NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 7

Gute Haltung für Sprecher

Brust raus - Bauch rein! Aufrechte Haltung für Vielsprecher einmal aus ganz anderer Sicht...

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In dieser Folge

Darum geht es

Miriam Deforth trifft sich NICHT mit einem Vocal Coach oder einer Ballett-Trainerin, um über das wichtige Thema "Körperhaltung" für Sprecher, Vortragsredner, Speaker oder Teamleiter zu podcasten, sondern - ganz anders - mit einer Osteopathin. Bettine Burkart ist außerdem Physiotherapeutin und Heilpraktikerin. Sie behandelt viele Kollegen aus der TV- und Bühnenbranche nach anstrengenden Proben oder bei grundsätzlichen Optimierungswünschen im Bereich körperlicher Mobilität. Brust raus - Bauch rein... das ist eine Möglichkeit. Und es geht auch sanfter. Und witziger. Wie Bettine und Miriam in diesem Podcast beweisen. Viel Spaß beim noch aufrechter gehen und noch energetischer und charismatischer Wirken!

Es geht um gute Körperhaltung für Sprecher, Redner und alle, die viel vor anderen reden – und darum, wie sich Verspannungen im Nacken durch stundenlanges Sitzen am Computer aufbauen. Bettine erklärt aus osteopathischer Sicht, woher aufrechtes Stehen kommt, warum Balance mehr zählt als "Brust raus, Bauch rein", und gibt die einprägsame Klopapierrollen-Übung für Hals und Kopf mit. Außerdem: wie Haltung schon bei Geburt und in der Kindheit geprägt wird und wie körperliche und seelische Aufrichtung zusammenhängen. Kontakt zu Bettine unter www.go-osteo.de (Osteopathie in Mönchengladbach).

Lesefassung

Das vollständige Transkript

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Kapitel dieser Folge
  1. Warum eine Osteopathin und nicht ein Vocal Coach?
  2. Wo die gute Haltung wirklich herkommt
  3. Was zu viel Sitzen mit Nacken und Kopf macht
  4. Die Klopapierrolle: ein Bild zum Selbst-Aufrichten
  5. Wo Haltung geprägt wird – und was die Seele damit zu tun hat
  6. Gute Haltung als Lebenshaltung

"Bauch rein, Brust raus, Po zusammen" – so hast du gute Haltung vielleicht mal beigebracht bekommen. Miriam holt sich für diese Folge aber keine Ballettlehrerin und keinen Vocal Coach ans Mikrofon, sondern die Osteopathin Bettine Burkart. Es geht um die Frage, woher aufrechtes Stehen wirklich kommt, was der Nacken beim stundenlangen Sitzen am PC mit dir macht – und um ein überraschend einprägsames Bild mit einer Klopapierrolle.

Warum eine Osteopathin und nicht ein Vocal Coach?

Miriam: So, Bauch rein, Brust raus, Po bis zum Bauchnabel. Wie war das doch gleich mit der guten Haltung? Also irgendwie so ähnlich war das. Also Schultern tief. Wartet, gleich habe ich es. Warum ist das heute mein Thema? Wird der eine oder andere Wachehörer sich fragen. Erstmal herzlich willkommen zu diesem Miri-Podcast.

Miriam: Und ja, für Menschen, die viel sprechen, die vielleicht sogar singen hin und wieder, ist die Haltung grundsätzlich ein großes Thema. Denn scheinbar bewirkt eine ordentlich aufrechte Körperhaltung gleichzeitig auch mehr Energie und Kraftfluss für die Stimme, die da aus dem wie auch immer groß oder klein gearteten Körper herauskommt. Ein spannendes Thema, also für die Profis sowieso und für alle, die sagen, ich möchte mich auch in meinem Bereich stimmlich-sprachlich verbessern. Tolle Tipps.

Miriam: Jetzt habe ich mich natürlich gefragt, wie mache ich das mit euch? Dann über Podcasts, gymnastische Übungen zu machen, zur Körperhaltung. Mag funktionieren, vielleicht bei so einer Fitness-Ikone wie Barbara Klein, bei mir tendenziell eher nicht. Und deshalb habe ich mir eine Gesprächspartnerin eingeladen und ich freue mich riesig auf Bettine Burkart. Physiotherapeutin, Osteopathin, Heilpraktikerin.

Bettine: Warum ich Osteopathin geworden bin? Ich sage mal, in meinem alten Leben war ich Physiotherapeutin und ich war schnell an dem Punkt, wo ich wusste, ich kann weiterhelfen und mir fehlten die Mittel. Und Osteopathie fand ich immer spannend und nach ein paar Jahren habe ich mit dem Studium begonnen und es gibt keinen Weg zurück.

Miriam: Was ist genau Osteopathie für alle unter unseren Hörern, die jetzt mit einem großen goldenen Fragezeichen über dem Kopf zu Hause sitzen?

Bettine: Über Osteopathie wird ganz viel geschrieben und meinen Patienten sage ich immer, das ist eigentlich nur das ausführlichste Wissen über Anatomie und Physiologie, also wie die Strukturen miteinander zusammenhängen, wie ein Muskel, ein Gelenk beeinflusst und das immer weiter gedacht.

Wo die gute Haltung wirklich herkommt

Miriam: Ja, da wisst ihr jetzt auch schon, warum Bettine hier sitzt zum Thema Körperhaltung. Jetzt wird es ernst, jetzt wird es wissenschaftlich hier, ihr Lieben. Woher im Körper, wenn wir jetzt mal die Osteopathin in dir ansprechen dürfen, woher im Körper kommt überhaupt die gute Haltung?

Bettine: Vielleicht würden viele jetzt sagen, das ist bestimmt die Wirbelsäule. Die gute Haltung, die liegt in jedem Menschen, die ist quasi in unserem Programm drin. Das Kind kommt auf die Welt und hat eine gute Haltung und die kann nur verändert werden. Aber eigentlich liegt es in jeder Zelle.

Miriam: Oh, das ist spannend. Also es geht gar nicht darum, dass wir jetzt sagen, wenn ihr einen bestimmten Muskel oder einen bestimmten Knochen in eine bestimmte Richtung bewegt, dann entsteht automatisch sowas wie eine perfekte Körperhaltung. Gibt es die überhaupt? Gibt es eine perfekte Körperhaltung für alle Menschen?

Bettine: Schnell gesagt ja. Und wenn ein Mensch anfängt, sich damit zu beschäftigen, weil er vielleicht Probleme hat, dann ist die Frage, warum ist er aus dieser Balance herausgekommen. Und als Osteopathin suche ich danach und versuche, dem Körper Bewegung zurückzugeben, dass der Mensch wieder in seine ursprüngliche Position reinkommt. Und das macht er ganz von allein.

Miriam: Gut, wir haben gerade das Stichwort Balance von dir gehört, sehr spannend in dem Zusammenhang mit der guten Körperhaltung, denn wer schon mal ein Balletttraining gemacht hat oder ein Schauspieltraining oder auch ein Gesangstraining weiß, dass die Coaches an vielen Stellen die Körperhaltung korrigieren, das heißt dafür sorgen, dass ein möglichst gerades, aufrechtes Stehen da ist. Das hat auch etwas mit Balance zu tun, denn als eine Ballettlehrerin mir zum ersten Mal den Po nach innen und Bauch auch und die Brust nach vorne gedrückt hat, kam ich aus der Balance.

Bettine: Ja, dann war es vielleicht die Frage, ist das eine neue Bewegungsform, die du erstmal dir zu eigen machst und durch das Üben kommst du wieder in die Balance zurück. Also dann geht es auch darum, vielleicht ein paar neue Bewegungen zu lernen, die zu verinnerlichen, automatisch abzuspeichern und dann nach ein paar Jahren Balletttraining ist es normal und du nimmst es automatisch ein. Hättest du eine Verletzung, dann würdest du die auskurieren. Und merken, oh, jetzt meine gerade Haltung, Po rein, Kopf hoch, Kinn runter, klappt gerade noch nicht so gut und dann nach einer Reha-Maßnahme, dann geht es auch wieder. Und dann fühlst du dich in Balance für dein Ballett.

Was zu viel Sitzen mit Nacken und Kopf macht

Miriam: Schön, da waren jetzt schon ein paar Tipps dabei.

Bettine: Machen wir später im Podcast. Sind meine Hörer auch gewohnt, die den schon länger hören. Die Tipps kommen zum Schluss, vorher kommen die Probleme auch.

Miriam: Wie erkennst du denn klassischerweise, es wird wahrscheinlich wie immer bei Menschen ganz viel verschiedenen Spielraum geben, wie erkennst du klassischerweise, dass bei einem Mensch genau mit dieser Balance oder mit dieser Körperhaltung etwas nicht in Ordnung ist? Was sind so die klassischsten Anzeichen?

Bettine: Hm... Da spreche ich jetzt als Osteopathin. Bei mir ist es mehr eine unterbewusste Wahrnehmung, wie der Patient in meine Praxis reinkommt. Das registriere ich. Und wenn ich mit einer Behandlung beginne, steht der Mensch erst mal vor mir im Raum. Und ich gucke in Ebenen. Ich schaue, ist der Oberkörper rotiert zu einer Seite, steht er gebeugt nach vorne, steht er zur Seite und das registriere ich erstmal, dann würde ich weiter untersuchen und schauen. Was hindert ihn, dass er aus dieser aufrechten, geraden Haltung nicht verdreht, nicht zur Seite rausgerutscht ist?

Miriam: Es gibt vermutlich negative Auswirkungen von einer dauerhaften schiefen oder nicht ausbalancierten Körperhaltung. Denn so wie ich das wahrnehme, auch in meinen eigenen Seminaren, bewegen sich ja viele Menschen relativ sicher viele Jahre lang mit einer schiefen, krummen, gebeugten Körperhaltung durchs Leben. Das geht. Nur auf was kann das sich auswirken?

Bettine: Ist der Körper eigentlich wieder als Wunderwerk zu betrachten, dass der jahrelang, jahrzehntelang kompensieren kann und vielleicht eine Fehlhaltung in Anführungsstrichen hat, ohne Symptome? Also der Körper ist da ziemlich schlau, weicht aus, dass alles noch funktioniert und dass vielleicht ein beginnender Verschleiß beginnt. Das merkt derjenige erst Jahre später. Da gibt es natürlich was aufzurollen. Und als Beispiel, das kann jeder nachvollziehen, Büroarbeit, krumme Haltung, nach geradeaus gucken auf dem PC, was mache ich? Ich nehme den Hinterkopf im Nacken, die Muskulatur hinten am Hals, die verspannt sich, die verkürzt, die beißt sich so ein bisschen fest, ich habe vielleicht noch Stress vor der nächsten Konferenz und dann geht so der Hinterhauptkopf schmerzlos. Das kann ich jahrelang aushalten. Auf Dauer verändert sich was. Die Muskulatur gewöhnt sich daran, hinten angenähert zu sein. Und die Struktur verändert sich. Und dann gerät derjenige aus der Balance. Dann wird er diese Haltung zeigen, nach vorne gebeugt zu sein, Kopf in den Nacken, verkürzt.

Miriam: Sehr cool. Dadurch, dass viele, viele Menschen heutzutage wirklich auch lange Zeit jeden Tag vorm Computer sitzen, finde ich, sind wir hier schon an einer ganz wertvollen Stelle, dieses Podcast, der übrigens kein Medizin-Podcast ist, ich wollte es nochmal betonen, sondern für Sprecher und Menschen, die auftreten, gedacht ist. Nur auch auf der Bühne, finde ich, nehme ich das wahr. Also wenn ein Sprecher sehr aufrecht, sehr offen in der Front, die Bühne betritt, die Schultern eine schöne Haltung zeigen, ich den Hals erkennen kann, der Blick irgendwie nicht nach oben, nicht nach unten, sondern geradeaus in den Fokus läuft, dann nehme ich einen anderen Menschen wahr. Barbara Klein, ich kann es ja sagen, die mit mir bei QVC arbeitet, hat in einer unserer vergangenen Sendungen gesagt, ein Mensch, der eine gute, aufrechte Körperhaltung hat, wirkt 10 bis 15 Jahre jünger. Wie können Menschen denn eine Haltung, die sie über Jahrzehnte eingeübt haben, verbessern?

Die Klopapierrolle: ein Bild zum Selbst-Aufrichten

Bettine: Von sich aus. Über eine Wahrnehmungsschulung. Also ich weiß, ich erkläre demjenigen, wie es um seine Haltung steht. Ich behandle den, ich behandle die Muskeln und noch ganz vieles andere. Und ich versuche ihm zu erklären. Also wie steht dein Hals, wie steht dein Kopf? Ich gebe Hausaufgaben in Anführungsstrichen mit. Und jetzt um bei diesem Nackenbeispiel zu bleiben, ich bin kein Freund davon, gerade hinsetzen, Schulter zurück, Brust raus, Kinn runter, das ist auch nicht in der Balance, das ist übertrieben, sondern ich setze mich mit dem Patienten hin und wir lachen dann immer viel, ich sage, der Hals ist wie eine Klopapierrolle, aufgerichtet und der Kopf ist eine Kugel. Und die soll zu allen Richtungen frei beweglich sein. Nach vorne, nach hinten, rechts und links. Und daran erinnern sich die Menschen. Und wenn sie merken, oh, also irgendwie die Spannung steigt hoch, was ist mit mir? Dann setzen sie sich hin, rufen dieses Bild ab, gucken, checken kurz, kann ich den Kopf in alle Richtungen bewegen, lassen aktiv die Verspannung los und dann fühlen sie sich im Gleichgewicht.

Miriam: Genau deshalb, liebe Bettine, bin ich so froh, dass wir heute miteinander sprechen können, denn natürlich hätte ich hier auch eine Ballettlehrerin oder einen Vocal Coach hinsetzen können und ich mag es da mal anders dran zu gehen. Also, wenn Menschen jetzt zuhören, die viel vorm Computer sitzen oder die sich schulen wollen in einer entspannt aufrechten Haltung, ist das eine tolle Übung. Die Klopapierrollen-Übung. Die nehmen die einfach jetzt genau so an und was haben wir alle zu verlieren? Also im Zweifel ein bisschen Verspannung im Nacken, hallo, das ist es wert.

Bettine: Die Übung funktioniert super.

Miriam: Perfekt. Wenn wir jetzt mal noch ein bisschen weitergehen und sagen, es geht vielleicht nicht nur um den Hals und den Nacken und den Kopf, sondern es geht vielleicht auch eben um die Wirbelsäule und die Hüfte. Hast du da auch einen schönen Tipp?

Bettine: Im Geiste drifte ich jetzt ab in kleine Spezialthemen. Letztendlich beginnt es immer mit der Wahrnehmung. Ich brauche ein Gefühl von meinem Körper, dass ich mich spüre, dass ich ein Gefühl habe, wo steht mein Becken, wo steht meine Wirbelsäule. Und erst dann kann ich anfangen mit der Aufrichtung und dann funktioniert es fast von allein. Also ich mache eine Reise in meinen Körper, ich spüre mich selber.

Miriam: Das heißt für unsere Zuhörer, wenn du dich verbessern möchtest in dem Bereich, vielleicht deinen Körper darin trainieren möchtest, es üben möchtest, noch aufrechter, auch mehr wahrgenommen zu werden dadurch, dass du aufrechter bist, dann nimm dich ganz bewusst an den Stellen mal wahr. Also dort, wo ein Sportler, ein Trainer vielleicht auch sagen würde, mach das so, kipp die Hüfte nach vorne, kneif den Popo zusammen, zieh den Bauch ein über den Bauchnabel, würde Bettine jetzt sagen, stell dich vielleicht einfach mal zu Hause in dein Zimmer und nimm mal wahr, wo deine Hüfte steht? Wo deine Wirbelsäule gerade steht? Voll schön. Also mal der sanfte Weg. Und warum nicht? Und wenn ich dann feststelle, ich spüre da, die ist mehr nach rechts oder die ist mehr nach links gerichtet, kann ich dann da behutsam auch schon was tun als Laie?

Bettine: Ach, auf jeden Fall. Also sich Übungen auszudenken, ein Buch zu nehmen, eine DVD, Übungen eh schon aus dem Fitnessstudio zu kennen, die funktionieren alle. Und da würde ich auch immer sagen, Bewegung geht über alles und wenn ich merke, ich komme an eine Grenze, wo ein Schmerz beginnt, dann halte ich mich in dieser Anfangszone auf. Also ich gehe nicht in den Schmerz bewusst rein und ich vertraue meinem Körper, der sagt mir eigentlich schon intuitiv, was geht und was geht nicht. Und dem vertraue ich. Und dann funktioniert das. Also der Körper ist schon schlau und die Menschen eigentlich auch.

Wo Haltung geprägt wird – und was die Seele damit zu tun hat

Miriam: Du hast ja vorhin gesagt und es war witzigerweise auch eine der Fragen, die ich mir notiert hatte vorher, dass Menschen mit einer gesunden Haltung zur Welt kommen. An welchen Stellen verändern Menschen klassischerweise diese gesunde Haltung? Beginnt das schon im Kindergarten, in der Schule? Liegt es am falschen Kindersitz im Auto? Ich frage mich jetzt so, wo kann ich als Eltern zum Beispiel auch schon was tun, um es meinem Kind leichter zu machen, später aufrecht im Leben zu stehen?

Bettine: Also da ich viel mit Kindern arbeite, ist das natürlich auch mein Thema. Und da schaue ich, wenn ich die Kleinen habe, die vielleicht schon mit zwei, drei Wochen zu mir kommen, wie war die Schwangerschaft? Hat sich das Kind bewegt tagsüber oder nur nachts? Hatte die Mutter viel Stress? Lag das Kind mit dem Kopf unten? Lag es sehr lange unten und ganz fest? Wie war die Geburt? Wurde mit nachgeholfen, mit einer Saugglocke? Das sind Eingriffe. Und wenn, gehen wir weiter, im Geburtsprozess nachgeholfen wurde, meistens wenn die Mutter von alleine gebärt, läuft alles gut, gibt es Eingriffe, sind das Störfaktoren. Und da ist dann die Frage, was passiert beim Kind, dass es da schon aus diesem natürlichen Gleichgewicht rausgenommen wird. In aller Munde jetzt nicht mehr so ist dieses, um eine Diagnose zu nennen. Das Kind hat ein Problem mit dem ersten, zweiten Halswirbel. Und darauf schaue ich. Es gibt noch ganz viele andere Probleme, die alle behoben werden können, in der Regel. Die Mütter spüren meistens, mit dem Kind ist alles gut oder mein Kind bewegt den Kopf nur zu einer Seite. Dann darf die Mutter mal eben nachhaken lassen, den Kinderarzt fragen, vielleicht eben zum Osteopathen gehen und dann wird es behoben. Kindersitze, Miri, ist eigentlich ganz easy. Da sitzt das Kind drin während der Fahrt, alles ist gut, dann kommt es wieder raus. Das Kind, oder sagen wir so, der Mensch entwickelt sich weiter und alles ist gut. Gibt es Stürze, gibt es Operationen, also wieder Eingriffe von außen. Oder viel, es ist jetzt kein Trauma in dem Sinne, viel Stress. Das Kind versucht einen Weg zu finden, damit klar zu kommen, es zieht sich vielleicht zurück. Dadurch kann es eine bestimmte Haltung einnehmen und wenn es über Jahre ist...

Miriam: Ich habe das gerade schon rausgehört, weil du immer wieder von Gleichgewicht, wenn da etwas aus dem Gleichgewicht gekommen ist oder wenn es aus der Balance gekommen ist, wäre das auch das Seelenbild, das ich im Kopf haben darf und das ich dann ausbalancieren darf, wenn ich sage, ich will an meiner Körperhaltung etwas noch verbessern? Wir sind in Ordnung, die funktioniert. Denn Menschen, die wirklich Schmerzen haben, die ein Thema haben, die kommen zu Therapeuten wie dir oder deinen Kollegen und machen da einen Termin und lassen sich behandeln und helfen. Menschen, die sagen, ich stehe mit beiden Beinen im Leben, ist alles soweit okay, ja, da ist ein bisschen Stress, alles im normalen Rahmen, Schmerzen habe ich keine, ich will nur noch aufrechter sein. Da kommen wir doch dann zu diesem Thema. Erstens, also an welchen Stellen macht es Sinn? Da haben wir eben von dir schon tolle Tipps bekommen. Und zweitens, schön, dass ich mal nachdenken darf, über wo ist in meinem Leben etwas nicht im natürlichen Fluss, in dieser natürlichen Balance. Würde der Körper darauf reagieren, wenn ich, ich sage es mal ganz platt, auch in meiner Seele aufräume? Also wenn da Schieflagen wären?

Bettine: Also die Erfahrung zeigt es, dass es so ist. Und Patienten spiegeln das auch. Und ganz lustig ist es eigentlich, dass die alten Sprichwörter gelten, die alten Volksweisheiten halten. Mir steht es bis zum Hals. Ja, ja. Ich muss mal verschnaufen. Und Patienten kommen mit Symptomen in diesem Bereich und ich nehme alles raus aus dem Körper. Ich arbeite nur mal an dem Körper. Behandle denjenigen. Und auf einmal kommt dann, ja, also ich hatte auch eine ganz belastende Situation zu Hause. Ich wusste nicht, wie ich das sagen sollte und mir fehlte die Stimme und der Körper wurde behandelt, in dem Fall von mir. Der Patient hat zufällig zeitgleich zu Hause aufgeräumt, ein Gespräch ausgesprochen und alles ist gut.

Miriam: Also Aufrichtung mal andersrum. Ich fasse es jetzt einfach nur nochmal für mich auch zusammen, weil ich auch davon deutlich profitiere, solche neuen Wege immer zu gehen. Ich bin da sehr neugierig. Also erstmal gibt es sehr einfache Möglichkeiten, den Körper sanft in eine wieder ausbalancierte, aufrechte Haltung zu bringen, ihn zu unterstützen dabei. Das war die Klopapierübung. Sehr cool. Die Klopapierübung. Dann dieses sich einfach zu Hause mal in einer ruhigen Minute hinstellen und überprüfen. Wo steht meine Wirbelsäule, wenn ich öfter mal Verspannungen habe in der Schulter oder wenn ich denke, oder andere Menschen machen mich darauf aufmerksam, Mensch, du hast ja fast schon einen Buckel, so wie du läufst, warum stehst du nicht gerade, so dass ich dann mal für mich ganz alleine prüfe, wo steht meine Hüfte, wo steht meine Wirbelsäule, wo kann ich was verändern, damit sich das wieder gerader oder ausbalancierter anfühlt, finde ich wunderschön. Wie gesagt, ich spreche jetzt nicht über die pathologischen Fälle, die wirklich in die Hände eines Spezialisten gehören. Wir kurieren hier keine Bandscheibenvorfälle, sondern wir sprechen über die Möglichkeiten der Aufrichtung. Und auch das sich Erinnern, dieses tägliche Erinnern, zum Beispiel über so witzige Bilder wie die Klopapierrolle, kann ich vor dem Auftritt super abrufen. Bevor ich auf die Bühne gehe und meine Stimme über einen ganzen Saal oder 40, 50 Menschen erklingen lassen möchte, stelle ich mir das doch einfach kurz vor. Diese Kugel auf der Klopapierrolle, die sich da frei bewegen kann, toll. Los geht's.

Bettine: Los geht's, genau.

Miriam: Und schon rollt die Kugel. Nein.

Gute Haltung als Lebenshaltung

Miriam: Sehr schön. Was bedeutet denn gute Haltung für dich persönlich, jetzt als Bettine, nicht als Osteopathin? Gute Haltung?

Bettine: Ähm... Die körperliche Ebene haben wir angesprochen, die auf jeden Fall. Genauso meine geistige Haltung. Wie stehe ich in meinem persönlichen Umfeld? Wie funktioniert meine Familie? Sind die Fragen geklärt? Belastet mich etwas? Dann will ich das lösen, damit ich wieder eine freie Haltung habe. Ich sage jetzt Baustellen, dass ich die löse und beende, dass mich nichts belastet über die Tage. Also ich versuche, ein ehrliches Leben zu führen, mir nichts zu Schulden kommen zu lassen und auch Entscheidungen...

Miriam: Vor dir oder vor anderen? Finde ich jetzt noch spannend.

Bettine: Beides. Beides. Und jetzt habe ich das vergessen, was ich jetzt sagen wollte.

Miriam: Ach Mist.

Bettine: Voll unterbrochen.

Miriam: Du hast die Spezialistin an der falschen Stelle unterbrochen. Fällt dir gleich wieder ein, Bettine. Vielleicht hoffentlich.

Bettine: Es kommt zur rechten Zeit wieder. Ja, genau. Ich will mit einem guten Gefühl ins Bett gehen. Also ich will mir... Jemand fand das mal sehr interessant, wo ich sagte, nee, das mache ich nicht, da sammle ich mieses Karma. Das war nur so aus dem Bauch gehauen. Also echt, ja, was meinst du denn damit? Und ja, eigentlich bin ich auf dem anderen Weg. Also ich will alles Gute sammeln und Gutes tun für mich, für andere, klar, und in meinem Job. So nähre ich das, so kommt es zu mir zurück. Damit habe ich eine freie Haltung.

Miriam: Interessiert mich noch was Witziges, wenn Bettine Burkart einfach einen Einkaufsbummel macht. Und ich weiß, du bist auch Mutter von Kindern, du hast auch nicht viel Zeit für solcherlei Dinge. Eins-, zweimal im Jahr. Und du bist in der Innenstadt unterwegs und viele Menschen laufen an dir vorbei. Also bemerkst du ständig, wenn sich jemand falsch bewegt oder wenn es irgendwo knackt um dich rum oder wenn jemand seinen Hals komisch hält? Ist da ständig die Osteopathin bei dir oder kannst du die auch ganz ablegen?

Bettine: Meistens nicht, manchmal schon. Dann ist es lustig.

Miriam: Ihr Lieben, wenn ihr Bettine mal kennenlernen oder jetzt nach diesem tollen Podcast vielleicht sogar zu ihr gehen wollt, kann ich euch sagen, ihr habt ein bisschen Geduld mit dem Termin. Die Frau ist extrem ausgebucht, obwohl es die Praxis noch gar nicht so lange gibt, die Osteopathie-Praxis. Als Physiotherapeutin bist du schon lange, lange tätig. Und wenn dann doch, also wenn jemand sagt, ich will nur zu Bettine, ich kann es verstehen, hast du eine Website, auf der wir uns weitergehend über dich informieren dürfen.

Bettine: Ja, natürlich habe ich das unter meinem Namen plus Osteopathin über Google immer zu finden im Mönchengladbach oder www.go-osteo.de.

Miriam: Ich schreibe das nochmal in die Beschreibung zum Podcast dazu, damit ihr das alle auch nochmal nachlesen könnt. Du hast vorhin selbst gesagt, die klassischen Wege wären ja Bewegung, ganz wichtig, Bücher, DVDs hast du genannt. Hast du für uns eine schöne Empfehlung an Buch oder an... irgendeine Art von CD oder Hörbuch oder DVD, wo du sagen würdest, das habe ich mit großer Spannung und Freude gelesen und würde es auch weiterempfehlen.

Bettine: Muss ja gar nicht mal was mit Körperhaltung zu tun haben. Habe ich tatsächlich nicht.

Miriam: Also da zu dem Thema.

Bettine: Nein, die Bücher, die ich lese, sind zu detailliert, zu speziell. Und ansonsten, wenn jemand ein Buch findet, das ihn anspricht, dann ist es genau das Richtige.

Miriam: Ah, schön. Bettine, vielen Dank.

Bettine: Sehr gerne.

Miriam: Für einen sehr außergewöhnlichen Podcast für Sprecher und Sänger und Schauspieler und alle, die vor Teams und in Meetings viel reden, beruflich oder privat. Ich freue mich auf das Feedback von dir zu Hause nach dem Zuhören. Du darfst diesen Podcast auch wie immer gerne bewerten auf iTunes. Da steht noch ein bisschen was an. Also ich sammle noch jede Art von Bewertung, damit viele Menschen den Podcast finden. Der bleibt kostenlos. Wenn du sagst, ich will zu dem ganzen Thema mehr wissen, unter www.kontext*denken.de findest du alle Podcasts und mich und auch Florian, meinen Partner und Geschäftspartner. Ich wünsche dir eine tolle Woche. Bis nächsten Dienstag und sage Tschüss zu Bettine.

Bettine: Tschüss Mädchen.

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