Manipulation durch Deinen Namen? Ach Du meine Güte!

26.12.2018

Ich nenne die Studien mal gleich vorweg. Nicht, dass es heißt, ich hätte irgendetwas in irgendetwas hinein halluziniert:

Die University of Cambridge und die HEC Paris haben 2010 erste Ergebnisse zur Beeinflussung durch Nachnamen veröffentlicht. Die TU Chemnitz hat ebenfalls 2010 eine entsprechende Studie zu Karrierechancen durch passende Vornamen herausgegeben. In der Studie "The name-pronounciation-effect" von einem Team aus belgischen, amerikanischen und australischen Forschern aus dem Jahr 2012 werden Nachnamen und deren Einfluss auf Vorstellungsgespräche und Beförderungen untersucht.

Mannigfaltig liegen mittlerweile Studien vor, die alle eins bestätigen: Ja, mit unserem Namen beeinflussen wir uns und andere maßgeblich.

Der Sympathiefaktor, der Respekt, das Zutrauen gewisser Fähigkeiten - unser Name ist nicht ganz unerheblich dafür, wie leicht wir es im Leben haben.

Nicht, dass ein Mensch, der mit Nachnamen "Störer" heißt, nicht auch in einem sozialen Beruf sehr erfolgreich sein kann - die Studien würden ihm lediglich unterstellen, dass er es etwas schwerer hat, als jemand, der "Gutermann" heißt. Oder dass er für den einen oder anderen Karriereschritt etwas länger braucht.

Für das Modell des NLP ist der Name dahingehend spannend, als dass wir davon ausgehen, dass das Gehirn keine Information verarbeitet, ohne sie zu verarbeiten. Tönt also nun bei der ersten Vorstellungsrunde in einem Seminar aus dem Munde eines Teilnehmers: "Hallo, ich heiße Sturmhard Kraft." in den Raum, dann ist das vordergründig "nur" ein Name. Unser Gehirn jedoch macht in Sekundenschnelle etwas aus diesem (seltenen) Konstrukt. Es baut ein Bild. Das macht es automatisch. Und immer.

Denk einfach jetzt bitte nicht an eine Eiswaffel mit türkisenem Schlumpfeis. Siehst Du, sie war kurz vor Deinem geistigen Auge. Die Wachen unter den Lesern wischen dieses unnütze Bild zwar auch binnen Sekunden wieder weg - und es war eben kurz da.

Sturmhard schenkt jedem von uns ein unterschiedliches Bild. Ich zum Beispiel sehe kurz die Momentaufnahme eines Tropensturms mit sich im Wind biegenden Palmen und davon fliegenden Strohhüttendächern. Witzig... und bei "Kraft" wird der Sturm in meinem Phantasiebild stärker.

Natürlich erzählt Sturmhard direkt weiter, dass er Florist ist und kunstvolle Gestecke in Düsseldorf Mitte verkauft - mit großem Erfolg. Sein Blumenladen gehört zu den beliebtesten der Stadt und das ganze Rheinland bestellt bei ihm Blumen zu besonderen Anlässen.

Ja - ich habe Sturmhard frei erfunden. Nicht, dass Du jetzt anfängst, seinen Laden zu googeln. Eines ist mir wichtig an dieser Sache: Wenn Du nun Deinen Namen mal ganz analytisch unter die Lupe nimmst - den Vornamen wie den Nachnamen - welche Assoziationen fallen Dir sofort ein. Oder noch besser: Welche Bilder siehst Du vor Deinem geistigen Auge? Und: Hast Du andere Menschen schon mal gefragt, welche Bilder sie assoziieren, wenn sie Deinen Namen hören?

Nehmen wir der Gerechtigkeit halber gerne meinen Namen und den Namen meines Geschäftspartners und Traummanns:

Miriam Deforth und Florian Groß.

Witzige Kombination - fällt mir da gerade auf. Ich trage einen biblischen und dazu hebräischen Vornamen, obwohl meine Familie keine jüdischen Wurzeln hat. Miriam erinnert bibelfeste Leser dieses Blogs an das Binsenkörben, das sie barg und in dem das Baby Moses - ihr eigener Bruder - lag. So rettete sie ihn vor den Ägyptern. Und nicht jeder kennt diese Geschichte, die ja eher zu den Nebenhandlungen der Bibel zählt.

Dennoch klingt der Name Miriam irgendwie superhistorisch und und ein bisschen mystisch. Einer Karriere als Akademikerin steht er sicher gut zu Gesicht. Egal ob Frau Doktor Miriam oder Frau Professor Miriam - das ginge schon ganz gut. Ich bin übrigens keines von beidem.

Deforth wiederum ist ein alter, hugenottischer Name französischen Ursprungs. Eventuell wurde er früher einmal auseinander geschrieben: De Fort und würde so etwas wie "Von der Burg" bedeuten. Wenn überhaupt war er eher der Titel von Landadeligen. Doch seine nicht auf den ersten Moment greifbare Verstehbarkeit machen ihn für viele einfach zu einem recht wohlklingenden Nachnamen. Korrekt wird er nämlich (ganz französisch) ohne das "th" am Ende gesprochen: {Defoor}.

Florian ist ein spannender Vorname für einen Mann. Das "florale" erzeugt in beinahe jedem Gehirn, das ihn wahrnimmt, sofort einen kleinen Symapthiebonus. Blumig und Blumen sind nunmal was tolles und die meisten Menschen, die Florian hören, nehmen sofort an, dass es sich bei einem Menschen, der so gerufen wird, um einen sehr liebevollen, netten, zuvorkommenden, eventuell galanten Zeitgenossen handelt.

Das ist mal ein Bonus, oder?

Und dann dieser Nachname. Groß!

Meine Güte - einfacher gehts wohl nicht, oder? Da wird dem Träger des Namens direkt eine Größe unterstellt. Und was tun manche Menschen, die den gleichen Nachnamen tragen, wie Florian? Sie sagen am Telefon oder an der Hotelrezeption: Ich heiße "Groß" wie "Klein". Neeeeiiiiiin! Nicht doch! Lass es bitte bei Groß! Sag lieber so etwas wie "Groß" wie "Großartig" und nimm den unbewussten Einfluss, den Dein Name auf andere und Dich hat, nicht heraus. Vor allem nicht, wenn er so "großartig" ist!

Wir stellen also dank der vielen Namensstudien folgendes fest:

  1. Der Vor- und Nachname beeinflussen unser Gegenüber unbewusst - denn das menschliche Gehirn setzt jedes Wort, das es hört sofort und sehr schnell in millisekundenschnell durchlaufende Bilder um

  2. Der Vor- und Nachname beeinflusst uns selbst - denn wer hört, sagt, schreibt und liest Deinen Namen wohl am häufigsten? Genau! Du. Wenn Dein Gehirn immer und immer wieder die gleichen schnellen Bilder durch Dein limbisches System schickt und entsprechende Gefühle dazu entstehen - dann kann sogar von einer Langzeitmanipulation ausgegangen werden. Spaaaannend... oder?

  3. Namen werden seitens der Wissenschaftler, die sich mit ihnen befassen übrigens in folgende Untersuchungsfelder aufgeteilt:

  • Kurze, einfache Nachnamen versus lange, schwierig auszusprechende Nachnamen (Groß versus Wirkentenpohl)
  • Muttersprachliche Nachnamen versus exotisch klingende Nachnamen (im deutschsprachigen Raum also zum Beispiel Müller versus Katoungisczky)
  • Adelig oder nobel klingende Nachnamen versus einfache Handwerkertitel (Ritter versus Schmitt)
  • kurze, einfach zu schreibende Vornamen versus lange, schwierig zu buchstabierende Vornamen (Lisa versus Penelopé)
  • muttersprachliche, sehr bekannte Vornamen versus exotisch klingende Vornamen (Max versus Lorcan, Sandra versus Päivikki)
  • bildstiftende Vornamen versus einfach nur klingende Vornamen (Sperfried versus Phineas, Margarete versus Kiara)

In den zu Beginn dieses Blogposts genannten Studien gibt es tatsächlich spürbare Tendenzen bei zum Beispiel Personalreferenten, eine Sabine Wagner als seriöser und souveräner einzustufen, als einen Stephen-Maurice Weinstuber.

Bitte verstehe diesen Artikel richtig: Auch Stephen-Maurice hat das Zeug zum Multimillionär und sein Name ist nicht der alleinige Grund für Erfolge oder auch ein Scheitern. Er ist lediglich ein Faktor, den wir aus sprachlicher Sicht im Blick behalten dürfen.

Und dass Penelopé ein sehr schöner Mädchenname ist, ist unbestritten. Bei der Auswahl von einem Namen für's Kind gilt es offenbar lediglich, kurz darüber nachzudenken, ob eine Einzigartigkeit wirklich das einzig erstrebenswerte ist.

Eine Freundin von mir nannte ihr neugeborenes Baby dieser Tage Karolin. Dies ist ein Name, der gerade nicht unbedingt "top of the Trend" wäre - würden einige Menschen sagen. Ein Geschenk hat meine Freundin ihrer Tochter damit in jedem Fall laut Namensstudien gemacht. Denn er ist ein althochdeutscher Name, der durchaus mit adeligen Damen konnotiert ist. Außerdem klingt er seriös, zuverlässig und solide. Seine Bedeutung ist ganz anders: Freie Frau. (Das wissen die wenigsten). Und was auch immer Karolin später einmal tun wird - ihr Name wird definitiv kein Thema dabei werden.

Um es plakativer zu machen: Ein Schüler mit Namen Florian Schön hat offenbar schon einen kleinen Bonus mehr bei der Bewerbung um den Ausbildungsplatz zum Floristen, als eine Thekla Wiederkratz.

Ganz andere Faktoren führen unter Umständen dazu, dass Florian nicht genommen wird. Zum Beispiel extrem schlechte Schulnoten oder ein sehr fehlerhaftes Bewerbungsschreiben. Ist die Bewerbung von Thekla hingegen einwandfrei verfasst und überzeugen ihre schulischen Abschlüsse, hat sie immer noch die besseren Karten.

Allerdings könntest Du zum Beispiel beim Erstellen einer Landingpage für ein eigenes Unternehmen kurz darüber nachdenken, ob Du als Coach für Beziehungsthemen Deinen Namen in riesig auf die Frontpage schreibst, wenn Du zum Beispiel Wilfried Streitlich heisst. Oder ob Du Deiner Praxis einfach einen schönen Namen verpasst (Paarberatung "Wolke 7") und Deinen Namen erst unter der Rubrik "Über mich" ins Zentrum des Geschehens rückst.

Eine Namensänderung ist in Deutschland nach wie vor sehr schwierig und nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Ist Dein Name ein besonders witziges Konstrukt, kannst Du in jedem Fall immer mit etwas Humor oder Kreativität einen Vorteil daraus schmieden. Manche Eltern haben in den Endsechzigern und Anfangsiebzigern ja durchaus seltsame Namenssymbiosen erschaffen. Beeinflusst durch einen erleuchtenden Aufenthalt in Indien sind Kombinationen wie Krishna Schmitthuber auf den ersten Blick vielleicht befremdlich - auf den zweiten jedoch würden sie jeden PR-Spezialisten auf Hochtouren laufen lassen.

Ein Yogalehrer mit einem solchen Namen "erleuchtet" seine Kunden nunmal "auf solide Weise", oder?

Ich bin sehr gespannt, wie viele Zusammenhänge Du in Deinem Namen und Deiner Vita nach dem Lesen dieses Artikels erkennst oder welche tollen, neuen Ideen Du hast.

Übrigens: Sollten Florian und ich irgendwann einmal auf die Idee kommen, zu heiraten, würden die Forscher der oben genannten Studien mir sicher dringend anraten, Florians Nachnamen anzunehmen. Einer Miriam Groß würde danach nämlich eine Menge zugetraut... und irgendwie finde ich Deforth nach wie vor sehr schön. Und sehr besonders. Und Geschmack ist auch nach wie vor ein freies Feld - wie ich finde.

Viel Freude beim Wahrnehmen der vielen Namen um Dich herum - und vor allem Deines eigenen und beim Erkennen der Stärken und zusätzlichen Möglichkeiten, die in Deinem Namen liegen.

Deine Miri