Anderen helfen? Hier sind ein paar NLP-Tipps...

14.11.2018

Die Situation ist klar. Hier ist dieser Mensch, der Dir etwas bedeutet, oder der Dir irgendwie nahe steht und Du würdest ihm oder ihr wirklich gerne helfen.

Leider ist seine Situation echt miserabel oder brisant und es fehlt an Herangehensweisen.

Erst einmal: Schön, dass Du helfen möchtest. Und jetzt kommts: Es gibt Grundvoraussetzungen für's Helfen, die ich in meiner Coachingpraxis als sehr wichtig empfinde und die von vielen Menschen missachtet werden - auch wenn sie es gut meinen.

Die erste ist: Höchster Respekt vor der Situation des Anderen.

Klar, wirst Du Dir jetzt denken. Ich gehe doch mit meiner Freundin, meiner Kollegin, meinem Partner nicht respektlos um. Was soll denn das hier, bitte!

Respekt, lieber Leser, bedeutet nicht nur, dass Du andere Menschen nicht beschimpfst oder ihre Ideen, Wünsche und Träume durch den Kakao ziehst. Nein, Respekt bedeutet im Falle von Hilfestellung auch, dass diese ausdrücklich von Deinem Gegenüber gewünscht ist.

Nun könntest Du zurecht sagen: Meiner Freundin gehts aber gerade richtig beschissen und sie richtet sich durch ihre Trauer, ihren Trotz oder ihre Wut selbst zugrunde - auch körperlich. Manche "muss man eben zu ihrem Glück zwingen". Genau da setzt ein NLP Coaching an - und wirft den Begriff "Respekt" mal in den Hilfe-Raum. Lies Dir den Satz noch einmal durch - Wort für Wort: Manche "muss man zu ihrem Glück zwingen". Puuuuuuuuh. Da ist einiges an Wort-Gewalt drin, oder?

Respekt vor dem Leben des anderen bedeutet auch, ihn seine Erfahrungen in Ruhe machen zu lassen. Auch, wenn Dir das manchmal schwer gefallen ist. Denn andere zu beobachten, ihre Fehler zu sehen oder auch ihre Lage zu beurteilen, fällt vielen Menschen einfacher, als vor der eigenen Tür zu kehren. Ich sag das jetzt einfach mal - selbst, wenn diese Aussage bei dem einen oder anderen Leser dieses Blogs auf Missgunst stoßen sollte. Oft sehen wir andere leiden und gehen quasi sofort in eine muttertheresiale Haltung: Hier können wir was Gutes tun. Dann kommen wir in den Himmel. Und der andere ist uns auf ewig dankbar. Oder zumindest seine Familie. Oder Du hast einfach Deine Freundschaft und Liebe bewiesen. Hm. Ist Liebe etwas, das bewiesen werden sollte? Das wäre ein Thema für einen anderen Podcast. Denn Liebe beweist sich unter Umständen auch gelegentlich dadurch, den anderen "zu lassen"... oder?

Wenn das alles abgeklärt oder ausgeschlossen ist und die emotionalen Fronten sehr klar sind, dann darf ja die Frage an den "Leidenden" erlaubt sein:

"Möchtest Du, dass ich Dir helfe oder magst Du erst einmal Deine Ruhe haben?"

Leute, das ist eine legitime Frage, oder? Not erkannt,? Dann bitte mach einen Abgleich, als wie groß Dein bekannter, Kollege, Partner oder werauchimmer diese Not selbst betrachtet. Wenn beide sich einig sind: Dann los!

Ach, eins noch: Im Idealfall ist diese Frage deshalb nicht nötig, weil Dein Gegenüber proaktiv auf Dich zukam, und Dich um Hilfe gebeten hat. Perfekt. Dann gib bitte alles. Sollte dies nicht geschehen sein: Respekt geht vor. Bitte frage erst. In einer Coachingpraxis ist diese Situation immer gegeben, denn die Menschen vereinbaren ja einen Termin mit einem Coach, weil sie sich Hilfe wünschen.

(Anmerkung der Redaktion: In diesem Blog geht es nicht um lebensrettende Maßnahmen an einem Unfallort. Wenn ich vorhabe, einen Bewusstlosen aus einem brennenden KFZ zu ziehen, dann frage ich vorher gewiss nicht: Ist Dir das jetzt recht?

Hier geht es um eine seelische Schieflage. Nicht, dass ich dann wieder zurecht E-Mails von Euch mit Besserwisserei bekomme.)

Nachdem Du also (ganz offen) geklärt hast, dass der Leidende gerne von Dir "beholfen werden" möchte, dann tu bitte eins: Kümmer Dich erst einmal um Dich.

Ich weiß, das klingt erst mal schräg und egoistisch.

Und es ist wichtig.

Wenn es um großen Liebeskummer auf der anderen Seite geht, nutzt es dem Betroffenen leidlich wenig, wenn Du selbst gerade in einem Scheidungsprozess steckst und nahe am Wasser gebaut bist, was das andere Geschlecht angeht. Dann haben wir nämlich den Klassiker: Zwei arme Seelen, die das Leid des Gegenübers mit ihrer eigenen Misere noch weiter verstärken.

Wer hilft, sollte idealerweise aus einer starken Position heraus helfen. Starke Arme können aus dem seelischen Sumpf ziehen. Zitternde Hände verunsichern oft mehr, als dass sie Hilfreiches tun.

Wenn Du also im Stande bist, durchzuatmen und die Situation zu verstehen, zu erkennen und dabei ruhig zu bleiben, ist dies schon der erste Tipp des Blogtextes.

Dein Gegenüber wird sich in seinem angegriffenen, emotionalen Zustand an Dir orientieren wollen. Spürt er bei Dir Sicherheit, Vertrauen, Hoffnung, Stabilität? Gut. Dann weiter im Hilfeprogramm.

Lass Dir die Situation oder das Problem KURZ schildern. Wenn Du wirklich helfen möchtest, dann ist es nicht von Vorteil, wenn Du und Dein Gegenüber hemmungslos in detaillierten Schilderungen der geschehenen "Katastrophe" versinkt. Zeige Verständnis, gib Deinem Gegenüber Raum, die wichtigen Dinge des Vorgangs zu schildern und unterbrich ihn oder sie ruhig, wenn Wiederholungen kommen oder die Geschichte sich nur noch im Kreis dreht. Sage mit ruhiger, fester Stimme, dass Du diesen Teil der Geschichte schon gehört hast.

Und dann kommt der nächste, fatale Fehler, der sehr oft im Bereich Hilfestellung (lieb gemeint) unternommen wird: Nach der zu Ende erzählten Leidensgeschichte kommt ...

... der RATSCHLAG (da ist das Wort schlagen drin, Du hast es richtig erkannt):

"Oh, ich verstehe und kenne das! Mach doch mal das und das. Hast Du das schon probiert?"

KNIRSCH. Offenbar hat der Mensch, der Dir gegenüber steht, gerade nicht viel probiert, um sich aus seiner misslichen Lage heraus zu bringen. Er oder sie hat vielmehr eine Menge Mühe und Zeit investiert, um in eine wirklich beschissene Lage hinein zu kommen. Und was Du jetzt tun würdest, um heraus zu kommen, aus der Soße, ist unter Umständen für den anderen derzeit nicht abbildbar.

Hier kommt es dann zu Äußerungen wie: "Das kann ich aber nicht." Oder: "Ach, das nutzt doch auch nichts." Und Du bist trotz megacooler Idee Deinerseits beim anderen nicht wirklich weiter gekommen.

Manchmal ist ein guter Tipp auch angebracht. Auch hier würde ich wieder eine Frage vorweg stellen: "Möchtest Du wissen, was ich jetzt tun würde?"

Das ist ein sogenanntes "Priming", um Deinem Tipp eine Art Rutschbahn in die Gedanken des anderen zu bauen. Wenn ein Tipp angenommen und umgesetzt werden soll - gerade in einer Extremsituation - dann ist das auf jeden Fall eine gute Vorbereitung. Und aus meiner Erfahrung mit Coaching ist ein Tipp oder das Schlagen mit Räten oft eher sinnlos. Der andere sagt vielleicht: Ja, kann ich ja mal probieren.

Und sind wir ehrlich: Im Augenblick fühlt sich Dein Gegenüber ja offensichtlich hilflos und ohnmächtig. Nicht gut, um etwas zu tun oder auszuprobieren.

Und wie viele Deiner gut gemeinten Schläge sind in emotionalen Krisen von anderen wirklich schon umgesetzt worden?

Was aus meiner Erfahrung hilft, ist folgendes:

Kontrolliere Deine Stimme. Lass sie ruhig und fest klingen.

Atme entspannt und locker.

Sei so ähnlich, wie es Dein Gegenüber im besten Fall wieder sein möchte.

Und dann frage den Unglücklichen: "Was könntest Du oder was könnten wir jetzt gemeinsam tun, damit es Dir ein kleines bisschen besser geht?"

Diese Frage birgt einen unglaublich kraftvollen Impuls.

Denn der Gedanke wird weggetragen vom Kern des Problems - hin zu einer kleinen Verbesserung.

Lass dem Hilfesuchenden bitte Zeit für seine Antwort. Und bestehe sanft darauf, dass es jetzt Zeit ist, eine kleine Intervention vorzunehmen.

Es geht nicht darum, das komplette Problem jetzt sofort zu lösen. Es geht darum, einen kleinen, behutsamen Schritt in Richtung Sonnenaufgang zu tun.

Also: Was kannst Du / was können wir tun, damit es Dir jetzt erst mal ein kleines bisschen besser geht?

Die Antworten sind oft verblüffend und einfach:

Ein Glas Wasser trinken.

Das Fenster öffnen.

In den Arm genommen werden.

Ein bestimmtes Musikstück anhören.

Das Zimmer wechseln.

Duschen.

Im Wald spazieren gehen.

Oder manchmal auch: Nix. Dann bleibt einfach sitzen und schweigt.

Es wird ohnedies zuviel gesprochen auf diesem Planeten.

Sitzt und schweigt und tut nix. Ruhig mal eineige Minuten. Wenn's hilft.

Egal, was derjenige, der Hilfe benötigt, jetzt sagt: Es gilt als die akzeptierte Maßnahme.

Wenn es nichts mit harten Drogen zu tun hat ;-) und umsetzbar ist, dann tu es. Oder lass es ihn tun. Oder tut es gemeinsam.

Und wenn die Maßnahme durchgeführt ist, atme laut hörbar durch und sage ruhig:; "Ja, schon besser."

Der nächste Schritt wäre dann, den Hilfesuchenden vorsichtig zu fragen, wie er sich die Situation denn jetzt wünschen würde.

Das ist die klassische "Gute Fee Nummer". Und sie ist ein Zauberwerkzeug - nach wie vor.

Wie wäre es, wenn jetzt schon ein Jahr vergangen wäre und es wäre wie durch Zauberhand alles oder vieles gut geworden. Wie wäre es dann?

Gib auch hier dem anderen wieder Raum, um seine eigene Phantasie zu gebrauchen. Leg ihm oder ihre keine Worte in den Mund, sondern lass zu, dass eine gute, stabile Situation bei dem einen so und bei dem anderen eben so aussieht.

Spinnt ruhig ein wenig gemeinsam durch die Gegend. Weißt Du, die meisten Menschen denken, dass sie ihrem Gegenüber damit helfen, dass sie stunden- und nächtelang über das Problem und dem Problem ähnliche Probleme reden. Die Wahrheit ist: Dann bleibt unser menschliches Gehirn eben auch in der Problemdauerschleife.

Du möchtest den anderen Richtung Sonnenaufgang begleiten? Dann verbringt die Nacht lieber damit, völlig verrückte Ideen zusammen zu halluzinieren. Wenn Dein Freund oder Kollege erst einmal damit begonnen hat, sich seine Position in "besser" oder "gut" zu phantasieren, dann bestärke ihn oder sie kräftig darin.

"Jetzt wo sie mich verlassen hat... hm... Ich wohne dann in einem Jahr in einer geilen Wohnnug in dem Stadtbezirk, in dem ich sowieso schon immer leben wollte. Und ich dekorier KEINE Kürbisse mehr im Herbst!!!"

"Ja, super! Die verfaulen auch immer so schnell. Gibt's denn eine Alternativdekoration?"

"Oh ja!! Überall hängen meine Bayern-Schals, die ich jetzt nicht aufhängen durfte!!"

"Großartig, dann lass Dich doch auch gleich jeden Morgen mit der Bayern-München-Hymne wecken!"

Und so weiter...

(Du siehst, dass ein solches Gespräch dann am besten möglich ist, wenn Du sehr entspannst bleibst - denn dann kannst Du es noch besser aufnehmen und den Ping Pong Ball zurückspielen).

Lass dem anderen den Raum, Vollgas zu geben (im Rahmen der gerade gedämpften Möglichkeiten) und unterstütze ihn dabei, so gut Du es kannst.

Übrigens: Falls sich irgendwann mal einer Deiner Bekannten, Freunde oder Kollegen sehr schwer tun möchte, diesen kleinen Schritt mit Dir zu gehen, der nachweislich Wunder vollbringen kann... dann bringt tatsächlich sehr häufig ein Platzwechsel etwas. Wir sagen ganz gerne "auf einem Stuhl festgeheult" - was bedeutet, dass wir alle schon einmal gemerkt haben, dass wir gelegentlich einen Raum betreten haben und haben uns entspannt und befreit gefühlt. Weil der Raum schön eingerichtet war. Helle Farben. Viel Licht. Und umgekehrt kennen wir diesen Effekt ebenso.

Fordere Dein Gegenüber auf, seinen Platz zu wechseln. Von einem Stuhl am Tisch zu einem anderen. Vom Esstisch zum Sofa. Vom Arbeitszimmer in die Küche zur Kaffeemaschine. Oder hinaus, an die frische Luft, um bei einem Spaziergang die wundervolle Frage zu stellen: "Was kannst Du jetzt tun, damit es Dir ein kleines bisschen besser geht?"

In diesem Sinne und mit diesen vielleicht neuen Ansätzen für Dich sage ich für dieses Mal: Danke für's Lesen.

Und wenn diese Art des Arbeitens Dich jetzt interessiert: Vom 11.-14.01.2019 findet die Coach Basic Ausbildung statt. Hier lernst Du noch einige dieser tollen und sanften, sehr wirkungsvollen Instrumente zusätzlich kennen.

Wir informieren Dich gerne unverbindlich darüber - schreib uns einfach eine E-Mail an info@kontext-denken.de.

Genieße Dich und Deine Tage und bis zum nächsten Mal.

Miri