Krönchen richten, weiter machen

Professionelles Storytelling - Schritt für Schritt

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In dieser Folge

Darum geht es

In dieser Folge bieten dir die Kommunikations- und NLP-Master-Trainer Miriam Groß-Deforth und Florian Groß eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie auch Anfänger ins professionelle Storytelling hineinfinden können. Oft scheitert das Storytelling, gerade bei Führungskräften, bereits an der Annahme, dass dafür besondere Fähigkeiten, monatelange Trainings und das Lesen komplizierter Bücher notwendig sind. Doch das ist ein Mythos! Jeder Mensch erzählt Geschichten. Es geht lediglich darum, diesen natürlichen Prozess absichtlich und skalierbar zu gestalten. Miriam und Florian zeigen dir, wie du überhaupt erst einmal ins absichtliche Erzählen kommst. Dabei gibt es nur wenige, einfache Regeln zu beachten, und schon kann es losgehen. In dieser Episode klären die beiden Kommunikationsprofis auch über Mythen und Gerüchte rund um das Thema Storytelling auf. Sie geben dir praktische Beispiele, damit du die Techniken noch schneller verstehst und umsetzen kannst. Storytelling ist magisch – und selbst Anfänger können die ersten Techniken spielend leicht anwenden. Schalte ein und entdecke, wie du Storytelling in deinem beruflichen Alltag als Führungskraft, Entrepreneur, Team-Lead oder im agilen Coaching einsetzen kannst. Lerne, wie du dein Team und deine Mitarbeiter durch effektive Kommunikation inspirierst und motivierst, und wie du mit gezieltem Storytelling die Organisationsstruktur, das Changemanagement und das Projektmanagement positiv beeinflussen kannst. Egal ob du Scrum, Kanban, Facilitation, Mediation oder Moderationstechniken implementieren möchtest, diese Folge ist eine große Hilfe für Dich, wenn Du im Storytelling noch unerfahren bist. Konkret geht es um die ersten Schritte: dich trauen (du erzählst ohnehin schon Geschichten), das entscheidende „Wozu" vor jeder Geschichte, die Auswahl passender Anekdoten für einen Meeting-Einstieg und das Aussortieren ungeeigneter. Du erfährst, warum ein entspannter Icebreaker vor den Geschäftszahlen mehr bringt als die perfekte Metapher. Miriam und Florian erklären außerdem, wie du die Reaktionen deines Publikums als „KPI" liest — Lächler pro Minute, ein Aufatmen im Raum — und dir nach und nach ein Archiv funktionierender Geschichten aufbaust, ganz so, wie Comedians wie Dave Chappelle und Steve Martin ihr Programm im Club schleifen. #kommunkation #storytelling #nlp #organisationsstruktur #team #teamlead #agile #scrum #kanban #newwork #changemanagement #führungskäfte #entrepreneurship #gründer #startup #mediation #facilitation #deeskalation #moderation #präsentation

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Kapitel dieser Folge
  1. Umziehen, Kaffeemaschine und die Angst vor dem Anfang
  2. Der Mythos vom besonderen Talent
  3. Schritt für Schritt: Wozu, Auswahl und Reaktionen
  4. KPI fürs Erzählen: Lächler pro Minute
  5. Wie Comedians ihr Programm schleifen

Du erzählst längst Geschichten — jeden Tag, meistens ohne es zu merken. Genau da setzt diese Folge an: Miriam und Florian nehmen dir die Vorstellung, du müsstest erst 300 Bücher lesen, einen Impro-Kurs belegen und zur Clown-Schule, bevor du im Meeting eine Anekdote erzählen darfst. Stattdessen bekommst du ein paar wenige, klare Schritte — vom ersten "trau dich" bis zum Sammeln der Reaktionen deines Publikums.

Umziehen, Kaffeemaschine und die Angst vor dem Anfang

Miriam: Krönchen richten, weitermachen. Der Storytelling-Podcast für Führungskräfte. Mit Miriam Groß-Deforth und Florian Groß. Powered by Kontext Strategie. Storytelling erste Schritte.

Miriam: So, jetzt gibt es eine 1, 2, 3, 4, 5 Anleitung, fertig und dann legen wir los. Nein, nein, nur wir haben in diesem Podcast wirklich probate erste Schritte für dich zusammengestellt, wenn du sagst, ich habe mich noch nie so intensiv mit Storytelling befasst, ich habe das bis jetzt immer intuitiv gelöst.

Miriam: Ich habe heute, als ich mit Florian zusammen die Vorbereitung gemacht habe, an unseren gerade noch nicht ganz vollzogenen Umzug gedacht. Wir ziehen gerade mit dem ganzen Büro, Mann und Maus und Team in neue Räume und haben jetzt so die groben Klötze irgendwie durch, und ich habe mich wirklich gegruselt vor diesem Umzug. Ich mag umziehen eh nicht, also ich mag es generell nicht. Ich finde, da, wo man zu Hause ist, da kann man auch bleiben. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Ich habe da echt überhaupt keinen Bock drauf.

Miriam: Und jetzt, wo wir in den neuen Räumen mal gesehen haben, wo die Sachen stehen und wie die Räume sich anfühlen, wenn da auf einmal Möbel sind und wenn das da drin nicht mehr halt wie in einer Kathedrale ist und wenn irgendwie so die ersten persönlichen Dinge da so reingeräumt werden. Für mich übrigens ganz wichtig immer die Kaffeemaschine, wenn die mal läuft. Dann ist umgezogen. Genau, dann ist umgezogen. Das heißt, das mache ich immer recht früh, damit ich so meinen Kick bekomme.

Florian: Das ist ein gutes Muster, so Zwischenziele zu haben, die dann zeigen, dass du auf dem richtigen Weg bist.

Miriam: Ja, genau. Also ich mache es mir ein bisschen leichter. Dadurch habe ich so den Eindruck und ich habe gemerkt, dass mir das was nutzt. Da ist jeder anders. Ich weiß, dass es für unsere Chris andere Rituale gibt, für sie ist immer irgendwie so wichtig, dass ihr Monitor irgendwo steht und angeht. Also dass das Licht vom Monitor leuchtet. Weißt du, da ist noch kein Internet, und das Licht vom Monitor blinkt, dann ist gut. So hat ja irgendwie jeder so sein Ritual vielleicht. Nur es ist immer so ein Gefühl, dieses bevor es losgeht, sich vorher schon Gedanken zu machen, wie übel das alles werden könnte oder welche Probleme da auf einen zukommen.

Florian: Boah, wenn ich das machen wollen würde, dann könnte ich mir einen Umzug natürlich so vorstellen, dass wir ewig umziehen. Ich habe gerade überlegt, als Miriam die Geschichte erzählt hat, wie oft ich schon umgezogen bin. Und das auf jeden Fall zweistellig oft. Eher 15 Mal als nur 10 Mal. Und ich kenne auch dieses Zusammenpacken und dann bis die letzte Kiste kommt. Boah. Es wirkt schon fast so, als wäre alles gepackt und dann nochmal Schubladen auf und dann so, boah, da sind ja noch zwei Kisten in der Besteckschublade und dann haben wir noch da hinten irgendwie eine Ecke verpasst. Und wenn ich mir das vorstellen würde, dann würde ich glaube ich nie wieder umziehen, die ganze Zeit. Als wenn das immer nur in meiner Vorstellung wäre. So, ich sehe mich Kiste um Kiste packen und es hört nicht auf.

Der Mythos vom besonderen Talent

Miriam: Manche Leute machen das auch beim Storytelling oder generell beim Erlernen von Kommunikationstechniken so, dass sie sich erstmal vorstellen, wie das alles nicht klappt. Und das wäre ja so der Horror, so beim Storytelling, die Zuhörer pennen alle ein, gucken auf ihre Uhren.

Florian: Ja oder halt, ich darf jetzt erstmal 300 Bücher lesen, ich fange mal an bei Grimm, also bevor ich nicht alle Grimms Märchen habe, um auch deutsche Kultur und Geschichten zu erzählen, um den deutschen Sprachraum verstanden zu haben, oder ein Germanistik-Studium draufsetzen.

Miriam: Richtig.

Florian: Dann soll es ja allerdings auch ein bisschen Impro sein, deswegen danach erstmal einen Impro-Kurs machen. Oh, lustig soll es auch sein. Dann an die Clown-Schule, um lustiges Geschichtenerzählen zu lernen.

Miriam: Da kann man Florian jetzt drauf loslassen. Das wird nie was. Nur, vielleicht kennst du ja solche Hemmschweine, vielleicht auch nicht, vielleicht bist du schon voll der probate Storyteller, nur dann kannst du das bei anderen Menschen vielleicht mal beobachten, die du auch unterstützen möchtest in dem Bereich. Und deswegen auch unser erster Tipp für diese Schrittigkeit beim Storytelling: Also das erste, was du tust ist, trau dich in Anführungszeichen, weil du tust es sowieso. Also manche Menschen tun ja so, als müssten sie sich da trauen, oder als wäre das jetzt…

Florian: Als wäre das was Neues. Also als würden sie sonst überhaupt keine Geschichten erzählen. Und jetzt, weil es jetzt absichtlich wird, ist es plötzlich was ganz anderes als das, was sie die ganze Zeit schon tun.

Miriam: Genau. Und dann entstehen so komische Hemmungen bei diesem: Jetzt soll ich hier am Anfang von dem Meeting der Eröffnung sprechen. Oder wie soll ich denn die Geschäftszahlen, die ich vorstellen will, in eine Geschichte packen? Das geht ja gar nicht. Ich sag unangemessen. Also es gibt die seltsamsten Gehirnvernebelungen da. Und da kannst du dich wirklich auch mal selber checken. Wenn es in einem privaten Umfeld mit dem Geschichtenerzählen einfach so aus dir herausfließt, also du triffst deine Partnerin, deinen Partner, deine Kinder, deine Eltern, irgendwelche Freunde und fängst an, Anekdoten zu erzählen. Was hast du heute erlebt? Was war vorgestern? Was wird morgen sein? Und das kannst du einfach so, dann kannst du, sorry, Geschichten erzählen. Und nichts anderes als das ist es am Ende auch, wenn du dich auf irgendwas vorbereitest und weißt, das Erste, was ich heute machen werde, ist eine kleine Anekdote erzählen, die irgendwie dazu passt, was heute sein soll.

Florian: Falls du jetzt übrigens dir dachtest, boah, also ich erzähle nicht mal Anekdoten, wenn ich zu Hause bin und sonst auch niemandem was. Und das Einzige, was du machst, ist zum Beispiel in Modellen sprechen. Also angenommen, du wärst Physik-Doktorand oder du wärst Physik-Professor und würdest sagen, nein, ich erzähle keine Geschichten. Die Variante, von Licht als Welle zu sprechen, das ist ja schon eine Metapher. Da ist eine Metapher drin, das ist eine Geschichte.

Miriam: Übrigens auch schon die Geschichte: Ich bin Physikdoktorand und erzähle keine Geschichten. Das ist auch eine Geschichte. Das ist eine der brillantesten Geschichten, die ich je gehört habe. Da würde ich ja als Zuhörerin schon aufmerksam werden.

Florian: Sekunde.

Miriam: Echt jetzt? Wie geil, wie kann denn ein Mensch überhaupt keine Geschichten erzählen? Und da ist in der Geschichte schon das Paradox.

Florian: Alle Menschen erzählen Geschichten. Richtig. Mal größer ausformulierte in Anekdoten oder vielleicht sogar in Märchenform, mal kleinere eben in naturwissenschaftlichen Modellen, in Metaphern, die sie so über den Tag hinweg verwenden. Und auch du tust das.

Schritt für Schritt: Wozu, Auswahl und Reaktionen

Miriam: So, und jetzt geht es ja nur noch darum, dass du diese Geschichten gezielt auswählst, egal ob die selbst erlebt sind oder ob du die in einer Zeitung gelesen hast oder irgendwo im Internet oder ob du ein Buch gelesen hast oder einen Film geschaut hast. So, jetzt wäre die passende Auswahl super. Das heißt Schritt 2, und das ist wirklich eine so goldene Regel, die so sehr hilft beim Auswählen von Storytelling-Geschichten. Das wäre: Frag dich, wozu möchtest du die Geschichte erzählen? Was möchtest du, was nach der Geschichte anders ist als vorher? Sind deine Zuhörer dann entspannter? Haben die schon ein bisschen was vom Thema mitbekommen? Haben die einmal gelächelt oder geschmunzelt? Weil das kann schon helfen als Icebreaker. Manchmal machen wir uns ja voll die Gedanken, wie kann ich jetzt die Geschäftszahlen in eine passende Metapher schieben? Vielleicht für den Anfang ein bisschen too much. Vielleicht ist es einfach ein: Wie schön wäre es, wenn wir alle entspannt und schmunzelnd in diese Geschäftszahlenthematik einsteigen. Weil irgendwann dürfen wir die Zahlen vorlesen oder herzeigen. So oder so.

Florian: Und das ist eine kleine Zielstellung, die ich auch wirklich unterstütze, wo ich sage, boah, das ist doch eine gute Idee. Es haben alle mal gelacht, es haben sich alle mal kurz gemeldet. Irgendetwas ganz Kleines, so eine kleine Hürde am Anfang mal zu überspringen, um dir selber den Weg auch leichter zu machen, ganz bewusst etwas zu erzählen.

Miriam: So, und wenn jetzt — und das nehmen wir jetzt nur mal als Beispiel — wenn jetzt dein Ziel wäre, dass ihr einen entspannten Einstieg ins Meeting habt, weil zum Beispiel die Stimmung in der Firma gerade alles andere ist als entspannt. Ja, und Entspannung aus unserer Sicht können die Menschen sowieso generell ganz gut gebrauchen, die meisten zumindest. Wir haben wenig Zen im Moment da draußen. Können wir uns vielleicht darauf einigen?

Florian: Das ist halt nicht gemacht mit: Nimm mal einen tiefen Atemzug. Oder vielleicht doch.

Miriam: Oder vielleicht doch, genau. Vielleicht ist es einfach, sich einen vorne hinstellen und mal tief seufzen. Wenn wir uns jetzt mal das als Beispiel nehmen, also du hättest dir überlegt, mein Wozu ist, ich erzähle diese kleine Story am Anfang, damit alle sich ein bisschen entspannter fühlen. Und auch da geht es wieder drum. Du wirst es nicht schaffen, dass alle in eine tiefe, wohlige Trance verfallen wahrscheinlich, wenn gerade irgendwie alle aufgewühlt von irgendwo sind. Ist auch gar nicht das Ziel. Sondern das Ziel ist, dass sich vielleicht alle ein bisschen entspannter in ihrem Stuhl hinsetzen oder ihren Blick ein bisschen entspannter auf das richten, was jetzt gleich kommt. Und dann könntest du dich als erstes fragen — das hilft mir nämlich total — welche der Geschichten, die mir so gerade einfallen, sind gar nicht geeignet.

Florian: So fliegt es an?

Miriam: Ja. Und dann ist es zum Beispiel: wie meine beiden Söhne heute Morgen völlig rasend das Haus verlassen haben, weil sie wieder fast den Zug verpasst hätten. Das ist nicht geeignet. Da ist zu viel, verstehst du?

Florian: Oder dass sie das Müsli auf dem Tisch stehen haben lassen.

Miriam: Also ich darf mir überlegen, welche kleine Anekdote — oder vielleicht auch der Stau auf der A57 ist nicht so gut geeignet für: alle entspannen sich mit mir eine Runde. Was aus den letzten Tagen, was aus den letzten Wochen…

Florian: Wenn wir jetzt so bei so einem Zahlen-Meeting sind, dass die Zahlen letzten Monat ganz furchtbar waren, wäre auch nicht die richtige Geschichte.

Miriam: Nicht so gut als Einleitung, nur das machen manche. Es wird dir auffallen nach dieser Podcast-Folge, wenn du darauf achtest in den nächsten Wochentagen, wie leiten diejenigen, die es tun sollen, solche Meetings ein. Vielleicht fallen dir ein paar richtig positive Beispiele auf.

Florian: Du wirst eine Menge finden von… Dann gib direkt gern Feedback, da freuen die sich drüber.

Miriam: Wirklich?

Florian: Ja, das ist also direkt im 1 zu 1 danach Feedback, dass der Einstieg ganz toll war. Wenn eine tolle Geschichte erzählt wurde am Anfang oder es in die Entspannung ging, super gut.

Miriam: Ja, das ist super.

Florian: Und wenn nicht, dann fällt es dir vielleicht auf, und wir machen ja noch die Episode zu: wie kannst du dich dagegen wehren?

Miriam: Ja, das werden wir auch noch machen, ja. Geschichten wehren.

Florian: Geschichtenabwehr.

Miriam: Geschichtenabwehr-Folge. Also, wenn du dann schon mal für dich rausgefuddelt hast, die und die und die Anekdote, egal ob aus dem Firmenalltag oder privat, ist nicht so gut geeignet, dann kommt natürlich der nächste Schritt: Welche Anekdote wäre denn geeignet? Gab es in den letzten Wochen oder Monaten einen sehr schönen Vorfall in der Firma, an den du dich erinnerst, den du einfach mal aufgreifen könntest? Lobend oder so ein bisschen verschmitzt und fröhlich, was da so passiert ist? Dass irgendjemand für den anderen was Tolles getan hat oder dass dir ein besonderer Teamgeist irgendwo aufgefallen ist?

Florian: Vielleicht ist es ja auch einfach nur, dass wenn ihr eure Zahlen immer bis zum 15. des Monats abliefert, dass die diesen Monat schon am 13. fertig waren. Also dass alles schon on the road ist, alles ist on track. Es hat wunderbar funktioniert, obwohl jetzt gerade ja Urlaubszeit ist. Diesen Monat sind wir gut dran.

Miriam: Das war schön, auch den Urlaub zu erwähnen. Einfach so kurz im Geiste den einen an seinen vergangenen Urlaub erinnernd, den anderen in seinen zukünftigen einen Moment lang ziehend. Und dann vielleicht noch so einen kleinen Satz hintendran basteln wie: Meeresrauschen habe ich jetzt nicht mitgebracht. Ja, passt schon.

KPI fürs Erzählen: Lächler pro Minute

Miriam: So, und der nächste Schritt, der dann kommt, um im Storytelling direkt auch schon so eine professionelle Zäsur zu setzen, ist, dass du darauf achtest, was passiert, wenn du deine Anekdote erzählst. Denn so kannst du besser und besser werden. Und zwar nicht bei dir, sondern bei denen, die dir zusehen und dir lauschen.

Florian: Miriam und ich, wir sind ja beides NLP-Trainer und da gibt es die Maxime, dass wir sagen, Kommunikation ist nicht das, was wir denken, was wir irgendjemand anders übersenden, sondern Kommunikation ist das, was das Gegenüber dann tut. Also welches Feedback entsteht aus dem, was wir gemacht haben, beim Gegenüber. Das ist das, worauf es ankommt. Was ist das, was dein Gegenüber dann tut oder sich verändert oder dir als Antwort, als Frage zurückgibt.

Miriam: Weil wenn mein Ziel ja gewesen wäre, dass alle kurz lächeln zum Beispiel oder dass die Gesichter sich entspannen, worauf würde ich dann achten, während ich meine kleine Geschichte erzähle? Zumindest immer mal zwischendurch. Auf die Gesichter. Also wenn ich mir in den Gesichtern eine Veränderung wünschen würde, ist klar, dass mein Fokus als der Erzählende oder die Erzählerin eben dahin geht. Und das klingt so banal, nur ganz viele Menschen tun das eben erstmal nicht, sondern neigen dazu, sich ihre Geschichten vorrangig selbst zu erzählen. Und du kennst die ja schon, also ist es gar nicht so spannend für dich. Sondern spannender wäre ja, was kommt gut an, was kommt vielleicht auch nicht so gut an. Und das kannst du eben daran erkennen, dass du dir ein Ziel setzt. Das ist genau wie im Geschäft auch. Und dann trackst… KPI.

Florian: KPI sind Lächler pro Minute oder entspannte Einatmer pro Minute. Ja klar.

Miriam: Bin, oder? Ja. Und dann sind wir auch fast schon am Ende dieser Podcast-Folge, weil viel mehr gibt es da gar nicht zu tun tatsächlich. Ich will auch da jetzt nicht so ein riesen Theorie-Konstrukt drum bauen, da kümmern wir uns vielleicht in der nächsten Folge mal drum. Dass du so ganz professionell erfährst, wie es geht. Nur dieses Learning by Doing, und dann komme ich wieder zurück auf den ersten Tipp: tu es bitte. Also Geschichten erzählen, da gehört dazu, dass du das machst. Und wenn du es machst und vor allen Dingen auch mit Absicht machst, also mit einem Wozu drin, dann kannst du nur immer besser und immer besser werden, weil du auch immer mehr merkst, ah, diese Geschichten kommen an. Du kannst dir so ein richtiges kleines „Das sind funktionierende Geschichten für Entspannung"-Archiv anlegen. Manche unserer Klienten tun das irgendwann. Die schreiben sich dann die Stories auf, die am besten funktioniert haben für Entspannung oder am besten funktioniert haben für ein kleines Schmunzeln. Und das ist das, was einen guten Storyteller ausmacht aus meiner Sicht. Das heißt, er weiß irgendwann besser und besser, damit passiert das relativ schnell, was ich erreichen möchte.

Wie Comedians ihr Programm schleifen

Florian: Ich habe die Geschichte schon mal gehört von Dave Chappelle und ich glaube auch von Steve Martin, zwei großen Comedians aus den USA, dass die tatsächlich, wenn sie anfangen, ihr neues Programm aufzubauen, dann in Clubs gehen. Also sie schreiben ein erstes Mal ihr Programm auf und dann gehen die in so ganz kleine Clubs rein und bekommen dann mit, wo sind denn die Lacher in dem aktuellen Programm. Und dann schreiben sie es tagsüber, schreiben sie die nächste Version davon, lassen alle Lacher drin und alle Stellen, die nicht gut funktioniert haben, die tauschen sie aus durch neues Material, dann gehen sie abends wieder in den Club, probieren es wieder aus, lassen die neuen Lacher wieder drin und schmeißen die Sachen, die nicht funktioniert haben, raus, und irgendwann… Wenn das gesamte Programm sich für sie gut geschliffen anfühlt, dann hat das vielleicht nicht mehr viel mit dem zu tun, womit sie ursprünglich gestartet haben, nur dann wissen sie eben an allen Stellen, die ihnen wichtig sind, da kommt der Lacher, und das ist auch konsistent durchgezogen. Und so üben die eben wirklich am lebenden Beispiel. Also es ist ja, du nimmst dir vor, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, dann erreichst du dieses Ziel und weißt beim nächsten Mal, ah okay, das ist was, was gut funktioniert. Ab ins Archiv damit, alles andere austauschen, beim nächsten Mal was Neues ausprobieren und wenn das gut funktioniert, auch ins Archiv damit, und dann kannst du da einfach ganz einfach drauf zugreifen. So machen das die Comedians. Ich hätte gedacht, ich dachte immer, dass die, was ist das?

Miriam: Die sind sogar komisch.

Florian: Die gehen auf die Bühne und dann erzählen die das Impro. Bei uns in Deutschland wäre es ja, keine Ahnung, Michael Mittermeier oder da gibt es ja noch viele andere. Und ganz viele Comedians, dass das einfach — also entweder sind die Natur komisch oder halt, dann ist man halt nicht zum Comedian geboren. Und dass dahinter so ein Prozess steckt von: du machst was mit einer bestimmten Absicht und behältst dann die Sachen, die gut funktionieren, und alles andere tauscht aus — hätte ich nicht gedacht.

Miriam: Und dieser Prozess geht auch ohne diesen großen Aufwand, wenn es nur um kurze Anekdoten geht. Also solange wir nicht anfangen, in anderthalb Stunden ein Bühnenprogramm aufzusetzen, wo ich diese Arbeit aufdrucke, sondern dass wir eben bemerken, ah ja, da gab es einen kleinen Lacher, da gab es einen kleinen Schmunzler, da gab es ein Aufatmen im Publikum, in Anführungszeichen. Dann ist dieses Aufatmen etwas, was ja auch unser System mitbekommt. Und wir Menschen lernen durch positive Bestätigung. Das heißt, du kannst dich einfach auf dich verlassen, wenn dein Publikum nämlich entsprechend auch reagiert und du es mitbekommst, dann geh davon aus, dass es beim nächsten Mal intuitiv besser und besser und besser wird. Also wir brauchen gar nicht diesen Aufwand zu betreiben. Im Kern allerdings ist es genau so, wie Florian eben gesagt hat. Und es ist schön, also diese Reaktionen zu sammeln — werde zum Reaktionssammler.

Florian: In diesem Sinne, das ist auch die Aufgabe für diese Woche, mal eine Geschichte zu erzählen und währenddessen die Reaktion aufzusammeln und einfach nur mitzubekommen, ah, das wäre eine Geschichte für… Und vielleicht möchtest du die Geschichte dann sogar noch bei jemand anders ausprobieren und gucken, ist das die gleiche Reaktion? Oder vielleicht mal zuhören, ist das die gleiche Reaktion? Oder ein…

Miriam: Und so ist es eben auch, jetzt denke ich wieder daran, ich merke das regelrecht, wenn ich meinen ersten Kaffee zapfe in den neuen Räumen, dass es bei mir so eine Reaktion gibt, also dass es wirklich ein Aufatmen gibt, dass ich plötzlich die Räume in einem anderen Licht sehe, im Kaffeelicht. Nein, und wir haben das jetzt schon so schön eingerichtet in vielen Teilen. Also es gibt noch Ecken, ihr Lieben, es gibt noch Ecken. Nur es ist wirklich schon so, dass wir binnen eines Wochenendes im Grunde hinbekommen haben, dass jeder seinen Platz hat, dass jeder seinen Computer aufstellen kann, dass jeder arbeiten und dass jeder Kaffee trinken kann. Ich bin sehr stolz auf uns und unser Team.

Florian: Weil das ist die Lektion, auch nach 15 Mal umziehen: irgendwann ist es vorbei. Also irgendwann sind die Räume leer. Das ist tatsächlich so.

Miriam: Das ist gut.

Florian: Irgendwann sind alle Kisten drüber, alle Möbel auch. Und dann können wir wieder einräumen.

Miriam: Herrlich. Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hören uns nächste Woche wieder, wenn du magst. Bis dahin, viel Spaß beim Reaktionen sammeln.

Florian: Und Krönchen richten, weitermachen. Richtig so.

Miriam: Alles zu den Ausbildungen bei uns gibt's auf www.kontext-strategie.de und jede Woche eine neue Podcast-Folge.

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