Krönchen richten, weiter machen

Drei No-Gos beim Storytelling

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In dieser Folge

Darum geht es

Storytelling ist keine Wissenschaft. Alle Menschen praktizieren das „Geschichten-Erzählen“ oder „Anekdoten-Erzählen“ Tag für Tag. Du, ich, wir alle sind Profis darin. Was den meisten Menschen fehlt, ist die Übung darin, ihre Geschichten achtsam auszuwählen und mit dem Bewusstsein zu kommunizieren, dass ihre Anekdoten etwas mit beiden Gesprächspartner machen. Dabei gibt es drei große Fehler, die die meisten Menschen begehen. In dieser Podcastfolge zeigen wir Dir, wie Du sie vermeidest und stattdessen immer mehr zum exzellenten Storyteller wirst. Egal, ob bei der Teamarbeit, bei klassischen Führungsaufgaben oder sogar im privaten Bereich ist das Wissen um diese drei Fehler nicht nur nützlich, sondern macht Dich zu einem virtuoseren Kommunikator. Miriam erzählt von einem CMO, der seine mitreißende James-Webb-Teleskop-Geschichte im Change-Meeting selbst zerlegt — und macht daran die drei No-Gos fest: Emotionalität (wenn die Story zum monotonen Technikvortrag wird), Inkonsequenz (wenn der zweite Teil den ersten torpediert, wie beim Kindergartenplatz) und das Tragödien-Problem (die Kakerlake im Hotel als Schlusssatz nach dem Sonnenuntergang am Gipfelkreuz). Es geht um Storytelling für Führungskräfte, um das Lesen der Zuhörer-Signale und um die Frage, mit welchem Bild dein Gegenüber das Gespräch verlassen soll. Mit Beispielen von Zurück in die Zukunft bis Willy Wonka und einem Ausblick auf den NLP Master der Akademie. #nlp #kommunikation #storytelling #fehler #agile #coaching #scrum #kanban #organisationsstruktur #changemanagement #energy #motivation #metaprogramme

Lesefassung

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Kapitel dieser Folge
  1. Der CMO und das James-Webb-Teleskop
  2. Fehler 1: Emotionalität — wenn die Geschichte zum Vortrag wird
  3. Auf das Gegenüber achten
  4. Fehler 2: Inkonsequenz — die eigene Geschichte torpedieren
  5. Fehler 3: Das Tragödien-Problem und die Kakerlake im Hotel
  6. Wo du das lernen kannst

Ein CMO steht vor der versammelten Belegschaft und startet mit einer Geschichte, bei der wirklich alle mitfiebern: das James-Webb-Teleskop, ein Blick 350 Millionen Jahre in die Vergangenheit, eine ganze Astrophysik im Umbruch. Und dann kippt der Raum. Einer nach dem anderen greift zum Handy. Miriam war dabei — und nimmt diesen Moment als Ausgangspunkt für drei Fehler, die dir deine beste Story zerlegen können. Emotionalität, Inkonsequenz, Tragödienproblem: Woran du sie erkennst und wie du sie vermeidest.

Miriam: Krönchen richten, weitermachen. Der Storytelling-Podcast für Führungskräfte. Mit Miriam Groß-Deforth und Florian Groß. Powered by kontextstrategie. Drei No-Go's beim Storytelling. Ich habe mich sehr auf diese Folge gefreut.

Florian: Ich dachte ja, dass du den Titel so aussprichst. Ich hätte 18, 20. Drei No-Go's beim Storytelling. Er ist auch gut. Das können wir auch nehmen. Können wir auch nehmen.

Miriam: Das unterstreicht die Dramatik.

Florian: Drei No-Go's beim Storytelling. Das ist so schön. Bin ich ja selber neugierig. Dinge, die du nicht tun darfst beim Storytelling. Was passiert sonst?

Der CMO und das James-Webb-Teleskop

Miriam: Ich habe neulich wieder so eine Erfahrung gehabt und zwar wurde ich angerufen für die Moderation eines großen Kongresses für ein Unternehmen, bei dem es auch gerade richtig rappelt, weil Change-Prozesse ohne Ende, die Abteilungen sind alle angefressen und bei diesem großen Meeting, wo ich also gebrieft werden sollte, hat der CMO da und der riss also auch das Wort an sich und dann fing der an zu erzählen und ich war schon, also ich war ein bisschen vorbereitet über eine HR-Mitarbeiterin, die das erste Telefonat mit mir hatte, so und er fängt an zu erzählen und zwar vom James-Webb-Teleskop. Irgendwas hat er da...

Florian: Der Ersatz für das Hubble-Teleskop ist das.

Miriam: Richtig, so, das ist das Neueste, das so weit guckt, wie irgendwie das gesamte Weltall ist. The hot shit. The hot shit. Und dass die gesamte Astrophysik derzeit umplanen darf, weil dieses Teleskop sehr deutliche Hinweise darauf gibt, dass diese Urknalltheorie völliger Bullshit ist. So, das heißt, die Astrophysiker sind alle etwas in Aufruhr gerade.

Florian: Mhm.

Miriam: Und alle hörten ihm gespannt zu und ich dachte, wie genial ist das denn, in einem Unternehmen als Geschichte für Change, also das zu erzählen, sodass man jetzt Galaxien und Geschichten im Weltall sehen kann, die Millionen, 250, 350 Millionen Jahre zurückreichen. Verrückt, eine Reise in die Vergangenheit und in dem Moment, wo das gefallen war, fing er an sehr technisch über Teleskope zu reden. Und es war wirklich, sekündlich plumpste einer aus diesem Meeting raus im Sinne von, er widmete sich seinen E-Mails oder Leute holten das Handy raus oder guckten nicht mehr in die Kamera.

Florian: Was wollte ich heute Abend eigentlich noch einkaufen?

Miriam: Genau.

Florian: Was mache ich mit dem Rest meines Lebens?

Miriam: Und es waren also wirklich 90% aller Meeting-Teilnehmer. Seine allerengsten Vertrauten sozusagen hielten wacker durch und guckten weiter etwas weit in die Kamera, also mit etwas glasigem Blick. Und dann beendete er seine Geschichte auch noch, dass jetzt eben keiner genau weiß, wo es lang geht und dass man sich fragt, warum er das überhaupt ins Weltall geschossen hat, dieses James-Webb-Teleskop und ob das überhaupt Sinn macht. Und da war natürlich alles im Eimer, was er in den ersten drei Sätzen aufgebaut hatte.

Florian: Weil das, was wir an der Struktur unter dieser Geschichte mögen, ist, dass wir mit dem Hubble-Teleskop oder eigentlich im Ausholen auf die Menschheitsgeschichte, dass wir uns schon die ganze Zeit mit den Sternen beschäftigen und eben auch, wo kommen wir her. Und dann wir mehr und mehr und mehr darüber herausfinden. Und jetzt ist eben eine ganz neue Technologie, wirklich ein Riesenprojekt für die Menschheit auch, nach oben gelauncht worden. Und jetzt erkennen wir halt, manche von den Theorien, die wir hatten, leider nein. Und wir dürfen jetzt einfach umdenken, weil es gab, wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, dass wir eben Beweise dafür haben, dass das, was wir dachten, das wahr ist, eben doch nicht mehr funktioniert.

Miriam: Und dass es sicherlich auch ganz viele Astrophysiker gibt, die das als eine ganz tolle Herausforderung betrachten.

Florian: Deswegen, geile Geschichte, geile Story drunter. So, jetzt ist die Herausforderung.

Miriam: Genau, also da waren alle drei Fehler drin, die ich dir empfehle, dir mal zur Gemüte zu führen und in Zukunft zu vermeiden, wenn du Geschichten erzählst für dein Team. Und ich kann die kurz zusammenfassen in Emotionalität, Inkonsequenz und Tragödienproblem.

Miriam: Mhm.

Fehler 1: Emotionalität — wenn die Geschichte zum Vortrag wird

Miriam: Und bei der Emotionalität geht es schlichtweg darum, dass der Anfang dieser Geschichte von dem James-Webb-Teleskop so hoch emotional war, dass wirklich alle mitgefiebert haben und auch zu spüren war, dass der CMO seine Geschichte selbst total spannend findet. Und als das dann losging mit diesem Technik-Kram wurde seine Stimme monotoner und ich hatte so das Gefühl, jetzt leiert er einfach runter, was er in dem Buch gelesen hat oder in dem Artikel oder wo auch immer die Informationen her hatte und es war überhaupt keine fühlbare Geschichte mehr, weder für ihn, noch für alle, die dabei waren. Und in dem Moment wird eine Geschichte langweilig. Und eine langweilige Geschichte ist das Schlimmste, was uns passieren kann. Das Schlimmste, was uns passieren kann. So, es ist keine Sünde, wenn uns das passiert. Also ich bin Geschichtenerzählerin und ich würde wahrscheinlich mit auf so eine Mars-Mission genommen als Geschichtenerzählerin. Ich habe übrigens Astronauten nach ihren Geschichtserzählqualitäten gecastet. Wusstest du das? Nee, wusste ich nicht. Ich auch nicht. Tatsächlich, denn die brauchten Aushängeschilder, wenn die lebend zurückkommen, egal ob von der MIR, von der ASS.

Florian: Mit Fußballspielern ist es doch inzwischen genauso. Früher konnten die einfach irgendeine Geschichte erzählen und inzwischen werden die gecoacht in wie erzählen die Geschichten, die die Leute dann auch tatsächlich hören wollen. Weil darüber gibt es mehr Social Media und darüber gibt es mehr Interesse an jemanden.

Miriam: Oder wie können sie ihre Aussagen auch spannend machen oder wie können sie Fans gewinnen und so. Also da spielen ja ganz viele Dinge eine Rolle. Und diese Emotionalität spielt halt eine große Rolle. Also einfach irgendwas vor sich hin zu belabern, das nimmt eben niemanden mit. Und der Trick dabei ist zweierlei. Zum einen ist es, prüf dich immer wieder selbst. Wie kannst du dich in deine Geschichten reinsteigern? Wie sehr gelingt dir das? Und wie viel Spaß, wie viel Freude, wie viel Wut, wie viel Trauer, wie viel Frust, wie viel Freude, wie viel Euphorie fühlst du, wenn du die ein oder andere Geschichte aus deinem Leben erzählst? Kommt die Begeisterung aus all deinen Poren oder auch der Ärger, den du erlebt hast?

Florian: Oder ist es einfach so ein... Ja, da habe ich mich schon vorgefreut. Also als ich mein neues Auto bestellt habe, da dachte ich mir schon so, boah, das wird bestimmt total toll, wenn ich da dann das erste Mal drin sitze.

Miriam: Mhm.

Florian: Mhm.

Miriam: Das macht Verwirrung. Wir haben das jetzt ein bisschen übertrieben wahrgenommen bei Florian. Es geht auch andersrum. Ja, dann hat er mich halt angebrüllt und dann wusste ich jetzt, also erstmal im ersten Moment habe ich schon sowas gefühlt wie Verrat oder Wut auch. Es ist übertrieben, nur es ist schwierig. Irgendwas in unserem Gehirn knirscht da plötzlich. Und es stellt sich zurecht die Frage, lügt es jetzt? Hat es das wirklich erlebt? Es braucht ja nicht mal eine erlebte Geschichte sein.

Florian: Dann auch einfach nicht so tragisch. Also die Vorfreude jetzt wäre halt für mich in meinem Beispiel irgendwie so, naja okay, so toll wird es jetzt anscheinend nicht sein. Man sagt halt, dass man sich davor freut. Und bei Miris Geschichte wäre es halt so, ja gut, also so schlimm scheint es nicht gewesen zu sein. Egal wie schlimm es war, nur das ist eben das, was beim Zuhörer, zumindest bei mir hängen bleibt. Und prüfe dich da gerne selber, was bei dir bei solchen Geschichten passiert, wenn jemand unemotional eine Geschichte erzählt.

Auf das Gegenüber achten

Miriam: Und der zweite Faktor, schon für die etwas Fortgeschritteneren unter euch, ist eben auch auf dem Schirm zu haben, was mit dem Gegenüber passiert. Also mit der Zuschauer- und Zuhörerschaft.

Florian: Ja, da darfst du jetzt genau ein bisschen genauer werden, glaube ich.

Miriam: Genau. Also mir ist sofort aufgefallen, dass einer nach dem anderen bei diesem Meeting anfing, sich mit was anderem zu beschäftigen. Nur der CMO war so selbst in seinem Kopf, in seiner Geschichte drin und in seinem technischen Wirrwarr, der hat das wirklich nicht mitbekommen. Hätte er es mitbekommen, hätte er vermutlich umgeschaltet. Für so schlau halte ich ihn. Nur er hat es nicht mitbekommen. Das heißt, ganz viele Menschen und du wahrscheinlich nicht, der du zuhörst oder die du zuhörst, nur sehr, sehr viele Menschen, achte mal drauf, achten überhaupt nicht drauf, dass das Gegenüber gerade auf die Uhr geguckt hat, irgendwo in die Leere starrt, keine eindeutigen Signale für Zuhören mehr gibt, was ja so Nicken ist oder die Augen aufhaben oder einen auch wirklich immer wieder den Blick catchen und sowas, dass das alles nicht mehr stattfindet, sondern dass du so einen Zombie vor dir stehen hast, der aushält, bis du fertig bist. Erwachsene sind in der Regel höflich, gerade im 1 zu 1 Gespräch. Die halten es dann aus. Anstatt, ein Kind hätte dir schon längst vor den Koffer geschickt. Entschuldigung. Das ist so. Ein kleines Kind kennt diese Höflichkeitsform nicht. Und wenn die anfangen sich zu langweilen bei dem, was du denen sagst, kriegst du eindeutiges Feedback. Körperlich.

Florian: Die beschäftigen sich dann mit was anderem.

Miriam: Die gehen einfach.

Florian: Die lassen dich einfach stehen. Mitten in der Geschichte, wo ein Erwachsener sagen würde, ja jetzt muss ich noch bis zum Ende zuhören. Ja, hör zu bis zum Ende. Das ist der Trick.

Miriam: Achte da drauf. Für den Anfang, also ich habe mir das am Anfang gegönnt, dass ich Leute gefragt habe, findest du das spannend genug? Also darf ich dir die Geschichte zu Ende erzählen? Es ist eine etwas längere Geschichte. Und wenn dann ein, ha, ich habe jetzt auch gerade, dann war es für mich fein, dann hatte ich was gelernt. Sehr, sehr häufig kam ein, ja, ich finde es gerade super spannend, was war dann? Und dann ist es gut, also wir können auch darüber sprechen. Mehr Transparenz, mehr Offenheit spielt sich auch schon im Kleinen ab, nicht nur im ganz Großen im Unternehmen. Und dazu zu stehen, dass das eben so ist. Also Emotionalität, wichtiger Punkt.

Fehler 2: Inkonsequenz — die eigene Geschichte torpedieren

Miriam: Zweiter Punkt, Inkonsequenz. Das erlebe ich ständig. Menschen erzählen eine Geschichte und während sie die Geschichte erzählen, torpedieren sie ihre eigene Geschichte.

Florian: Wow, wow, wow, mehr Beispiel.

Miriam: Mehr Beispiel. Also, wenn jemand jetzt anfängt mit diesem, da ist jetzt ein neues Teleskop und es gibt riesen Innovationen mit dem Blick ins Weltall und die Astrophysiker finden es halt alle furchtbar schwierig und die wollen da gar nicht hingucken, dann habe ich eine absolute Kontroverse in diese Story eingebaut. Und das ist jetzt in der Geschichte drin, nur ich habe jetzt auch gerade wieder eine Freundin, die ein kleines Kind hat, die mir ganz freudig erzählt hat, jetzt wird es drei, jetzt kommt es in den Kindergarten, das wird jetzt eine gute Zeit, es war anstrengend. Es ist halt wahnsinnig schwer, einen Platz zu finden. Ich glaube nicht, dass wir einen Platz finden für die Kleine. Und dann ist die Geschichte so zerrissen schon. Also da ist so ein Cut im Flow. Entweder du erzählst die Geschichte vom Finden eines Kindergartenplatzes oder du erzählst die Geschichte vom Nicht-Finden eines Kindergartenplatzes.

Florian: Die Vorfreude auf, wenn mein Kind mal im Kindergarten ist, passt halt nicht dazu, dass ich danach die Geschichte erzähle von, ich glaube nicht mal, dass es in den Kindergarten geht. Ja, ja, ja. Weil wir einfach keinen Platz finden. Das ist das, wo wir häufig eine Inkonsequenz in den Geschichten erleben, wo der erste Teil nicht zum zweiten Teil passt.

Miriam: Oder wo eben schon Glaubenssätze, so nennen wir es im NLP, drin sind, die das Ganze wieder ad absurdum führen.

Florian: Weil wir wollen mit Geschichten ja unsere Gegenüber auf eine Reise mitnehmen, möglicherweise auf eine Veränderungsreise, wo eben Möglichkeiten, Chancen oder auch Probleme, die wir im Moment haben, klar gemacht werden und daraus Handlungsfelder oder Handlungsoptionen abgeleitet werden. Also ganz subbewusst eben schon mal was vorarbeiten für das, was wir gerne hätten als Ziel in einer Geschichte drin. Wir hatten das ja jetzt schon ein paar Mal und werden das auch noch ein paar Mal aufgreifen.

Miriam: Das wäre so, wie wenn bei dem Film Zurück in die Zukunft, in dem Moment, wo der DeLorean vorfährt und klar wird, dieser verrückte Doc hat es wirklich geschafft, eine Zeitmaschine zu bauen, Steven Spielberg einblenden würde, Zeitreisen geht leider nicht. Und dann die Geschichte weitererzählen.

Florian: Das ist jetzt nur eine Fiktion, also wir erzählen jetzt nur eine lustige Geschichte.

Miriam: Und das ist ja nicht Sinn und Zweck von so einer Kinovorstellung. Ich will ja diese Geschichte verfolgen und ich will ja für den Moment des Films daran glauben, dass es geht und mich identifizieren und mich da rein saugen lassen. Und deshalb ist es diese Inkonsequenz in den Geschichten, achte mal da drauf, in der nächsten Woche bis zur nächsten Podcast-Folge, wie das bei anderen, die dir ihre Geschichten erzählen, passiert, an welchen Stellen. Du kannst wirklich fast einen roten Marker auspacken und das wie auf so einer inneren Schreibmaschinenseite anmarkern.

Florian: Wenn du eine schöne filmische Adaption davon sehen möchtest, worüber wir gerade sprechen. Der Film Willy Wonka aus den 70ern. Und dann der moderne mit Johnny Depp. Und warum funktioniert der aus den 70ern zumindest für mich besser? Gene Wilder, der den Willy Wonka spielt, hat dazu mal gesagt, weil die Zuschauer nicht wissen, ob er diese Kinder in seiner Fabrik sterben lässt. Also es ist nie klar. Das ist immer on the edge. Und das ist eben diese Konsequenz, die in dieser Geschichte drin steckt, dadurch wird die spannend und dadurch kriegt die so eine Kohärenz in, ja, dass tatsächlich irgendwie, da findet ein Trial statt, da wird irgendwie was geprüft und es ist nicht klar, was passieren wird und es zieht uns mit rein und es ist in einer Konsequenz erzählt. Und wenn das klar ist, dass das nur eine Geschichte ist oder dass es eben sehr verworren auch ist, kriege ich jetzt einen Kindergartenplatz oder kriege ich keinen, freue ich mich da drauf. Ich freue mich schon total drauf, wenn unser Kleinster in den Kindergarten geht, nur dann wird er ja auch so groß und dann weiß ich auch nicht, was ich machen soll und dann wird es eben... Hä? What's the point?

Miriam: What's the point? Sehr gut, genau.

Fehler 3: Das Tragödien-Problem und die Kakerlake im Hotel

Miriam: Und dann kommt noch das dritte Problem, das ist das sogenannte Tragödien-Problem, zu dem sehr viele Menschen neigen, nämlich, oder kurz gesprochen, ihre Geschichten haben kein Happy End. Wir wollen allerdings beim absichtlichen Storytelling, also wo wir Menschen etwas, wo wir das Gehirn vorglühen wollen, für Change Management, für Vertriebsprozesse, für neue Ziele im Unternehmen, für Motivation, für was auch immer, wollen wir, dass es mit den Gefühlen bergauf geht, dass am Ende alle gewaschen in guten Gefühlen ihren Hintern bewegen und sagen, ah jetzt, so, los geht's. Und das erreichen wir nicht dadurch, dass wir die Geschichte am Ende absumpfen lassen. Und es ist wirklich, also das habe ich schon eine Million Mal erlebt in unseren Seminaren, wenn die Anfänger da sind und es zum ersten Mal üben. Das ist so irre, wirklich, wir hatten es so, da war eine Teilnehmerin, die wollte sich eine Geschichte vorbereiten für ein Team-Meeting tatsächlich und hat geübt. Und sie hat uns alle total gekriegt. Die hat eine tolle Stimme entwickelt, die hat emotional erzählt, sie hat keine schlechten Glaubenssätze drin gehabt und hat von dem Besteigen eines hohen Berges in Österreich berichtet. Und wir waren alle mit ihr auf dem Weg. Wir hatten alle die Steigeisen an im Seminarraum. Die hat uns mitgenommen bis ans Gipfelkreuz. Wir haben da alle gestanden auf einem kleinen Plateau mit unserer Kamera in der Hand und wir haben einen Sonnenuntergang gesehen. Das war phänomenal. Also wir waren alle mit ihr unterwegs. Und der letzte Satz dieser Geschichte war, aber im Hotel hat es Kakerlaken gehabt. Und jetzt haben wir ja nun mal die Herausforderung, dass unser Gehirn das, was gesprochen wird, erstmal in innere Bilder umsetzt. Also wir stellen uns irgendwas vor. Ich bin noch nie auf einen hohen Berg gekraxelt mit Steigeisen. Nur ich konnte mir vorstellen, wie das ist. Und ich habe mir die Bilder dazu gemacht und ich habe diesen majestätischen Sonnenuntergang auf einem hohen Berg am Gipfelkreuz so genossen und dann krabbelt da so eine Kakerlake auf einmal durchs Bild, was wirklich nicht sein muss. Und da darfst du dich wirklich auch mal selbst kontrollieren, das ist so ein bisschen wie ein Kompliment runterspielen, so eine Geschichte klein machen, so boah, du siehst ja toll aus heute, ja das ist aber schon ein altes Kleid, damit mache ich das Bild kaputt. Wenn ich das mit einer Geschichte mache, dann hebele ich die Leute aus der Emotion raus, die ich gerade mühsam vielleicht sogar aufgebaut habe, bei einem Team, das gerade irgendwie ein bisschen durchhängt und ich will denen gute Gefühle machen, ich will, dass die ein bisschen in die Entspannung gehen, ein bisschen wieder in bessere, heerere Gefühle.

Florian: Und falls das deine erste Folge ist, bei der du zuhörst und du dich fragst, boah, wie kann ich das überhaupt tun? Wir haben in den letzten Folgen darüber gesprochen, wie du das entwickeln kannst, wie du auch ein Zielbild entwickeln kannst und wir bleiben da auch am Ball, das in den nächsten Folgen noch klarer zu machen und immer wieder Beispiele dafür zu liefern, weil das ist die hohe Kunst, eben auszusuchen, welche Emotionen hättest du denn gerne im Gegenüber oder welche Hoffnungen, was möchtest du denn jetzt? Was ist denn dein Ziel damit, dass du mit einem anderen Menschen in Kontakt trittst?

Miriam: Und was hättest du gerne, wie der Mensch diese Sitzung verlässt, mit welchem Bild? Und das ist so eine wichtige Frage, denn natürlich, also es kann ja sein, dass es diese, Entschuldigung, Kakerlaken in dem Hotelbett gab. Und wenn wir das abstreiten würden, würden wir lügen. Nur eine Geschichte an einer bestimmten Stelle einfach aufzuhören und den Rest nicht zu erzählen, ist total legitim.

Florian: Wir selektieren sowieso immer Teile von der Geschichte.

Miriam: Wir selektieren eh, genau. Wir werden nicht jeden Busch und jeden Stein auf dem Weg auf diesen Gipfel beschreiben, wenn wir drei Minuten Redezeit haben.

Florian: Ich habe eben auch darüber nachgedacht. Ich bin ja auch in Nepal hoch über 4000 Meter geklettert, gewandert und habe diesen Sonnenaufgang tatsächlich auch erlebt auf einem Berg. Und da gab es, also... Von dem Aufstieg kann ich alle möglichen Geschichten erzählen, in alle möglichen Richtungen. Und die Frage ist halt, welche möchte ich erzählen? Weil was wirklich schön war über dem Schneefeld, ist dann die Sonne zu sehen. Das wirklich majestätisch. Und morgens früh so früh aufgestanden zu sein und dann die Früchte der Arbeit zu erleben. Dann zu erleben, wie es ist, diese ganzen Aufwand, wenn an einem Punkt das alles zusammenkommt und man sagt, die Arbeit hat sich gelohnt.

Wo du das lernen kannst

Miriam: Du kannst das übrigens bei uns lernen. Es wird den NLP Master, also wo wir schon deutlicher auch in dieses Storytelling einsteigen, wird es nochmal geben bei uns in der Akademie. Im nächsten Jahr stellen wir unser Programm um. Buche dich da gerne ein oder melde dich bei uns per E-Mail über die Webseite. Dann können wir dich beraten, inwieweit das passt zu deiner Ausbildung. Du brauchst den Practitioner schon dafür und alle anderen Programme und Seminare, die wir geben, findest du sowieso auf www.context-strategie.de.

Florian: So, das war jetzt schon der Werbeblock, oder?

Miriam: Ja.

Florian: Voll gut. Dann hören wir uns nächste Woche, wenn es wieder heißt?

Miriam: Krönchen richten.

Florian: Weitermachen.

Miriam: Alles zu den Ausbildungen bei uns gibt es auf www.kontext-strategie.de und jede Woche eine neue Podcast-Folge.

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