Vier Akte, sieben Akte, Heldenreise, Schneeflockenstruktur – kaum will jemand eine gute Geschichte fürs Business erzählen, taucht der Berg an Theorie auf. Miriam und Florian drehen den Spieß um: Erst war die Geschichte, dann kam das Konstrukt. Sie erzählen von einer Märchenerzählerin in Alsfeld, die alle Grimms-Märchen wortgetreu auswendig konnte, und verraten am Ende ihren Lieblingsaufbau für Anfänger – den Pixar-Pitch.
Heute wird's theoretisch – oder auch nicht
Miriam: Krönchen richten, weitermachen. Der Storytelling-Podcast für Führungskräfte. Mit Miriam Groß-Deforth und Florian Groß. Powered by Kontextstrategie. Der Aufbau einer Story. Heute wird's wirklich theoretisch, ne?
Florian: Was? Kommt dein ganzes Germanistik-Studium jetzt hier. Endlich, endlich hat sich das Germanistik- und Theaterwissenschaften-Studium mal gelohnt. Wir können jetzt hier einen zweieinhalbtausend-Tage-Podcast aufnehmen für welche Geschichtentypen gibt es und was ist wichtig und in welcher Reihenfolge kommt was. Und das ist der Podcast, auf den Miri sich ihr ganzes Leben lang vorbereitet hat.
Miriam: Heute ist der Tag der Tage. Wie viel Zeit habt ihr? Genau an diesem Ding, an dieser Schnittstelle scheitern die meisten Schicksale. Das ist so. Sobald Leute anfangen, sich irgendwas zusammen zu googeln, ein Buch zu kaufen, die nicht von ganzem Herzen, schon wenn sie ein Jahr alt sind auf dieser Welt, Geschichtenerzähler sind oder sich so fühlen. Und lesen diese theoretischen Abhandlungen. Dann hören die mindestens da sofort wieder auf, Geschichten zu erzählen.
Florian: Ja, oder sie brauchen halt irgendwelche komischen Abkürzungen, die ihnen dann wieder die Brücke bauen als Erwachsene. Also die brauchen auf jeden Fall Hilfe.
Miriam: Soll ich dir was sagen? Ich habe mit so vielen brillanten Storytellern im Business gesprochen und habe mich mit denen ausgetauscht. Und wenn ich die gefragt habe, arbeitest du nach einem Vier-Akt- oder Sieben-Akter-System? Und dann haben die mich immer mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf angeguckt. Was für ein System? Heldenreise? Schneeflockensystem?
Florian: Im Consulting gibt es dann Situation und Complication und sowas.
Miriam: Und wirklich, die benutzen das nicht. Ich habe es studiert. Ich stehe dann immer da wie der Ochs vom Scheunen und denke, Freunde, was ist los? Das kann doch nicht sein.
Die Märchenerzählerin von Alsfeld
Miriam: Ich weiß, dass ich in der ersten Schwangerschaft war ich in so einem Forum im Internet mit ganz vielen Schwangeren. Das ist auch nicht so gut. Das ist nicht empfehlenswert. Nur eine lustige Sache ist passiert. Wir haben uns dann mal getroffen und zwar alle relativ kurz vor der Entbindung, also mit so richtigen Kugelbäuchen und haben entschieden, dass wir eine Märchenerzählerin uns anhören, weil wir uns in der Mitte Deutschlands in der Märchenstraße getroffen haben. Und die haben wir gebucht in Alsfeld, das geht da. Und das sind Menschen, die professionell Märchen erzählen und zwar Grimms Märchen.
Florian: Geiler Job auch, oder?
Miriam: Ja, die verdienen damit ihr Geld. Und die können das auswendig. Also die haben kein Buch.
Florian: Alle Märchen von Grimms?
Miriam: Alle Märchen von Grimms können die auswendig. Und zwar wortgetreu.
Florian: Und es sind mehr als drei, ja?
Miriam: Das sind mehr als drei Märchen und manche von denen sind richtig lang. Richtig lang auch, ne? Ja, also nix hier der süße Brei oder wie dieses Ding heißt, was so eine halbe DIN A4-Seite ist. Und die erzählen die dann eben, wie gesagt, frei, nur nach genau Vorlage, was sie tun, was sie selbst hineintun, ist ihr Geschichtenerzählvermögen, also ihre Art, das auch zu Schauspielern ein Stück weit, Stimmen nachzumachen beim Erzählen, die Spannung aufzubauen. Nur sie bleiben in Grimms Worten. Und das war eine irre Erfahrung. Es war ein kalter Abend und diese Märchenerzählerin hat uns in so einem kleinen, hutzeligen Fachwerkhaus empfangen. Und da brannte das Feuer im Kamin und es stand Tee für uns alle da. Und sie hatte überall Kisten, Stühle, Sessel. Also manche saßen auf dem Boden, manche saßen auf dem Sofa. Es war urgemütlich. Und sie eben wirklich in so einem großen Lehnstuhl vor diesem Kamin. Wie als hätte sich das einer ausgedacht. Und dann hat sie uns ein wunderschönes Märchen erzählt. Und für uns war das eine, also wir waren alle ein bisschen skeptisch, wie spannend das jetzt wird mit Grimms Märchen. Nur, ich kann ja später was zu sagen, nur allein schon dieses Setup, weißt du, was ich meine? Es war so cool und natürlich haben Märchen einen bestimmten Aufbau. Also wir können das literaturwissenschaftlich genau ergründen, nach welchem Muster die gebaut sind.
Erst die Geschichte, dann das Konstrukt
Miriam: Allerdings, und jetzt kommt's, das war meine Erkenntnis und das ist übrigens in allen sprachlichen Formen so, nicht nur beim Storytelling. Erst ist die Geschichte. Und dann setzt sich irgendwann einer hin und baut da ein Konstrukt drüber. Es ist also nicht als allererstes in der Menschheitsgeschichte ein Theorem da gewesen von Einleitung, Hauptteil, Auflösung, was übrigens der klassische Dreiakter wäre, sondern tatsächlich gab es erst die Geschichte und dann fiel auf einmal auf, ah, bei den kürzeren Geschichten gibt es meistens nur drei wichtige Teile.
Florian: Welche Teile sind das denn?
Miriam: Habe ich eben gesagt. Das ist der Anfang, also die Einordnung, dann kommt der Hauptteil und dann kommt die Auflösung. Wie in der Schule.
Florian: Wie in der Schule.
Miriam: Haben wir alle mal gelernt. Genau. Jetzt gibt es da noch kompliziertere Formen. Also die Griechen haben schon angefangen, das ein bisschen auszubauen. Die haben sich nicht mehr zufrieden gegeben mit nur drei Teilen. Die haben dann vier Akte, so sagen wir auch tatsächlich, im Storytelling dazu gemacht. Fünf Akte gibt es. Das hat Gustav Freitag dann irgendwann mal rausgefunden. Und dann gibt es auch noch die sieben Akte. Und dann kommt die Schneeflockenstruktur, die angeblich Bestseller-Autoren dabei hilft, ihre Romane zu verfassen. In meinem Kopf, wenn ich nach der Schneeflockenstruktur arbeiten möchte, ohne einen Computer vor mir zu haben, ohne schreiben zu können. Ja, ist Chaos.
Florian: Was ist denn die Schneeflocken-Struktur? Jedes Buch ist individuell, oder was?
Miriam: Interessiert dich das jetzt wirklich?
Florian: Nein, nur vom Typ her. Also Schneeflocken sind einzigartig, oder was ist der Trick?
Miriam: Ja, das stimmt. Nee, das ist nicht der Trick. Der Trick ist, dass wir bei der Schneeflocke eine Mitte haben und von da aus werden es immer mehr Arme, sozusagen.
Florian: Heu, heu, heu, heu, heu, heu, heu.
Miriam: Ich sag, ich schwör. Am Ende dieses Podcasts verraten wir dir übrigens unseren Lieblingsaufbau für Anfänger, der einfach ist.
Florian: Den auch ich als Florian anwenden kann.
Miriam: Den sogar Florian anwenden kann, um Bestseller-Autor zu werden. Nur darum geht es ja eben auch gar nicht. Wer will denn bitte im Business-Bereich, wenn es darum geht, eine knackige Brand-Story zu erfinden? Oder einen tollen Twist zu machen für die Kunden oder für die Mitarbeiter. Wer will denn da erstmal Geschichtenaufbau studieren? Es braucht es auch nicht. Ich weiß, dass jetzt wahrscheinlich einige, die es studiert haben, mir bitterbös an den Karren fahren. Vielleicht gibt es einen Shitstorm auf diesem Podcast. Ist mir auch egal. Ich möchte so einfach wie möglich haben. Damit du dich nicht erst hinsetzen brauchst und brauchst dir irgendwie 15 Bücher Literatur über Geschichten durchzuarbeiten, was übrigens wirklich nichts bringt. Ich glaube, es ist schön, wenn wir tatsächlich anfangen wollen, in einen gewissen professionellen Bereich des Storytellings zu wechseln, uns dann wirklich auch mal damit zu befassen. Also das stört nicht. Ja und es ist auch gut, sich ein bisschen auszukennen in den Techniken, mit denen wir arbeiten. Nur wie gesagt, wenn ich brillanten Storytellern lausche und ich bin mir nicht sicher, ob diese Märchenerzählerin wusste, dass sie gerade einen Dreiakter von sich gegeben hat, wo eine Heldenreise drin verwoben war, weiß ich nicht. Weiß ich nicht. Meine These wäre nein. Die hat trotzdem eine brillante Geschichte erzählt. Und die Gebrüder Grimm haben diese Geschichten ja auch nicht selbst erfunden, sondern die haben die eingesammelt bei solchen Märchenerzählern. Also im Grunde wurde es einmal von einer Märchenerzählerin 1700 irgendwas, ne 1800 sogar glaube ich, weitergereicht an Grimms und von da wieder an eine Märchenerzählerin. Grimms wussten vielleicht, wie der Aufbau von einer Geschichte ist.
Florian: Die Struktur entsteht ja dann eher darüber, dass wir eben viele Geschichten miteinander vergleichen und die gleichen Muster erkennen da drin und gar nicht darüber, dass eine individuelle Geschichte, dass wir die unbedingt danach aufbauen. Viele von diesen Mustern sind wahrscheinlich in uns Menschen einfach auch drin. Auch wir haben ja einen Anfang im Leben, also wenn wir es auf sowas ziehen würden, auf so eine große Metapher des Lebens, eben mit einer Geburt und dann gibt es irgendwann den Tod im Menschenleben und zwischendrin passieren eben Dinge. Und das ist ja die gleiche Metapher, die dahinter steckt.
Miriam: So und jetzt können wir das auch wieder auf ein Projekt ansetzen. Es gibt den Anfang eines Projektes, es gibt den Hauptteil und es gibt hoffentlich die Auflösung.
Florian: Ja, fünf Akte. Ja.
Miriam: Nach Gustav Freitag.
Florian: Wenn wir in der Beratung unterwegs sind, dann ist es Situation, also worum geht's, dann eine Complication, da gibt's irgendein Problem und dann eben eine Resolution.
Miriam: Ah, guck mal, da ist der Dreiakter wieder.
Florian: Da ist der Dreiakter wieder, ja klar, gibt's ganz viele. Gibt's auch im Business solche Frameworks.
Miriam: Wenn du übrigens anfängst, in diesen Mustern zu denken, findest du die überall auf einmal. Und nicht das Muster war zuerst da, sondern die Sachen.
Florian: Und das Witzige ist auch, welches von diesen Mustern du dann auswählst, ist vielleicht gar nicht so dramatisch wichtig dann mehr, sondern es ist eben, mit welchem fühlst du dich wohl und benutze eben eins.
Miriam: Das Problem an diesen Theoremen über Storytelling ist, dass es aus meiner Erfahrung heraus die Menschen eher davon abhält, Geschichten zu erzählen, weil sie ständig die Befürchtung haben müssen, und ich sage dieses Wort ganz selten, dass sie irgendwas falsch machen, also dass sie irgendeine Regel nicht eingehalten haben. Und so, Freunde, arbeitet doch eine Märchenerzählerin nicht. Also die denken doch nicht über Regeln nach. Bitte.
Das Setup liefert oft schon die Story
Miriam: Also wenn ich von der was gelernt habe, war sicherlich Setup, also dass wir da alle so hübsch saßen irgendwie und dass wir erstmal einen Tee gekriegt haben. Das habe ich mir gemerkt, auch für meinen Business-Alltag. Setup ist scheinbar wichtig. Und das erlebe ich auch in großen Verhandlungsgesprächen, wenn es darum geht, einen neuen Deal zu machen, einen Vertrag zu machen, wo sich Menschen dafür treffen, hat tatsächlich eine Auswirkung da drauf. Vielleicht ist dir das auch schon mal aufgefallen. Also wenn ihr den schönsten Meetingraum bekommen könnt für euer Gespräch, nimm ihn. Wenn ihr irgendwo raus könnt, wo es richtig toll ist, macht das.
Florian: Einmal hatte ich einen Meetingraum für einen Visionsworkshop mit einem Team, wo wir in einem großen Frankfurter Hochhaus direkt über die gesamte Frankfurter Skyline schauen konnten. Da ergeben sich die Storys dann auch automatisch. Also wenn du dann aus diesem, keine Ahnung was das war, 30. Stock, einfach in die Ferne schauen kannst und den Blick mal schweifen lassen kannst, was es da noch alles im Frankfurter Umland gibt. Und an einem schönen Tag einfach zu sehen, wie das Lichtspiel so über den Tag sich verändert und wie die Menschen da unten auch ganz klein wirken. Es ist so einfach dann auch in großen Gedanken zu denken.
Miriam: Wahrscheinlich fallen dir jetzt auch solche Momente ein, während du Florian gerade gehört hast. Du denkst, ja stimmt, wir hatten uns einmal da oder dort oder in diesem Hotel oder in diesem wunderschönen Ort getroffen und es fiel uns allen leichter, in Themen einzusteigen, uns respektvoll zu behandeln. Wo auch immer Probleme vielleicht gelagert waren. Das ist nicht zu unterschätzen. Also das Setup für eine Story liefert manchmal schon die Story. Ich erinnere mich an einen großen Kongress mit Führungskräften, der in einem bildschönen Wiener Theater gemacht wurde. Also ein Renaissance-Theater. So, da hat der Raum, hat ihr schon alles hergegeben für, jetzt geht hier ein Vorhang auf, das haben wir ja normalerweise auch nicht in einer Firma. Oder diese ganzen Stuckarbeiten an der Decke, diese wunderschöne Beleuchtung, die Geschichten, die da drin auf dieser Bühne schon Hunderttausende von Menschen verzaubert haben. Da brauche ich mir nicht mal Mühe geben, eine Geschichte zu finden, die ist schon da.
Florian: In unseren eigenen Akademieräumen denke ich das auch manchmal. Wir sind in einer inzwischen sehr wunderschön ausgebauten, oder für unseren Geschmack, sehr wunderschön ausgebauten Scheune, die wirklich aus dem Ende des 19. Jahrhunderts noch kommt. Und wenn ich mir überlege, was die wohl alles schon erlebt hat in diesen hundert paar Jahren, die die gesehen hat und welche Geschichten da wohl schon waren und was da passiert ist und was drumherum passiert ist. Wow.
Miriam: Manchmal wird der Anfang deiner Story, die du erzählst, und dann brauchst du keine große Introduktion mehr, keine Einführung. Manchmal wird der Anfang dir auf einem Silbertablett serviert, einfach weil ihr da seid, wo ihr gerade seid. Findet diesen Anfang und achtet dann bitte mal darauf, wie spannend du selbst das findest, was danach kommt. Weil manchmal ist ja auch in uns drinnen ein sehr guter Seismograph für, wir sind hier gerade auf einem guten Weg unterwegs oder nicht. Es gibt Menschen, die erzählen, obwohl sie sich selbst zu Tode langweilen, ihre Geschichte weiter.
Florian: Die finden ihre Geschichte selber nicht mehr lustig und dann...
Miriam: Die finden das selber langweilig schon. Und dann ist es dein Job, nicht von jemand anderem, dann ist es dein Job, dafür zu sorgen, dass das entweder wieder spannend wird oder aufzuhören. Exakt. Und das erleben wir zum Beispiel bei Dingen, die sich häufig wiederholen. Ist klar, irgendwann hat es den Zauber des Anfangs verloren. Wie kannst du dann dafür sorgen, dass du es vielleicht durch minimale Veränderungen wieder spannend hinbekommst? Das sind alles deine Aufgaben. Werden wir an diesem Podcast auch noch einige Male dran vorbeikommen. Nur das erste ist, achte auf dich selbst, also wie resoniert das mit dir gerade? Und das zweite ist, das wird ein ewiges Mantra hier sein, was passiert mit den anderen Menschen, die mit dir in diesem Raum, egal ob virtuell oder real life, zusammen sind und dir gerade zusehen und zuhören?
Miriam: Nächster Tipp für den Aufbau einer Geschichte. Fass dich dann kurz, beschränk dich auf das, was wirklich notwendig ist für diese Geschichte. Das ist der Hauptteil. Im Hauptteil ist es wichtig, dass du bam, bam, bam die Sachen abarbeitest. Manche Menschen bewegen sich in so eine Dauerschleife, weil ihnen eine Stelle in der Geschichte so gut gefällt, dass sie immer und immer wieder davon erzählen möchten. Es darf weitergehen, es darf weitergehen.
Florian: Die Handlung darf sich weiterentwickeln.
Miriam: So, das haben alle mitbekommen. Nicht das Publikum für dumm halten, weitererzählen.
Florian: Wir sind nicht in so einem Kunstfilm, wo man sagen würde, Art Cinema, wo drei Stunden Film, drei Minuten Handlung drin wären.
Miriam: Ja, oder eben auch dieses, und wie heißt es, Küsst das Murmeltier? Es gibt doch so Filme täglich, wo so eine Dauerschleife die Story ist. Wenn das beabsichtigt ist, voll gut. Achte da auf dich und sieh zu, dass du auf diese Auflösung rausarbeitest. Also, dass du irgendwann auch wirklich einen Schlusspunkt setzt und sagst, so, und jetzt kommen wir zum was auch immer Ding Nummer 1.
Der Pixar-Pitch – die einfache Übung
Miriam: Ich habe ja versprochen, Anfang des Podcasts, wir liefern auch unsere Lieblingsübung, um den Aufbau einer Geschichte zu Hause zu üben. auch vor Menschen zu üben. Ich liebe den, das ist der sogenannte Pixar-Pitch.
Florian: Also Pixar von der Firmenfirma.
Miriam: Ja, die gibt es ja nicht mehr, Pixar.
Florian: Pixar Studios, ja.
Miriam: Also es geht die Legende um und es gibt ein paar ganz glaubwürdige Quellen im Internet, dass es wirklich von Pixar ist, dass die im Team, wenn die so tolle Geschichten erfunden haben wie Shrek, wer das kennt, oder Ice Age ist auch von denen. Sowas zu erfinden, da würden ja manche, ich auch, so vor Ehrfurcht erstarren und denken, wie kommen Menschen auf so geile, Entschuldigung, Storys. Das ist ja Irrsinn. Und die haben eine so simple Methode, den ersten Wurf ihrer Story zu entwickeln, dass ich wirklich, also ich bin...
Florian: Es kann doch nicht so einfach sein. Es darf doch nicht so einfach sein.
Miriam: Richtig. Und dann habe ich gemerkt, doch, verdammt nochmal, das funktioniert. Das funktioniert auch bei mir. Ich schreibe ja Geschichten. Ich schreibe ganze Theaterstücke, Musical-Librettos. Ich schreibe ja, das funktioniert, das Ding. Und jetzt solltest du einen Stift haben und mitschreiben. Ja, weil das ist so super. Damit kannst du üben, in den Fluss der Story zu kommen und die Geschichte aufzubauen. Du fängst an. Und du ergänzt jetzt bitte den Satz, den ich dir vorgebe, einfach mal ganz flink, während du den Podcast hörst, mit deinen eigenen Fortsetzungen. Erster Satz. Du machst ihn fertig. Es war einmal. Das Erste, was dir einfällt. Weiter geht's. Jeden Tag. Genau. Eines Tages jedoch... Florian nickt, macht schon mit. Deshalb... Und dann... Jetzt kommt bei Pixar ein, du kannst dieses und dann fünfmal machen. Könntest du. Wir lassen es mal dabei. Weil wir kürzen jetzt ab und nehmen das Ende, nämlich und am Ende.
Florian: ...funktioniert einwandfrei. Das heißt, es könnte so was sein wie und wir wollten dich die Übung erst mal selber machen lassen. Falls du sie eben nicht mitgemacht hast, halt kurz an, mach die Übung nochmal für dich und dann geben wir ein Beispiel. Es war einmal ein Team aus lauter Softwareentwicklern. Jeden Tag arbeiteten sie an ihrer Programmierung und trafen sich einmal am Tag, um sich abzustimmen. Eines Tages jedoch kam ein neuer Coach ins Team hinein. Deshalb wurden alle ihre bisherigen Arbeitsweisen infrage gestellt. Und dann fanden sie neue Wege, zusammenzuarbeiten. Und am Ende waren alle ein ganz klein bisschen besser unterwegs als vorher. Das wäre die Grundstruktur, ne? Und daran könnte ich den dann aufhängen. Also das wäre jetzt dann noch, da kann ich mir ja Worte unterfüttern, kann das eine oder andere noch schöner machen, noch enger ausschließen. Nur das wäre eine Consulting-Geschichte, die ich dann erzählen kann, um zu sagen, was ist eigentlich der Wert von einem Coach in einem Team, ne?
Miriam: Und richtig gut. Und ich konnte folgen. Und die Geschichte hat eine so einfache Struktur, dass selbst Menschen, die gar nichts mit deiner Arbeit zu tun haben, sie erstmal verstehen. Und das war für Pixar so wichtig. Sie brauchen nicht ein Kuddelmuddel-Konstrukt, wo am Ende niemand mehr weiß, wer war denn jetzt die Figur und wo ist es hin passiert?
Florian: Für mich ist das aus dem Leben gegriffen, weil ich häufiger mit Scrum Mastern oder Agile Coaches zusammenarbeite, die eine Herausforderung haben, ihren Wert gegenüber Stakeholdern, also Unternehmensmanagern oder der Geschäftsleitung zu verkaufen. Und dann ist diese Struktur eben eine Variante, dem Ganzen mehr Wert zu geben.
Miriam: Aus eigener Erfahrung und auch jetzt wieder mit Florian, das ist Magie. Schnapp dir diesen Schnipsel und sieh zu, dass du ab und zu mal da was einfach reinfüllst. Lass auch dein Gehirn einfach mal von der Leine mit dieser wunderbaren Pixar-Struktur und mach mal vielleicht so eine verrückte Geschichte damit.
Florian: Die Details, die wir jetzt ausfüllen dürften in der Geschichte, ist dann genauer zu werden. Was ist eben das, was sich verändert hat? Welche Herausforderungen gab es vielleicht? Was war das, was jeden Tag irgendwie mal gleich war? Das wären so die nächsten Schritte. Nur am Anfang darf das wirklich so eine ganz einfache Wurst sein.
Miriam: Und damit hast du wirklich tatsächlich schon die Urform der Heldenreise hier mit abgedeckt.
Florian: Wenn du jetzt Führungskraft in einem Team bist, dann ist die Aufgabe diese Woche, einfach mal eine Geschichte über dein Team zu erzählen. Und die spannende Frage ist ja dann eines Tages jedoch.
Miriam: Das stimmt. Ja. Aber wir wünschen dir ganz viel Freude dabei.
Florian: Dann hören wir uns nächste Woche wieder, wenn es heißt, Krönchen richten.
Miriam: Alles zu den Ausbildungen bei uns gibt's auf www.kontext-strategie.de und jede Woche eine neue Podcast-Folge.