. Menschen können ganz schön gut so tun, als ob.
Florian: Da sind aber auch ganz viele komische Vorannahmen drin.
Miriam: Sie können das. Bei mir tun sie es selten. Die Idee ist ja, dass ich es denen einfach mache, bei mir zu bleiben. Und dabei helfe ich ihnen, indem ich, während ich so einen Vortrag mache, plötzlich sage, Burlesque-Tänzerin.
Florian: Ja.
Miriam: Oder Pizza mit Käse und Tomaten. Nein, indem ich plötzlich was Unerwartetes tue. Ja, da oben ist ein Flugzeug. Geht auch. Es sind jetzt billige Tricks, nur es geht. Verstehst du? Ich weiß, das liegt jetzt nicht so in deiner Komfortzone.
Florian: Nee, das hat mit meiner Komfortzone nichts zu tun. Also das ist einfach in manchen Settings... Glaube ich nicht, dass das funktionieren würde.
Miriam: Der Kugelschreiber funktioniert. Oder kleine Sachen, wie zum Beispiel eine längere Pause. Eine dramatische Pause. Das geht auch bei Zahlen. Ohne jetzt jemanden gezielt gemerkt zu haben, dass einer zu seinem Handy greift, um jemanden abzumahnen. Sondern einfach, um wieder Aufmerksamkeit in den Raum zu holen. Oder dem Gehirn die Möglichkeit zu geben, wieder welche aufzubauen.
Florian: Spannend, ich sehe das gar nicht als Abmahnen auch an der Stelle.
Miriam: Okay, ich habe das so als Zeichner in die Gruppe gesehen. Wer das macht, den stelle ich mich und gucke mit aufs Handy.
Florian: Und dann kann jemand... Ja, nur es ist ja ein mehr oder weniger sanftes, die Aufmerksamkeit der Gruppe zurückholen auf den Sprechenden. Also es gibt halt einfach...
Miriam: Würde auch passieren, wenn ich von vorne als Sprecher sage, wenn du jetzt deine Mama anrufen möchtest, dann kannst du das gerne tun. Wir singen ihr gerne ein Lied.
Florian: Das ist auch ein Abmahn.
Miriam: Ja, nur dann ist es genauso ein billiger Trick wie da hinten ist ein Flugzeug. Am Ende ist die Gruppe wieder aufmerksam. Ich bin auch weg von meinem Thema. Ich bin nicht mehr bei den Quartalszahlen oder beim Andenmarsch auf dem Rücken des Jagds. Ich mache was völlig anderes. Ich mache was, was nicht zum Thema gehört. Entweder ich überlasse es den anderen, mich so weit zu bringen, indem die ihr Handy rausholen und reagiere dann oder ich mache das einfach schon vorher, vorsorglich. Ist ja egal. Wenn ich davon ausgehen würde, dass die das gerne tun, wenn ich eine Gruppe habe, wo ich weiß, die spielen lieber Handy.
Florian: Ja, manchmal werden die ja von anderen Leuten dahin trainiert.
Miriam: Oder das, wie auch immer, wenn es so eine Gruppendynamik gibt. Und in einem Publikum, das einmalig zusammenkommt, um sich den Vortrag über die anderen anzuhören, kann ich das genauso tun. Weil der eine interessiert sich vielleicht mehr für das Jack und der andere interessiert sich mehr für die Erklimmung des Gipfels. Und es ist mein Job. Darauf will ich im Grunde raus. Es ist nicht die Aufgabe des Publikums, dafür zu sorgen. Natürlich kann jeder Einzelne was dazu beitragen.
Florian: Ja, wir hatten das im letzten Podcast schon. Das ist dieses genauso, wenn ich mehr Wertschätzung im Leben haben möchte, wo fängt es dann an? Genauso, wenn ich mehr Aufmerksamkeit im Leben haben möchte, in solchen Situationen, dann darf ich natürlich auch aufmerksam sein. Einmal aufs Publikum und aber auch als Zuhörer.
Miriam: Ja, das stimmt. Und auf mich. Ja. Also an welcher Stelle spule ich Dinge nur ab? An welcher Stelle rede ich vielleicht viel zu schnell, weil ich aufgeregt bin? Ich darf mich selbst beobachten bei so einem Vortrag. An welcher Stelle brilliere ich mit tollen Redewendungen und sehe lachende Gesichter und habe die Blicke? Ich kann ja für mich auch immer ganz viel lernen aus Vorträgen, aus... Trainings, ja, wie reagiert ein Publikum, an welchen Stellen reagiert ein Publikum? Das sind halt schon viele Sachen jetzt hier, ne? Das ist ganz viel. Und die Grundintention, Florian, ist für mich, dass du dich als Redner in einen guten, stabilen State bringst, der den Raum überhaupt erstmal füllen kann oder der so einen Vortrag mitgeben kann.
Florian: Wir haben in anderen Podcasts schon einfache Tipps dafür auch gegeben, ne? Also über Lieblingsmusik, über ganz kleine Sachen. Richtig.
Miriam: Der Witz vom Olli vorher, dass ich in einem möglichst entspannten, stabilen State bin, mich freue auf meinen eigenen Auftritt, egal um was es geht.
Florian: Es ist im Endeffekt sehr einfach und es darf einmal kurz bei dir Klick machen im Gehirn, dass du jetzt, ab jetzt mache ich das anders.
Miriam: Und der Gedanke an das Ziel, zum Beispiel eben auch, wie lange sollte so ein Gedicht beim 50. Geburtstag sein, braucht das 28 Strophen und dauert das eine halbe Stunde oder reicht eben auch ein 10-Minüter und dafür sind da alle drei Minuten kommt ein toller Gag über Onkel Friedrich. Also das darf ich mir vorher überlegen, verbunden mit der Frage, wie gehen meine Zuhörer hier heute raus? Aus diesem Vortrag, aus diesem Spot, aus diesem Meeting, aus diesem Moment. Was nehmen die mit? Eine Erinnerung an einen super schönen, witzigen Gedichtvortrag?
Florian: Ja, den Gedichtvortrag brauchen wir jetzt hier nicht. Wir haben einen Meeting-Kontext.
Miriam: Ich weiß, ich wollte es nur nochmal für alle Privathörer mitnehmen.
184 Seiten PowerPoint — oder eine Wildwasserfahrt durch die Zahlen
Florian: So, jetzt Quartalszahl, ne? Okay.
Miriam: 184 Seiten PowerPoint. Und es gibt mittlerweile Alternativen, habe ich mir sagen lassen. Viele machen immer noch PowerPoint.
Florian: Es gibt Alternativen. Es gibt Mischformen, es gibt Alternativen. Es gibt einfach Meetings, in denen 184 Seiten PowerPoint durchgegangen werden.
Miriam: Es ist die Sache des Redners. Und wenn ein Redner sich aufmacht, die ungeteilte Aufmerksamkeit zu haben, macht er keine 184 Seiten PowerPoint in meiner Welt. Er macht es nicht. Wenn ein Redner wirklich drüber nachdenkt, wie kann ich das jetzt so schlau wie möglich an die Leute verkaufen? Weil, verstehst du, diese 184 Seiten Quartalszahlen... Ich bin voll bei dir.
Florian: Ich freue mich, wenn... Manchmal sind Menschen in Arbeitsstätten einfach in Agenten von anderen Menschen drin. Und ich habe da schon die witzigsten Sachen erlebt.
Miriam: Ich freue mich, wenn es Menschen gibt wie Daniel, die sagen, gibt es eine Alternative? Kann ich was dafür tun? Und wenn ich mich dann frage, wie sollen die Leute rausgehen aus meinem Vortrag, wenn es um die Quartalszahlen geht? Wie kann ich das für die am besten gestalten? Ich kann das ja auch nochmal mit Rücksprache mit dem verantwortlichen Geschäftsführer oder wie auch immer gestalten und sagen, wollen wir wirklich jede einzelne Seite laut vorlesen, obwohl sie auch zu sehen ist? Gibt es eine Alternative? Können wir es irgendwie anders gestalten? Vielleicht entwickeln sich sogar tolle Formen dadurch, die sich abheben von allen anderen Quartalszahlen-Präsentationen der Welt. Ich weiß es nicht. Verstehst du, ich habe nicht Wirtschaftswissenschaften studiert und ich habe es an anderen Enden schon erlebt. Menschen in unserem Unternehmen erlebt, die im Controlling arbeiten und im Planning und die wahnsinnig spannende Sachen von sich gegeben haben. Über Dinge, wo ich von vornherein beschlossen hätte, ist nichts für mich. Es gibt die. Es gibt auch die anderen.
Florian: Und Daniel gehört vermutlich zu denen, die in Zukunft … Die ausziehen, die Aufmerksamkeit seiner Hörer immer bei sich zu haben.
Miriam: Ja.
Florian: Oder Zuschauer.
Miriam: Und zu größten Teilen. Und zu sagen, und jetzt haben wir zwar hier diese drei, vier Seiten, die wichtig sind, dass ihr sie kennt und ich schleuse euch da durch. Das wird jetzt so ein bisschen Wildwasserfahrt.
Florian: Wir gehen auf durch den PowerPoint-Dschungel oder den Zahlen-Dschungel.
Miriam: Deswegen habt ihr alle von mir eine Machete und einen Helm bekommen. Liegt unter eurem Stuhl. Es ist okay. Ich mag das. Also ungeteilte Aufmerksamkeit hauptsächlich durch mein eigenes Interesse an dem, was ich da tue. Wie würde ich es mir gern anhören? Wie fände ich es spannend? Was würde ich meine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken? Wie soll das Publikum, wie sollen meine Zuhörer da rausgehen? Was kann ich dafür tun, dass sie möglichst viel mitnehmen? Wie sehr freue ich mich auf diesen Augenblick? Wie viel Begeisterung, wie viel Freude, wie viel Spannung kann ich selbst davor schon erzeugen? Selbst wenn es noch nicht mal Begeisterung ist, sondern eher dieses, ich bin mal gespannt, wie anders das diesmal wird. Und das ist schon die Tippfraktion.
Florian: Ich bin gespannt, was für Fragen kommen. Das war, wir haben so viele Themen angerissen.
Miriam: Ja. Gehört auch alles zusammen. Ja, genau. Ich nehme das auf mich an der Stelle, ist natürlich auch wieder diese Verantwortungsfrage. Ja, genau. Also wer ist in dem Augenblick für die Aufmerksamkeit verantwortlich, wenn ich vorne stehe?
Florian: Ja, in meiner Welt auch. Nur ich. Das ist dann die Tatsache. Und ich darf halt so flexibel sein, zu reagieren, wenn ich merke, ich darf jetzt was anderes tun, um die Aufmerksamkeit zu halten. T-Shirt aus.
Miriam: Nutzt alles. Nackte Haut hat schon immer Aufmerksamkeit. Erzeugt ihr Lieben den einfachsten Weg.
Florian: Ja, oder den Witz oder irgendwas, genau. Und dann immer wieder ins Thema rein.
Miriam: Ja. Ja, Eiscreme für alle. Es bleibt ein spannendes Thema. Nicht zuletzt deshalb gibt es ja eben auch ein ganzes Wochenende, an dem wir uns nur damit befassen. Wenn es dich interessiert, dann komm. Und wir freuen uns riesig, wenn du drei, vier, fünf Sachen mitgenommen hast aus diesem Podcast jetzt, die dir bei deinem nächsten Meeting dann schon viel mehr Aufmerksamkeit bescheren.
Florian: Genau, und dann gerne weitere Fragen, dann gehen wir auf Teile oder auf Aspekte davon nochmal ein. Sehr, sehr gerne. Voll gut.
Miriam: Ich freue mich schon auf nächsten Dienstag.
Florian: Vielen Dank fürs Zuhören.
Miriam: Vielen Dank.
Florian: Und viel Spaß. Bis nächste Woche.
Miriam: Bis dann. Tschüss.