Ein Hörer will es wissen: Wie stehen Florian und Miriam eigentlich zu Spiritualität und "WuWu"? Zwischen Parkplatzengel, morphogenetischem Feld und Placeboforschung tasten sich die beiden an eine Frage heran, die viele umtreibt — gerade wenn NLP gerne mal in einen Topf mit Esoterik geworfen wird. Es wird philosophisch, entspannt und stellenweise ziemlich lustig. Und am Ende bekommst du eine überraschend klare Haltung, die trotzdem viel Raum lässt.
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.
Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Miriam: Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die sind einfach nicht erklärbar.
Akasha-Chronik und Parkplatzengel
Florian: Heute schon Akasha-Chronik gelesen?
Miriam: Was?
Florian: Oder aus dem morphogenetischen Feld Wasser runtergeladen?
Miriam: Kannst du das?
Florian: Matrix lässt grüßen?
Miriam: Kannst du das?
Florian: Ich? Nein.
Miriam: Ich will damit nichts zu tun haben. So. Da haben wir es. Das ist mir viel zu gruselig.
Florian: Mit einem toten Haustier kommuniziert? Oder den Opa per Ouija-Board kontaktiert.
Miriam: Das hab ich ja wirklich noch nie gehört.
Florian: Mit so einem Ouija-Board, wo die einzelnen Leute nehmen so eine Linse und die wird auf so ein Board, wo die ganzen Buchstaben sind, hin und her geschoben und dann bildet sich ein Wort. Oh nein, ich weiß, was wir bald bei Amazon bestellen.
Miriam: Oh nein. Nein. Nein. Nein. Weißt du, mein Kater hat schon zu Lebzeiten nicht mit mir gesprochen. Warum sollte er es jetzt tun?
Florian: Erdnussallergie ausgependelt.
Miriam: Auch nicht.
Florian: Auch nicht.
Miriam: Was du alles weißt. Ich bin beeindruckt. Ich weiß, was es alles gibt. Was es alles gibt. Wir könnten so einen Katalog machen.
Florian: Ja. Die Schwingungsfrequenz durch Affirmationen gesteigert.
Miriam: So was ist möglich.
Florian: Sagen manche Leute. Es gibt da draußen jemand, der sagt...
Miriam: Was machen wir denn hier gerade? Das sieht uns überhaupt nicht ähnlich.
Florian: Das stimmt. Du hast das Thema angeschleppt.
Miriam: Nein, nein, nein. Ich erfülle gerade Wünsche.
Florian: Du erfüllst Wünsche?
Miriam: Ja. Wünsche von Podcast-Hörern. Haben wir schon lange nicht mehr gehabt, ich weiß. Und der Wunsch wurde ganz klar, so Miriam, wie steht ihr denn zu Spiritualität und WuWu?
Florian: Und WuWu.
Miriam: Und ich weiß überhaupt nicht.
Florian: Und was sagst du dann, wenn dich jemand sowas fragt? Wie?
Miriam: Wie? Miriam, wie stehst du denn zu Spiritualität und WuWu? Ich frage, was WuWu genau sein soll. Unter Spiritualität kann ich mir vage was vorstellen. Und Spiritualität ist für mich in meinem Kopf sehr breit gefächert. Jemand, der betet, ist für mich genauso ein Spiritueller wie jemand, der sein Parkplatzengel vorausschickt, um dann Parkplätze freizumachen. Wieso nicht? Wieso nicht?
Florian: Weiß ich nicht, wenn es funktioniert.
Miriam: Funktioniert es bei dir immer?
Florian: Weiß ich nicht.
Miriam: Also bei mir funktioniert es immer, wenn ich es zu Hause mache.
Florian: Wie, wenn du es zu Hause machst?
Miriam: Ja, wenn ich zu Hause dran denke, den Parkplatzengel vorausschicken, dass ich einen Parkplatz bekomme, funktioniert es. Wenn es mir auf halber Strecke einfällt, funktioniert es nicht.
Florian: Das ist der Weg zu kurz. Das ist der Weg zu kurz. Ich weiß es nicht. Funktioniert es bei unterschiedlichen Längen von Wegstrecke, wenn du es zu Hause machst?
Miriam: Ich habe den Test bei meinem früheren Arbeitgeber QVC gemacht, wenn ich zu Hause losgefahren bin und habe mir vorgestellt, ich bekomme den Idealparkplatz in der Idealetage des Firmenparkhauses, dann habe ich den bekommen. Wenn ich das vergessen habe und es ist mir eingefallen, wenn ich aufs Firmengelände gefahren bin, habe ich ihn nicht bekommen. Ist schon witzig, ne? Hatte ich eine ziemliche 100%-Quote in vielen Jahren.
Florian: Und aus Skeptikersicht ist halt eine selektive Auswahl. Wer weiß, ob du es dann einfach merkst, wenn du aufs Firmengelände fährst, dann direkt den Parkplatz holst und dann eben diese Enttäuschung viel größer ist als die Freude oder wie auch immer. Und du dann deswegen dich eher daran erinnerst.
Miriam: Ja, kann sein, ne?
Florian: Oder die Welt dir so zurechtdenkst, weil Miriam den limitierenden Glaubenssatz hat, wenn sie schon unterwegs ist, ist der Parkplatz eigentlich schnell genug. So. Und jetzt? Was mache ich jetzt damit?
Woran glauben — und warum das nützlich sein kann
Miriam: Es ist ein schräges Thema, weil an was Menschen glauben, war für mich noch nie diskutabel. So, das, was du da draußen glaubst, ist das, was du glaubst. Und will ich da dran was rühren? Nö, wozu?
Florian: Weil manche Glaubensrichtungen vielleicht sinnvoller sind als andere.
Miriam: So, wie meinst du das?
Florian: Naja, wenn ich glaube, dass es ein wunderschönes Leben nach dem Tod gibt, ist es vielleicht einfacher, hier in diesem Leben bestimmte Dinge zu akzeptieren.
Miriam: Hm.
Florian: Die sowieso da wären. Wie im Mittelalter.
Miriam: Da trage ich das hier halt, bis es endlich vorbei ist.
Florian: Wo die ja auch sich begraben haben lassen mit ihren Helferlein und Dienerlein und all dem Schnickelschnack. Um dann im Tod auch mit dem schönen Schiff zu fahren. Die haben ja sogar ihre Yacht mitgenommen. Ja, großes Reisegepäck, möchte ich sagen. Allerdings.
Miriam: Es waren mehr so die Überseekoffer. Ja. Oh, nee.
Florian: Ich habe für den Tod gepackt. Das ist nicht lustig. Da hinten sind die ganzen Container.
Miriam: Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein. Das wäre es ja, da würde ja derjenige, der mich gefragt hat, sagen, das ist ja nicht spirituell. So, ne? Das ist ja Verkackeierung. Wenn da jemand dran glaubt ... Dann ist es ja so wie, das ist so was Filigranes. Also das ist ja ein Glaube von einem bestimmten Menschen oder in einer bestimmten Zeit oder von eben Pharaonen in Ägypten. Und ist das nicht so ein bisschen wie dieses, wenn zwei unterschiedliche Anhänger von Weltreligionen miteinander debattieren, die kommen ja nicht weit, der Erfahrung nach. Also der eine glaubt halt das und der andere glaubt das.
Florian: Oder sie einigen sich drauf, dass die Grundlage der Spiritualität doch sehr ähnlich ist. Also dass dieses Tu deinem anderen das, was du selbst getan haben möchtest, im weitesten Sinne, dass das eben unter vielen Religionen drunter steckt. Nächstenliebe. Genau, Nächstenliebe. Dass es so ein paar Regeln gibt, die zu brechen irgendwie schwierig ist.
Miriam: Und die Sinn machen.
Florian: Die Sinn ergeben, genau.
Miriam: Fühlen die sich dann auch gut an? Ist das wichtig? So, ich habe nicht das Gefühl, dass mich jemand, also ich bin ja ganz normal hier in Deutschland geboren, getauft und es hat mich in meinem ganzen Leben auch, also ich bin evangelisch getauft. Dann kommst du ja nicht mehr raus. Nee, da komme ich raus. Bei katholisch komme ich nicht mehr. Doch, doch.
Florian: Du kannst aus der Kirche austreten. Dann darf ich nicht mal mehr die Kirche betreten. Und ich glaube in den Augen Christus bist du es dann. Und dünnes Eis.
Miriam: Dünnes Eis, okay. Nur es hat mich nie jemand gefragt, ob sich der Glaube für mich gut anfühlt. Also es wurde so irgendwie stillschweigend vorausgesetzt. Hier sind die zehn Gebote, hier sind die Glaubensbekenntnisse, hier ist der Taufbefehl, hier lern auswendig, fertig. Ja.
Florian: Und es war voll gut. Ja. Ich habe das früher immer sehr genossen, wenn wir mal in die katholische Kirche gegangen sind. Das war so aufgeräumt und strukturiert. Vielleicht lag das auch an den Pfarrern, die wir hatten.
Miriam: Kann sein. So, was ist denn jetzt mit der Spiritualität? Ist das für uns wichtig als NLP-Trainer? Das ist ein NLP-Podcast. Ist es wichtig, ob du jetzt christlich bist, buddhistisch glaubst?
Florian: In meiner Welt nicht.
Miriam: Ist nicht, ne?
Florian: Nee.
Miriam: Ich finde das ganz spannend, was Rudolf Steiner in der Anthroposophie sagt, weil in seinen Schulen, also es sind ja die Waldorfschulen allgemein hin, gibt es sozusagen kein Auskommen aus einem Religionsunterricht. Also die Kinder sind verpflichtet, in einen Religionsunterricht zu gehen. Sie können den Religionsunterricht ihrer Konfession nachwählen, also evangelisch, katholisch.
Florian: Atlantisch. Quatsch.
Miriam: Dann gibt es einen freien Religionsunterricht, da werden alle Weltreligionen durchgearbeitet, sodass die Kinder eine Wahl hätten, eine informierte Wahl hätten, an was sie glauben möchten. Weil er sagt, es ist ihm nicht wichtig, an was die genau glauben.
Florian: Solange sie an irgendwas glauben.
Miriam: Genau, weil ein Glaube sie bestärkt in dem, was sie machen. Also an etwas glauben zu können, bedeutet Bestärkung des Inneren.
Florian: Und sind da nicht so ein paar Glaubenssätze dabei, wo vielleicht jemand sagen würde, uh.
Miriam: In der Waldorfschule nicht. Also so weit geht es nicht. Ja, es gibt kein Schulfach, das Anthroposophie heißt. Das können die später machen oder auch nicht. Die meisten machen es, glaube ich, gar nicht.
Florian: Tja, das gefällt mir.
Miriam: Also da bin ich so dabei. Das erinnert mich an dieses, wenn Menschen an was glauben, dann passiert es oft auch oder sie haben zumindest einen größeren Zug, irgendwas zu tun. Das motiviert sie.
Florian: Und so ein paar Grundannahmen übers Leben sind schon drunter unter NLP. So, dass zum Beispiel mehr Optionen zu haben im Leben, eine größere Freiheit zu haben, dass das eine gute Idee ist. Dass wir Flexibilität eben dann nutzen können, wenn wir viel Auswahl haben in den Optionen oder dass das ein Zeichen für Flexibilität ist.
Miriam: Das erinnert mich echt eher an so Leitsätze, die Firmen sich manchmal ausdenken. So, fast so philosophische Leitsätze, so Visionen und so...
Florian: Weiß ich nicht.
Miriam: Wir sind respektvoll miteinander und wir verfolgen unsere Vision und wir ziehen alle an einem Strang oder da gibt es doch manchmal so.
Florian: Die Landkarte ist nicht das Gebiet, auch eine dieser Grundannahmen, Vorannahmen aus dem NLP. Das deutet halt schon auf ein konstruktivistisches Weltbild hin oder von der Philosophie her.
Miriam: Und konstruieren wir Menschen nicht sowieso irgendeine Art von Weltbild?
Florian: Also egal was... Und ich glaube, dass manche Menschen an andere Sachen glauben.
Miriam: Ja, und dann ist es glaubensgesteuert.
Florian: Die Frage ist, kann dann so jemand noch einfach NLP-Muster verwenden?
Miriam: Boah, voll der philosophische Podcast.
Florian: Das stimmt. Das hast du da angeschleppt. Uiuiui. Hab ich ja vorhin schon gesagt.
Fokus, Placebo und der Beweiser im Kopf
Miriam: Also wenn jetzt Menschen an was... Wir haben doch dieses, darauf wo das Gehirn sich drauf fokussiert, wird es auch irgendwie Beweise finden, oder?
Florian: Joa.
Miriam: Da gibt es ja in jedem Leben Beispiele. Also wenn ich morgens aufstehe und glaube, dass es ein Tag voller Geschenke wird, dann kaunte ich vielleicht Sachen ein, die andere nicht als Geschenk empfinden würden und mein Gehirn macht sowas draus. Also, keine Ahnung, Florian hat sich mit einem Kompliment verabschiedet, als er morgens das Haus verlassen hat und ich denke, oh, Geschenk Nummer eins. Ja. Oder der Kaffee ist schon gekocht, Geschenk Nummer zwei und mein Gehirn arbeitet für mich, also es würde meinem Glauben, dass es ein Tag voller Geschenke wird, irgendwie nachkommen. Mhm. Genauso wie wenn jemand beschließt, es gibt nur schönes Wetter. Wir haben einen Freund, bei dem ist immer schönes Wetter, jeden Tag. Es hat heute hier, wo wir sind, wir sind gerade in Arnsberg, hat es heute echt teils in Strömen geregnet. Und ich weiß, was der dann sagen würde.
Florian: Ist gutes Wetter.
Miriam: So ein schönes Herbstwetter. So ein wunderschönes, schau dir mal die Stimmungen an, die da entstehen. Also ist es dann Auslegungssache, wenn jemand was glaubt? Es gibt ja auch diese Placeboeffekte, die ziemlich massiv zu sein scheinen, wo es jetzt auch wieder neuere Forschungen gibt, die das Ganze wieder mal bestätigen. Von der Universität in Hamburg, von der Universität in Essen liegen jetzt neueste Studien vor, die wahnsinnig spannend sind. Und wenn ein menschlicher Organismus sogar imstande ist, ein Krankheitsbild abzuschwächen oder gar zu heilen, weil irgendwelche Zuckerkügelchen verabreicht werden, wo wirklich gar nichts drin ist, dann frage ich mich, zu was Glaube alles imstande ist, wenn ich dran glaube. Und was Menschen sich antun, wenn sie an ganz fürchterlich Sachen glauben oder sich darauf fokussieren, für sich und für andere. So die Frage stelle ich mir schon manchmal. Und ich habe gemerkt und ich habe auch gelernt in den letzten Jahren, durch mein Üben im Bereich Kommunikation und das eher Hinwenden zu gewaltfrei, positiv, dass ich da auch an meinen Glaubenssystemen was verschoben habe, dass ich da was verschoben habe. Und dass ich seitdem auch mehr Beweise dafür finde, dass es so ist.
Florian: Ist das eine Schwingung? Also wenn ich positiver durchs Leben gehe und eben in ein Restaurant reingehe und die Bedienung freundlich begrüße und wir vielleicht den einen oder anderen Scherz zusammen machen und ich dann einen schöneren Tisch bekomme? Oder dann noch einen schönen Tisch zusätzlich bekomme, ist das dann, weil unsere Schwingungen gleich waren oder ist es einfach die Freundlichkeit und die Höflichkeit oder hätte ich den sowieso bekommen?
Miriam: Also der alte Hesse in mir wird sagen, so wie du den Wald reinrufst, so schallt er jetzt auch wieder raus, gell? Und ja... Klar, und es wäre auch schon wieder geglaubt, dass ich immer genau das Echo bekomme, was ich erzeuge durch die Art und Weise, wie ich in einer Situation bin oder mich verhalte. Und ja, wieso nicht? So, da sind wir ja bei Spiritualität. Wenn jetzt einer glauben möchte, dass auf so einem, wie heißt das Board mit den Buchstaben?
Florian: Ouija, O-U-I-J-A.
Miriam: Ouija-Board, wenn da was Sinnvolles rauskommt.
Florian: Du hast doch dazu auch schon mal einen Blogpost geschrieben zu dem Thema. Das war diese Geschichte mit, dass Forscher 50-Euro-Scheine verteilt haben vor Menschen und je nachdem, ob diese Menschen geglaubt haben, dass sie Glücksmenschen sind oder nicht, haben sie die 50-Euro-Scheine gesehen oder sind einfach drüber gestiegen.
Miriam: Ja. Da gibt es viele Studien zu, worauf das Gehirn sich fokussiert. So wird auch gelebt. Ganz viele.
Florian: Robert Anton Wilson hat dazu im Buch Der neue Prometheus auch geschrieben. Der hat da diese schöne Metapher von, dass wir zwei Funktionen im Kopf haben. Der eine ist der Beweiser und der andere ist der Denker. Und der Denker macht nichts anderes den ganzen Tag, als sich auszudenken, wie die Welt da draußen funktioniert. Und der Beweiser selektiert dann eben Teile der Wahrheit raus, um zu zeigen, dass der Denker die ganze Zeit recht hatte. Der mag den total gern.
Miriam: Ich habe so eine körperliche, geistige Balance auch zu halten. Warum sollte denn im eigenen Körper irgendwas gegen meine Annahmen arbeiten? Wenn ich noch nicht mal von mir selbst recht hätte, wie furchtbar. So, scheinbar. Laut dieses Prometheus-Werkes sorgt mein Gehirn dafür, dass ich mit mir recht habe.
Florian: Ja, eine der Übungen ist dann auch drin, mal zu schauen, zu glauben, dass es da draußen ganz viele 50-Cent-Stücke gibt, die da draußen rumliegen und dass die zu finden sind und dann zu messen, wie lange dauert es, bis ich eins finde und dann zu glauben, dass da draußen niemand Geld liegen lässt und dann zu gucken, wie lange dauert es, bis ich eins finde. Um zu gucken, wie viel Einfluss hat mein Glaube darauf, was ich da draußen wahrnehme in der Welt. Um solche Experimente zu machen. Da sind eine Handvoll von denen drin.
Miriam: Ganz viele. Cool. Also könntest mit deinem eigenen Gehirn rumexperimentieren.
Florian: An der Stelle. Und wenn das gehen würde, dann würde sich natürlich die Frage stellen, was sind denn sinnvolle Glaubenssätze für ein glückliches Leben?
Miriam: Oh, schön. Da habe ich von Florian viel gelernt. Weil ich so in Augenblicken, wo ich früher gehadert hätte mit mir, mit meinem Schicksal, mit der Welt, mit den Modellen, mit denen wir uns beschäftigen, kam immer die Frage, wie fühlt sich's denn an für dich? Fühlt sich's gut an? Prima. Dann weiter. Fühlt sich's schräg an? Fühlt sich's gar schlecht an? Wenn du so drüber nachdenkst.
Florian: Wobei das natürlich sehr individualistisch gedacht ist.
Miriam: Ist es auch. Was ist denn Glaube bitte sonst? Was ist denn ein Glaube? Für mich ist es was hochgradig Individuelles. Und gerade aus unserer Arbeit heraus, wenn ich diese vielen verschiedenen Menschen sehe, die zu uns kommen in die Seminare, die wir sehr stark wahrnehmen, weil wir sie ja auch persönlich weiterbringen wollen, weil wir sie mitnehmen wollen, weil wir sie unterstützen wollen. Da ist eine sehr intensive Wahrnehmung da und es ist so unterschiedlich. Wir haben hier Leute sitzen, die haben so schräge Erfahrungen in ihrem Leben gemacht, da sitze ich davor mit offenem Mund und denke, das kann doch nicht wahr sein.
Aura, morphogenetisches Feld und die entspannte Haltung
Florian: Und wir hatten schon Menschen, die gesagt haben, sie können Aura sehen.
Miriam: Zum Beispiel.
Florian: Oder Sachen aus dem morphogenetischen Feld herunterladen.
Miriam: Ja.
Florian: Und dann weiß ich nicht, ob das bei denen so ist oder nicht. Und am Ende des Tages ist es mir fast egal. Ja. Weil was auch immer das ist, vielleicht ist das Aura, sehen ja nur eine Kommunikationsart mit dem Unbewussten, mit dem Unterbewussten, wo Mikroausdrücke im Gesicht wahrgenommen werden, um dann eben zu einer bestimmten Meinung zu kommen oder über Geruch wird eben wahrgenommen, dass irgendwie bestimmte Krankheiten da sind oder was auch immer und das wird dann visualisiert. Eine Synästhesie findet statt, eine Verbindung zwischen zwei Sinneskanälen und es wird eben im Visuellen ausgedrückt, dass da plötzlich diese Aura ist. Was auch immer. Klingt komplex. Ja und das wäre vielleicht eine Erklärung, die auf wissenschaftlicheren Fakten basiert.
Miriam: Wir lavieren voll rum, wir kommen nicht so zu Potte irgendwie, weil wir beide so, ich glaube wir sind da beide sehr offen.
Florian: Ja, sehr entspannt.
Miriam: Ja, weil es für uns okay ist.
Florian: Wir haben auch schon superrationale Physiker in unseren Seminaren gehabt.
Miriam: Alles, richtig. Haben wir jetzt wieder. Also wir haben da immer die volle bunte Mischung und vielleicht fordern die sich gegenseitig dann auch ein bisschen an der Stelle, was ich gut finde. Es ist ja gut, wenn ein Mensch mir was erzählt und in mir tut es so ein Knirsch, so ein Knirschgeräusch höre ich dann.
Florian: Und die eine oder andere Metapher ist einfach schön, ne?
Miriam: Ja.
Florian: Also mal so mit Engelsflügeln umhüllt worden zu sein, ist einfach eine schöne Erfahrung.
Miriam: Ja. Und ich kann mir ja vorstellen, was ich möchte. Ja. Solange es gut tut.
Florian: Und Suggestionen Richtung alles Mögliche geben, ist vielleicht, ja, mehr Freiheit spüren im Leben zumindest und mehr Wahl haben und länger leben, ist vielleicht auch schön.
Miriam: Und so eine innere Stimme oder einen siebten Sinn oder, also Leute finden ja unterschiedliche Worte für so Phänomene wie, ich denke, mitten am Tag, obwohl Florian, keine Ahnung, 300 Kilometer weit entfernt ist bei einem Kunden, denke ich, ich könnte jetzt Florian mal anrufen und in dem Augenblick klingelt das Telefon und Florian ruft an. Ist das dann einfach Zufall, dass es genau da passiert? Weil klar ist es ja wahrscheinlich, dass Florian mich irgendwann am Tag anruft oder ich ihn. Und ist es Zufall, dass es genau da passiert oder nicht? Es ist mir am Ende des Tages egal. Es fühlt sich dann in dem Augenblick super toll an. Und wenn ich das dann für mich so auslege, dass ich sage, wir haben einfach eine telepathische Verbindung miteinander.
Florian: Dann? Dann? Ist es gut, wenn es sich besser anfühlt?
Miriam: Wenn es sich besser anfühlt, ist es gut. Wenn es mich weiterbringt, wenn es die Liebe zwischen uns bestärkt.
Florian: Sollte es mich auch noch unsere Gesellschaft weiterbringen und die Menschheit an sich und den Planeten?
Miriam: Liebevolle Gedanken.
Florian: Da kommt dann was rein, was wir auch beide glauben. Kehrwoch ist immer bei sich selber. Vor der eigenen Haustür erstmal kehren. Erstmal selber zufriedener und glücklicher werden, weil es dann viel einfacher ist, jemand anders zu helfen.
NLP als Werkzeugkasten — und der Weg zurück ins Fühlen
Miriam: Und wie du es machst? Wie stehen wir denn jetzt zur Spiritualität? Sag mal.
Florian: Nämlich so und so im Seminar.
Miriam: Florian steht gar nicht, der muss ich erstmal setzen, wenn er sowas hört. Das stimmt.
Florian: Wenn ich sowas höre, sage ich, ja, ich verstehe die Frage schon nicht. Also was ist die, was ist denn die eigentliche Frage?
Miriam: Ja, ich denke, dass vermutlich NLP oft auch in einen Topf geworfen wird mit so esoterischem Kram. Und ich sage jetzt bewusst Kram. Ich möchte niemanden diffamieren, wer an Esoterik glaubt oder mit Esoterik hantiert und dabei glücklich ist. Sehr, sehr cool, wenn jemand Jetzt NLP, was sich als Sammlung von fantastisch gut funktionierenden Kommunikationsmodellen betrachtet, da verwechselt, da werde ich ein bisschen vorsichtig. Also da, das braucht es nicht.
Florian: In meiner Welt auch nicht, genau. Braucht es nicht. Ich könnte NLP als Werkzeugkasten sehen mit sinnvollen Glaubenssätzen über wie die Welt funktioniert, abmodelliert an exzellenten Therapeuten, exzellenten Sportlern, exzellenten Künstlern, um eben zu gucken, wie kann ich ein für mich schöneres Leben führen. Und dann ist die Frage, welche von denen möchte ich übernehmen und welche nicht. Und ich könnte einfach die Auswahl treffen. Völlig frei von Religion, Spiritualität, Esoterik, was auch immer da draußen so ist. Und das wäre eine Variante. Und an der einen oder anderen Stelle lohnt es sich vielleicht, den einen oder anderen Glaubenssatz einzubauen, der sagt, ja, das ist was, was sinnvoll ist für den Rest des Lebens.
Miriam: Und um NLP sinnvoll zu praktizieren? Gehen wir ja einen Weg des Wiederfühlens. Also das heißt, es findet so eine Art Verbindung statt zwischen Gehirn und Limbik, also das, was der Körper draus macht, auch an Gefühl, was du draus machst. Und wenn ich überlege, wie viel mehr ich wieder fühle, seit ich das zulasse und seit ich entsprechende Kommunikationsmodelle benutze. Mir hat neulich ein Kunde, der bei uns gebucht hat, der hat mir gesagt, weißt du, Miriam, Deine Worte, dir zuzuhören, deine Worte, die kommen so ganz aus dir heraus, die sind so eins mit dir. Und das hat was damit zu tun, dass ich wieder deutlicher angefangen habe, Dinge wahrzunehmen, die in mir vor sich gehen. Und das empfinde ich... Nicht als Esoterik oder WuWu oder irgendwas, sondern hier gibt es eben auch noch etwas, was ich trennen konnte die ganzen Jahre oder was ich wollte von dieser Ratio. Von diesem, so, das kann ich anfassen, das ist jetzt da, weil ein Gefühl, das in mir entsteht, kann ich auch nicht anfassen. Das ist halt da. Ich kann was damit machen. Ja, ich kann es verändern.
Florian: Und wir haben so viele Nervenzellen im Darm.
Miriam: Ja, es wird unterschätzt, das Gehirn wird überschätzt dann an der Stelle.
Florian: Genau. Florian finde ich das auch. Dann wären wir ja beim Embodiment. Ist das dann spirituell? Wenn ich sage, wir könnten mein Gehirn nicht mal... Und was bedeutet denn spirituell? Wenn wir meinen Kopf abschneiden würden und würden ihn in ein Glasgefäß machen und in 200 Jahren würden Wissenschaftler meinen Kopf wiederbeleben, wäre das gar nicht ich, weil der Körper dazu fehlt. Weil eben alles dazu gehört. Inklusive meinem großen Zeh.
Miriam: Und spirituell, Spirit, Geist, also wir Menschen sind nun mal auch begeistert, wir werden nicht begeistert auch, also wir sind begeistert. Und da ist eben irgendeine Art von Geist auch, das ist ja das, was wir als Bewusstsein empfinden. So deswegen, ja, wir sind beide total spirituell, also wir haben auch beide hoffentlich geistreich.
Florian: Bei der kleinen Descarteschen Herausforderung, die wir hier in unserer westlichen Welt haben, dass wir so tun, als wäre da ein Unterschied zwischen Geist und Körper. Es gibt eine Seele und einen Körper. Und viele Philosophien oder viele Philosophen des Geistes gehen eher von einem Monismus aus, dass es da keine Trennung gibt zwischen den beiden. Dass die Seele was ist, das als Funktion von unserem Arbeiten in der Welt mit unserem Körper eben entsteht.
Miriam: So und wenn ich Signale meines Körpers wieder deutlicher wahrnehme, die Erfahrung habe ich zum ersten Mal gemacht in den Schwangerschaften, dass mein Körper sich sehr deutlich gemeldet hat für mich, spürbar, mit all den Bedürfnissen und ich das sehr klar auf dem Schirm hatte im Gegensatz zu vorher, denn ich habe aufgrund meiner Arbeit als Schauspielerin und vor Kameras meinen Körper auch sehr gerne ignoriert, wenn der Signale gesendet hat und ich konnte das so gut, dass ich am Ende tatsächlich das Gefühl hatte, ich mit meinem Gehirn bestimme ganz alleine, was hier vor sich geht. Wenig geschlafen, wie auch immer.
Florian: Das ist der Weg zu dieser Astronautennahrung, ne? Ja, genau. Essen ist ja nur, also entweder ist es einfach nur Nahrungszufuhr, damit dieses Taxi mich von A nach B bringt, dass ich Körper nenne, oder es ist eben eine soziale Funktion, die Schmiermittel ist zwischen mehreren Individuen und eins von beiden.
Miriam: So und das zu utilisieren, das wirklich wieder auch komplett wahrzunehmen als ein Geschenk, als etwas, was mir die Möglichkeit gibt, diese Welt und das, was mich umgibt, alles noch viel stärker, viel schöner wahrzunehmen, das kam jetzt über die letzten vier, fünf Jahre und dafür bin ich extrem dankbar. Und wenn das das wäre, dieses Vergeistigte oder dieses Mono, was hast du gesagt? Monismus. Dann genieße ich das sehr. Und dann habe ich tatsächlich das Gefühl, dass sich da wieder so ein siebter Sinn dazugeschaltet hat. Und es ist schlichtweg die Einheit, dass ich es wieder merke. Das tut mir gut, das tut mir nicht so gut. Ich treffe eine Entscheidung.
Florian: Und das ist ja auch eine interessante Diskussion. Manchmal wird ja argumentiert, ja, wenn ich dran glaube, dass das das einzige Leben ist und dass dann hinterher nichts mehr kommt, dann sitze ich ja nur noch wie eine Kartoffel auf der Couch. Und dann gibt es die anderen, die sagen, ja, wenn ich glaube, dass ich noch tausend Leben habe, das einzige, was ich in diesem Leben tun würde, ist auf der Couch sitzen wie eine Kartoffel. Und beides kann auch genau in die andere Richtung führen. Du tust ganz viele Dinge da draußen in der Welt, um mehr Abenteuer zu erleben, um mehr von dieser Welt zu sehen, um mehr Freude zu haben, um vielleicht auch mehr Freude mit anderen zu haben, um wertvoll zu sein für andere, weil sich das für dich gut anfühlt, was auch immer da für dich passend ist.
Tolerant und akzeptant — die Antwort
Miriam: Also was würden wir jetzt antworten, wenn jemand anruft und sagt, wie steht ihr denn so zur Spiritualität? Dann würde ich sagen, tolerant.
Florian: Tolerant. So. Akzeptant.
Miriam: Jawohl. Macht doch alle, was ihr wollt da.
Florian: Du darfst deine Akasha-Chronik gerne mit ins Seminar bringen. Nein. Und wir wissen dann sogar, was es ist. Ich bin dagegen.
Miriam: Und ja, es ist für mich vollkommen okay.
Florian: Und wenn du übers morphogenetische Feld an anderen Teilnehmern andockst, fair enough.
Miriam: Wir beobachten das.
Florian: Wenn es dir hilft, in Übungen mehr Pacing zu haben, also näher an deinem Gegenüber zu sein, einfacher ins Leading zu kommen, mehr wahrzunehmen, voll gut. Dann bring uns bei, wie das geht.
Miriam: Sehr schön. Ja, ein sehr philosophischer Podcast diesmal. Wir freuen uns über deine Comments dazu. Sind mal gespannt, was da so kommt, ne?
Florian: Welche Korrekturen.
Miriam: Wir sind ja ums Wespennest herumgeschlichen, möchte ich sagen.
Florian: Schön wäre auch der Nürnberger Trichter. Wenn wir einfach so einen Trichter in die Teilnehmer reinsetzen am ersten Tag und dann schütten wir das ganze Wissen rein und dann wird es nur noch wiedergegeben. Es hat sowas von der Matrix, ne?
Miriam: Ja.
Florian: So dieses Kassette reinschieben, um Helikopter fliegen zu lernen.
Miriam: Ja.
Florian: Kurz die Augen verdrehen und dann, ja.
Miriam: Krass.
Florian: Und wo ist dann der Spaß da drin? Ja. Über Jahre hinweg Fähigkeiten zu lernen. Das habe ich mich gerade gefragt.
Miriam: Und die Erfolge zu spüren, auch die Etappenerfolge. Ach, herrlich. Das schreit doch nach einer Fortsetzung hier.
Florian: Bestimmt haben wir noch Sachen ausgelassen.
Miriam: Na klar, mit Absicht. Gut, dann machen wir mal weiter so, ne?
Florian: Bis zur nächsten Schwingung nächsten Dienstag oder es gibt da draußen ja gar keine Zeit, wenn sich unsere Geiste in der vierten Dimension wieder treffen.
Miriam: Machen wir erstmal einen Stuhlkreis.
Florian: Stuhlkreis. Bei den Kommunikationslotsen habe ich die Ausbildung zum Facilitator gemacht. Die haben so schön gesagt, sie sind von der Räucherstäbchen-Fraktion zu den Wattebäuschen gewechselt.
Miriam: Hey, solange es gut tut. Ja, alles gut.
Florian: Und da draußen gibt es ganz viel zu erleben und zu erfahren.
Miriam: Viel Spaß dabei. Ja. Bis zum nächsten Mal.
Florian: Tschüss.
Miriam: Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.